Video zeigt angeblich Amoklauf in Graz – doch es stammt aus Wien

Ein virales Video wird mit dem Amoklauf in Graz in Verbindung gebracht, doch es zeigt einen älteren Vorfall in Wien.

Die Behauptung

In sozialen Medien wird ein Video verbreitet, das angeblich den Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz am 10. Juni 2025 zeigt. Im Video sieht man eine Person im Freien mit einer Waffe. Es wird behauptet, dies sei Teil der Tat in Graz.

Aufgestellt von: Social Media

Falsch

Falsch. Das verbreitete Video stammt nachweislich nicht vom Amoklauf in Graz, sondern zeigt einen Vorfall in Wien-Floridsdorf vom 31. Mai 2025. Die vermutete Verbindung ist eine klassische Desinformation durch falschen Kontext.

Kurze Faktenübersicht:

  • Das Video zeigt einen Wiener Skaterpark in Floridsdorf, nicht Graz.
  • Der Vorfall in Wien ereignete sich bereits am 31. Mai 2025.
  • Es handelte sich um eine Schreckschusswaffe, keine echten Schüsse.
  • Beim Amoklauf in Graz kamen zehn Menschen ums Leben.

💬Wie werden echte Bilder gezielt falsch eingeordnet? Antworten finden Sie im Leitfaden Bild- und Kontext-Fakes.

Video zeigt Wiener Skaterpark, nicht Tatort in Graz

Das virale Video, das in den Stunden nach dem Amoklauf in Graz, wir haben HIER darüber berichtet, auf X, TikTok und Telegram kursiert, zeigt eine Person mit gezogener Waffe, die auf einer Asphaltfläche zwischen Parkbänken agiert. Viele Nutzer:innen behaupten, das Video sei „exklusiv aus Graz“ und beweise die Brutalität der Tat.

Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen
Screenshot des vermeintlichen Vorfalls in Graz
Screenshot des vermeintlichen Vorfalls in Graz

Doch das stimmt nicht. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Die Örtlichkeit im Video stimmt exakt mit dem Skatepark am Südausgang des Bahnhofs Floridsdorf in Wien überein. Dies bestätigten nicht nur Geolokalisierung, die von Andre Wolf von Mimikama durchgeführt wurde und Augenzeugen, sondern auch Medienberichte.

Screenshot Geolokalisierung
Screenshot Geolokalisierung Skatepark in Wien

Vorfall in Wien war bereits am 31. Mai 2025

Wie die Landespolizeidirektion Wien bestätigte, handelt es sich bei dem im Video gezeigten Vorfall um eine Auseinandersetzung unter Jugendlichen am 31. Mai 2025. Zwei Jugendliche verfolgten gegen 21:00 Uhr eine weitere Person, wobei einer von ihnen eine Schreckschusspistole zog und mehrere Male abfeuerte. Dabei wurden laut Polizei keine Menschen verletzt. Die Täter konnten fliehen. Eine sofortige Fahndung mit Großaufgebot der WEGA verlief zunächst ohne Festnahme. Die Polizei stellte Patronenhülsen sicher und kündigte Schwerpunktaktionen gegen Jugendgewalt an.

Warum wird das Video mit Graz verknüpft?

Die Verwechslung beruht auf dem falschen Kontext und der optischen Ähnlichkeit zwischen beiden Orten. Nutzer:innen, die das Video kommentarlos mit Hashtags wie #GrazShooting, #AmoklaufGraz oder #Schulmassaker teilen, sorgen unabsichtlich oder absichtlich für Falschinformation. Der tatsächliche Tatort in Graz – das BORG Dreierschützengasse – liegt in einem völlig anderen Bundesland. Medien, Polizei und Expert:innen rufen dazu auf, keine ungesicherten Videos weiterzuverbreiten. Solche Inhalte können Opfer retraumatisieren und Ermittlungen behindern.

FAQ – Häufige Fragen zur Video-Falschmeldung

Handelt es sich bei dem Video wirklich nicht um Graz?

Ja. Die genaue Analyse von Gebäuden, Beschilderung und S-Bahn-Infrastruktur zeigt zweifelsfrei, dass der Clip aus Wien-Floridsdorf stammt.

Gab es beim Vorfall in Wien Tote oder Verletzte?

Nein. Es wurden keine Personen verletzt. Die Schüsse stammten aus einer Schreckschusswaffe.

Warum ist das Video trotzdem viral gegangen?

Viele Nutzer:innen reagieren emotional auf Schlagzeilen und teilen Inhalte ungeprüft weiter. Algorithmen sozialer Medien begünstigen sensationelle Videos – oft ohne Kontext.

Welche Konsequenzen kann das Teilen solcher Falschinformationen haben?

Neben möglichen rechtlichen Konsequenzen (z. B. Mediengesetz § 7a) können solche Inhalte Ermittlungen behindern und für Betroffene retraumatisierend sein.

Fazit zum Thema

Die Verbreitung des Videos im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Graz ist eine bewusste oder fahrlässige Falschzuordnung. Es zeigt einen anderen Vorfall in Wien und steht in keinerlei Zusammenhang mit der Tragödie am BORG Dreierschützengasse in Graz. Aufklärung, mediale Sorgfalt und Zurückhaltung sind jetzt wichtiger denn je.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.