Nein, mRNA-Impfstoffe senken Schwangerschaftschancen nicht

Eine aktuell verbreitete Studie soll belegen, dass Covid-19-Impfungen die Fruchtbarkeit von Frauen schädigen. Fachleute und Datenlage sprechen klar dagegen.

Die Behauptung

Die Covid-19-Impfung greife den Eizellenvorrat von Frauen an und verringere ihre Chancen, schwanger zu werden. Zur Untermauerung wird eine Studie verlinkt, die einen negativen Einfluss der Impfung auf die Fruchtbarkeit nahelegen soll.

Aufgestellt von: Social Media

Falsch

Die derzeit vorliegenden Daten aus seriösen, kontrollierten Studien zeigen keinen Einfluss der Covid-19-Impfstoffe auf die Fruchtbarkeit von Frauen. Die verlinkte Studie weist laut Fachprüfung gravierende Auffälligkeiten bei den Daten auf und wurde zudem nicht an Menschen, sondern an Ratten durchgeführt.

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Analyse – Die Fakten dahinter

Es handelt sich um solche und ähnliche Aussagen zu mRNA-Impfstoffen:

“We now have clear evidence that the COVID-19 mRNA shots are devastating the reproductive capacity of humanity. In animal models, they destroy >60% of women’s finite egg supply.
In human data (n=1.3M), vaccinated women have ~33% fewer successful pregnancies than unvaccinated. … the world barrels towards irreversible population collapse.”

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„Durch die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) werden über 60 % des nicht erneuerbaren Eizellvorrats von Frauen zerstört und die Schwangerschaftschancen um 33 % verringert. Die Menschheit steht somit vor einem existenziellen Geburtenrückgang.“

Screenshot der fraglichen Behauptung auf Social Media; Nein, mRNA-Impfstoffe senken Schwangerschaftschancen nicht
Screenshot der fraglichen Behauptung auf Social Media

Der Faktencheck

  • Auffällige Daten in der verlinkten Studie

Der Projektleiter von Medizin Transparent, Bernd Kerschner, hat die verlinkte Studie auf Anfrage geprüft. Dabei stellte er „starke Hinweise auf Datenfälschung“ fest:

  • In Tabelle 1 der Studie sind Mittelwerte und Standardabweichungen angegeben.
  • Laut Kerschner sind die dort angegebenen Standardabweichungen mathematisch nicht möglich: Sie können bei den genannten Mittelwerten laut Grimmer-Test nicht auftreten.
  • Theoretisch wären Übertragungsfehler denkbar, doch Rundungsfehler schließt er nach eigener Prüfung aus.
  • Da sich die Unstimmigkeiten bei fast zwei Dritteln der Werte finden, hält er eine Fälschung für „nicht unwahrscheinlich“.

Hinzu kommt: Die Studie wurde an Ratten durchgeführt. Tierstudien können erste Hinweise liefern, sind aber allein keine belastbare Grundlage, um direkte Schlussfolgerungen für die Fruchtbarkeit von Menschen zu ziehen. Selbst ohne Datenprobleme wäre die Aussagekraft für Frauen also begrenzt.

  • Studienlage zur Fruchtbarkeit von Frauen

Mehrere wissenschaftliche Arbeiten untersuchen, ob Covid-19-Impfstoffe die Fruchtbarkeit beeinflussen. Die zentrale Aussage dieser Studien:

  • Keine Verschlechterung der Schwangerschaftschancen nach Impfung.
  • Auch bei Untersuchungen der Eierstockfunktion (z. B. Hormonwerte, Eizellzahl) fanden Forschende keine Hinweise auf schädliche Effekte der Impfung.
  • Besonders aussagekräftig sind Daten aus der künstlichen Befruchtung (IVF/ICSI):
    • Vor und nach der Impfung wurden Anzahl, Reifung und Entwicklung der Eizellen verglichen.
    • Die Ergebnisse zeigen keine relevanten Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Frauen.

Diese Einschätzung wird u. a. von:

  • dem Universitätsklinikum Jena
  • der Medizinischen Universität Innsbruck

bestätigt. Beide Einrichtungen sehen auf Basis der vorhandenen Daten keinen Hinweis, dass Covid-19-Impfstoffe die Fruchtbarkeit von Frauen beeinträchtigen.

  • Einordnung durch Behörden (RKI, BASG)

Das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt in seinem Faktencheck:

  • Schwangeren wird die Covid-19-Impfung ausdrücklich empfohlen, weil eine Erkrankung mit Covid-19 für Mutter und Kind deutlich riskanter sein kann als die Impfung.
  • Es gebe keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und der Corona-Impfung.

Wirkung & Mechanismus

Behauptungen, Impfungen machten unfruchtbar, treffen einen sensiblen Bereich:

  • Kinderwunsch und Familienplanung sind emotional stark besetzt. Schon vage Andeutungen können Verunsicherung auslösen.
  • Ein angebliches „Geheimwissen“ aus einer Studie – zumal mit Fachbegriffen und Tabellen – wirkt auf viele Menschen glaubwürdig, auch wenn die Datenlage fehlerhaft ist.
  • Plattformen wie Telegram verstärken solche Inhalte, weil spektakuläre Warnungen oft stärker geteilt werden als nüchterne Korrekturen.

So entsteht ein Eindruck von Gefahr, obwohl die wissenschaftliche Gesamtdatenlage dem widerspricht.

Fazit

Die aktuell vorliegenden geprüften Daten und Einschätzungen von Fachstellen widersprechen der Behauptung klar: Covid-19-Impfungen vermindern nach heutigem Kenntnisstand weder den Eizellenvorrat noch die Schwangerschaftschancen von Frauen.

Faktenbarometer

Einstufung: ❌ Falsch
Die auf Telegram verbreitete Behauptung zur Unfruchtbarkeit durch die Covid-19-Impfung wird weder von der insgesamt vorliegenden Studienlage noch von Fachinstitutionen und Behörden gestützt; die verlinkte Studie ist zudem fachlich und formal auffällig und wenig aussagekräftig für Menschen.

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Eine gefährliche Verdrehung: Nein, die Impfung macht Frauen nicht unfruchtbar. Gezielte Panikmache: Diese Studie beweist nichts und verunsichert viele Menschen.

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