Die Behauptung
Der verbreitete X-Post behauptet: „Neugeborene Babys werden NICHT MEHR mit einem Impfstoff geimpft, der ursprünglich für PROSTITUIERTE UND DROGENABHÄNGIGE ZUM KOMPLETTVERKAUF entwickelt wurde. DIE IMPFSTOFFMÖRDER HABEN HEUTE VERLOREN.“
Aufgestellt von: Soziale Medien, X
Falsch
Die Kernaussagen zur Entstehung und Zielgruppe der Hepatitis B-Impfung sind fachlich falsch. Die Darstellung, Neugeborene seien bisher mit einem „für Prostituierte und Drogenabhängige entwickelten Impfstoff“ geimpft worden, entbehrt jeder Grundlage.
Der Post arbeitet mit abwertenden Begriffen, Auslassungen und einem verzerrenden Zusammenhang zwischen Impfempfehlungen und bestimmten Risikogruppen.
Analyse – Die Fakten dahinter
Ein viraler Post behauptet, die Hepatitis B-Impfung für Neugeborene sei ursprünglich für „Prostituierte und Drogenabhängige“ entwickelt worden und werde künftig nicht mehr verabreicht. Beides ist unbelegt bzw. falsch. Der Post suggeriert, dies belege eine neue offizielle Entscheidung.
Medizinische Fakten zur Hepatitis B-Impfung
Wofür der Impfstoff entwickelt wurde:
Die Hepatitis B-Impfung wurde entwickelt, um Infektionen mit dem Hepatitis B-Virus zu verhindern. Das Virus wird über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. Die medizinisch entscheidenden Punkte:
- Häufigste Übertragungswege weltweit:
- Mutter-Kind-Übertragung während der Geburt
- Übertragung im frühen Kindesalter in Haushalten
(Quelle: WHO, CDC – gesicherter Wissensstand bis 2024)
Diese Übertragungswege treffen nicht primär Sexarbeit oder intravenösen Drogenkonsum, sondern betreffen vor allem Familien und Kleinkinder.
Warum Neugeborene geimpft werden:
- Frühinfektionen führen deutlich häufiger zu chronischen Erkrankungen, später auch zu Leberzirrhose und Leberkrebs.
- Die Geburt ist ein sicherer Zeitpunkt, an dem alle Kinder erreicht werden.
- Die Impfung bei Geburt reduziert nachweislich spätere Erkrankungen und Todesfälle.
Die Aussage, der Impfstoff sei „für Prostituierte und Drogenabhängige“ entwickelt worden, ist historisch und medizinisch falsch.
Was am Video sichtbar ist, und was es nicht belegt
Im Screenshot sind folgende Elemente erkennbar:
- Der Schriftzug „U.S. Centers for Disease Control and Prevention“ im Hintergrund.
- Das eingeblendete Datum „December 5, 2025“.
- Ein Konferenztisch mit Namensschildern und Mikrofonen.
- Der Post behauptet, dies sei ein CDC-Gremium, das neue Impfempfehlungen beschlossen habe.
Wichtig:
- Man kann keine Echtheit oder den tatsächlichen Kontext des gezeigten Videos prüfen.
- Der Post selbst liefert keine überprüfbaren Belege für den behaupteten Beschluss.
- Selbst wenn ein Gremium diskutiert oder abstimmt, folgt daraus nicht automatisch, dass die bisherigen Impfempfehlungen „Fehlentwicklungen“ gewesen seien oder dass Impfstoffe ursprünglich für bestimmte stigmatisierte Gruppen entwickelt wurden.
Der sichtbare Ausschnitt zeigt eine Sitzungssituation, aber keine Bestätigung der im Post formulierten Schlussfolgerungen.
Wie der Post manipuliert
Auslassungen:
- Entscheidend ist: Hepatitis B betrifft weltweit alle Bevölkerungsgruppen.
- Die wichtigste Präventionsmaßnahme im Kindesalter wird vollständig ignoriert.
Falsche Kausalität:
- Die Behauptung, ein Impfstoff sei ursprünglich für bestimmte „Randgruppen“ gedacht gewesen, wird ohne Beleg gesetzt und widerspricht der belegten Entwicklungsgeschichte.
Emotionalisierung:
- Begriffe wie „drug addicts“, „prostitutes“ und „vaccine murderers“ dienen der moralischen Eskalation, nicht der Information.
Scheinbare Autorität durch Videoausschnitt:
- Der Ausschnitt wird genutzt, um den Eindruck einer offiziellen Bestätigung zu erzeugen, ohne die tatsächliche Aussage des Gremiums darzulegen.
Wirkung & Mechanismus
Solche Posts wirken, weil:
- die Kombination aus Babys, medizinischen Eingriffen und starker Sprache Instinkte und Misstrauen anspricht,
- die Vereinfachung „Impfung nur für Risikogruppen“ unmittelbar einleuchtet, wenn komplexe Übertragungswege nicht erwähnt werden,
- der Videoausschnitt den Eindruck einer offiziellen, dramatischen Entscheidung erzeugt, auch wenn der Inhalt unklar bleibt.
Fazit
Die geprüften, belegbaren Fakten widersprechen der Kernaussage des Posts deutlich:
Die Hepatitis B-Impfung ist weder für bestimmte stigmatisierte Gruppen entwickelt worden, noch ergibt sich aus dem gezeigten Sitzungsausschnitt eine Bestätigung der behaupteten Interpretation.
Lesen Sie auch: COVID-19-Impfungen: Behauptete Todesfälle bei Kindern in internem FDA-Memo?
Kostenlos · der tägliche Mimikama-Newsletter
Fakten statt Aufregung. Direkt in dein Postfach.
Die wichtigsten Faktenchecks und Meldungen des Vortags – jeden Morgen kostenlos und unabhängig vom Social-Media-Algorithmus.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
