Die Behauptung
„Es gibt keinen Joe Biden, er wurde 2020 hingerichtet. Die Person, die man heute sieht, ist ein Klon, Double oder seelenloses, robotisch konstruiertes Wesen.“
Aufgestellt von: Donald Trump via Truth Social (ReTruth des Nutzers @llijh)
Falsch
Falsch: Die Aussage ist frei erfunden und basiert auf einer bekannten QAnon-Verschwörungserzählung. Joe Biden ist lebendig, er wurde auch als Präsident während seiner Amtszeit nicht ersetzt. Solche Mythen sind gefährliche Desinformation.
Kurze Faktenübersicht:
- Joe Biden ist am Leben, er gab vor wenigen Tagen eine Stellungnahme zu seiner Krebserkrankung ab.
- Es gibt keine Beweise für eine Hinrichtung oder Klonersetzung.
- Die Behauptung stammt direkt aus dem QAnon-Umfeld.
- Donald Trump verbreitete den Beitrag am 01. Juni 2025 öffentlich.
Trump verbreitet absurde Biden-Verschwörung
Am 1. Juni 2025 repostete Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social einen Beitrag, der behauptet, Joe Biden sei bereits 2020 „hingerichtet“ worden. Was man heute sehe, seien nur Klone oder Roboter ohne Seele.
Der Ursprung dieses Wahns liegt bei einem User namens @llijh, dessen Beitrag gespickt war mit über 100 Hashtags, von #MAGA bis #Jesus.
Der ursprüngliche Account hat nur 94 Follower, doch Trumps ReTruth katapultierte die absurde Theorie vor fast 10 Millionen Follower.
Die Behauptung ist kein Witz. Sie stammt direkt aus dem QAnon-Kosmos und wird dort schon seit Jahren gegen verschiedene politische Gegner verbreitet.
QAnon und die Erzählung der Ersetzten
Im QAnon-Universum sind Klone, Doubles und Roboter längst Bestandteil der ideologischen Welt. Hillary Clinton, Barack Obama und sogar Papst Franziskus wurden laut solchen Erzählungen angeblich bereits durch seelenlose Repliken ersetzt.
Das Ziel: Misstrauen gegenüber Institutionen zu säen und politische Gegner zu entmenschlichen. Wer nicht mehr als Mensch gilt, sondern als Maschine oder Fake, der darf im Extremfall auch entmenschlicht behandelt werden.
Warum Trumps Repost kein Zufall ist
Dass Trump diesen Beitrag ohne jegliche Distanzierung teilt, ist mehr als nur ein digitaler Fehltritt. Es ist Teil eines politischen Kalküls:
- Er aktiviert die radikalsten Teile seiner Wählerschaft.
- Er schafft eine paranoide Parallelrealität, in der nur er „echt“ ist.
- Er destabilisiert die Faktenlage, um jede Kritik als Lüge abzutun.
Wie Experten und Kritiker reagieren
Politikwissenschaftler und Desinformationsforscher warnen seit Jahren: Die Normalisierung von QAnon-Narrativen durch Prominente wie Trump ist gefährlich.
„Solche Inhalte erzeugen eine radikale Realitätsverweigerung“, erklärt Dr. Joan Donovan, Desinformationsforscherin an der Harvard Kennedy School. „Wenn man glaubt, dass der Gegner kein Mensch mehr ist, werden demokratische Prozesse bedeutungslos.“
Auch politisch wird es brenzlig: Der liberale Influencer Harry Sisson nannte Trump öffentlich „unstabil und unzurechnungsfähig“. Keith Olbermann, Ex-Moderator bei MSNBC, forderte sogar das Greifen des 25. Zusatzartikels der US-Verfassung, ein Verfahren zur Amtsenthebung bei Unfähigkeit.
Trumps Muster systematischer Desinformation
Die Klon-Behauptung reiht sich ein in eine lange Liste gezielter Falschbehauptungen, die Trump seit Jahren verbreitet, oft in Wahlkampfphasen:
- 2011 behauptete er, Barack Obama sei nicht in den USA geboren.
- 2020 sprach er permanent von einer „gestohlenen Wahl“ ohne Belege.
- 2022 stellte er den Angriff auf Paul Pelosi als inszeniert dar.
- 2024 verbreiteten Trump und sein Running Mate J.D. Vance, dass haitianische Migranten in Springfield, Ohio, Haustiere essen würden, eine Behauptung, die von allen offiziellen Stellen als frei erfunden zurückgewiesen wurde. Trotzdem wurde sie in einer TV-Debatte wiederholt, was zu Bombendrohungen und Einschüchterungen gegen die haitianische Community führte.
Solche Lügen sind keine Ausrutscher, sondern systematische Elemente einer politischen Strategie: Sie sollen Misstrauen säen, Gegner dämonisieren und eine geschlossene Parallelwelt erschaffen, in der Trump allein die Deutungshoheit besitzt.
Trumps neuer Desinformationsbaukasten
Trumps aktuelle Strategie zeigt, wie sich sein Desinformationsrepertoire stetig weiterentwickelt, mit immer bizarreren Verschwörungsbehauptungen:
- Er unterstellt Biden, Gesetze und Begnadigungen würden ohne sein Wissen per Autopen unterzeichnet. Brisant: Trump selbst räumte ein, dass auch seine Regierung das Autopen-System nutzte (NYT, 1. Juni 2025).
- Im Mai 2025 behauptete Trump im Oval Office, weiße Farmer in Südafrika seien Opfer eines Völkermords, und zeigte ein Bild, das tatsächlich aus dem Kongo-Konflikt stammte. Statistiken in Südafrika widersprechen dieser Darstellung klar.
- Laut Washington Post log Trump in seiner ersten Amtszeit 30.573-mal, im Schnitt 21 Mal pro Tag.
- Eine NYT-Auswertung von 2024 zeigt: In nur 6 Monaten verbreitete Trump 330 Verschwörungsposts, in denen geheime Pläne gegen ihn und das Volk behauptet wurden, etwa dass das FBI seine Ermordung plante oder dass der Capitol-Riot ein „Inside Job“ war.
- Nur einen Tag vor dem Biden-Klon-Post sagte Biden öffentlich, er fühle sich gut nach der Einleitung einer Behandlung gegen Prostatakrebs. Trump unterstellte daraufhin, die Krankheit sei bewusst geheim gehalten worden, erneut ohne Beleg.
Die wuchernde Welt der Biden-Verschwörungen
Die Theorie vom „Biden-Klon“ ist nicht die einzige absurde Geschichte über den US-Präsidenten. Bereits 2021 kursierte ein achtstündiges Facebook-Video, das behauptete, Biden sei computergeneriert. Andere Beiträge verbreiten, er sei durch künstliche Intelligenz ersetzt worden.
Der Truth-Social-Account von @llijh verbreitete zudem weitere Verschwörungsmythen, etwa dass die Wahl 2020 ein „militärischer Staatsstreich“ gewesen sei oder dass Trump die Welt „vor satananbetenden globalen Eliten“ gerettet habe.
In den Kommentaren zu Trumps Repost finden sich ebenfalls krude Theorien: User vergleichen Fotos von Biden, analysieren angeblich veränderte Augenfarben („von blau zu schwarz“) und sehen darin Belege für eine Ersetzung.
Fakt ist: Joe Biden ist während seiner Amtszeit immer wieder öffentlich aufgetreten. Pressekonferenzen, Reden, internationale Gipfeltreffen: er war stets sichtbar, und es gibt keinen einzigen Beweis für irgendeine Form von Ersetzung.
Erst vor wenigen Tagen gab er seine erste öffentliche Stellungnahme seit der Bekanntgabe seiner Prostatakrebs-Diagnose ab.
Trumps Strategie: Realität auflösen, Kontrolle sichern
Trump setzt auf kontrollierbare Informationsräume. Seine Social-Media-Plattform Truth Social ist geflutet von verschwörungsideologischen Inhalten, die in regulierten Medien keine Chance hätten.
Was auffällt: Der Post von @llijh enthält neben der Biden-Klon-Behauptung eine Flut von Hashtags, die sämtliche rechten, religiösen, ethnischen und sozialen Gruppen ansprechen sollen. Ein digitaler Versuch, maximale Reichweite zu erzielen, auf dem Rücken der Wahrheit.
FAQ-Box
Hat Trump wirklich diesen Beitrag geteilt?
Ja. Am 1. Juni 2025 teilte Trump öffentlich auf Truth Social einen Beitrag mit der Behauptung, Biden sei 2020 hingerichtet und ersetzt worden.
Ist diese Klon-Theorie neu?
Nein. Solche Theorien kursieren seit Jahren im QAnon-Milieu und betreffen viele prominente Politiker.
Glaubt Trump das wirklich?
Unklar. Entscheidend ist: Er verbreitet es öffentlich, ohne Distanzierung. Das allein reicht, um es zu normalisieren.
Wie gefährlich ist das?
Sehr. Es kann zu Radikalisierung und Gewalt führen, wenn Menschen ihre Gegner nicht mehr als Menschen sehen.
Was sagen Kritiker?
Prominente Stimmen wie Keith Olbermann fordern Trumps Amtsenthebung wegen geistiger Unfähigkeit. Andere warnen vor einer Strategie der bewussten Desinformation.
Was kann man tun?
Fakten prüfen, Quellen hinterfragen, nicht alles glauben, und solche Inhalte klar als Desinformation benennen.
Fazit zum Thema
Die Behauptung, Joe Biden sei durch einen Klon ersetzt worden, ist frei erfunden und brandgefährlich. Dass Donald Trump sie ungefiltert weiterverbreitet, zeigt, wie tief Verschwörungsdenken in seine politische Strategie eingebettet ist. Wer seinen politischen Gegner nicht mehr als Mensch darstellt, verliert die moralische Grenze, und ebnet den Weg für Entmenschlichung, Hass und Gewalt.
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