Fake-Nachrichtenseiten im Dauereinsatz: Vom angeblichen TV-Eklat zum unseriösen Investmentberater

Derzeit erreichen uns zahlreiche Meldungen zu gefälschten Nachrichtenartikeln mit erfundenen TV-Skandalen. Ein aktueller Fall zeigt, wie es nach der Registrierung weitergeht: mit persönlichen Anrufen, WhatsApp-Kontakt und Zahlungsdruck.

📖Woran erkennt man betrügerische Investment-Angebote? Antworten finden Sie im Leitfaden Investmentbetrug.

Mal soll Ranga Yogeshwar bei „Maybrit Illner“ Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bloßgestellt haben, mal übernimmt Ralf Dümmel diese Rolle. In anderen Varianten sorgt Dieter Nuhr für einen angeblichen Eklat, oder Politiker geraten bei „Maischberger“ aneinander.

Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Die Seiten sehen aus wie Artikel der Tagesschau oder des Spiegel. Die Nachrichtenportale variieren, die Namen der Prominenten auch. Doch eines haben sie alle gleich: Die Geschichten sind erfunden. Solche Fake-Artikel dienen als Einstieg in Investmentangebote, die schnelle Gewinne und einen einfachen Zugang versprechen.

Wir dokumentieren diese Masche seit Jahren. Zuletzt erreichten uns allerdings auffällig viele solcher Meldungen. Neu ist das Prinzip nicht. Die aktuellen Fälle zeigen aber besonders anschaulich, wie der Ablauf vom spektakulären Fake-Artikel bis zum persönlichen Kontakt funktioniert.

Der TV-Skandal schafft Aufmerksamkeit

Die Geschichten wechseln, ihre Dramaturgie bleibt häufig ähnlich. Eine bekannte Person spricht angeblich vor laufender Kamera über eine außergewöhnliche Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ein Politiker, Banker oder anderer einflussreicher Akteur soll verhindern wollen, dass diese Information öffentlich wird.

Bekannte Namen ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Das nachgebaute Erscheinungsbild eines etablierten Mediums soll Vertrauen schaffen. Der angebliche Konflikt erklärt zugleich, warum von der vermeintlich sensationellen Geldanlage bisher kaum jemand gehört haben soll.

So wirkt das Investmentangebot nicht wie Werbung. Es erscheint als Information, die angeblich gegen Widerstände öffentlich geworden ist.

Dazu kommen dramatische Elemente. Menschen verlassen angeblich wutentbrannt das Studio, Sendungen eskalieren, Beteiligte flüchten – in manchen Varianten folgen sogar Unfälle. Je spektakulärer die Geschichte, desto größer die Aufmerksamkeit.

Namen und Sendungen lassen sich austauschen

Die aktuell gemeldeten Fälle zeigen besonders deutlich, wie flexibel dieses Muster eingesetzt wird.

Eine Seite im nachgebauten „Spiegel“-Design behauptet etwa, Ralf Dümmel habe Christian Sewing bei „Maybrit Illner“ mit einer geheim gehaltenen Geldanlage konfrontiert. Eine nahezu identische Variante setzt stattdessen Ranga Yogeshwar ein.

Andere Seiten imitieren die Tagesschau und erzählen ähnliche Geschichten mit Dieter Nuhr. Wieder andere verlegen den angeblichen Konflikt zu „Maischberger“ und besetzen die Rollen mit Politikern.

Mal „Spiegel“, mal Tagesschau, mal Ranga Yogeshwar, Ralf Dümmel oder Dieter Nuhr: Namen, Medienmarken und Geschichten wechseln, das Grundprinzip bleibt ähnlich.
Mal „Spiegel“, mal Tagesschau, mal Ranga Yogeshwar, Ralf Dümmel oder Dieter Nuhr: Namen, Medienmarken und Geschichten wechseln, das Grundprinzip bleibt ähnlich.

Besonders deutlich wird das Baukastenprinzip bei den Varianten mit Ralf Dümmel und Ranga Yogeshwar: Uns liegen Fassungen derselben Seitenstruktur vor, bei denen die prominente Hauptfigur ausgetauscht wurde. Die auffallende Gestik wiederum taucht dann auch wieder bei Dieter Nuhr in einem gefälschten Tagesschau-Artikel auf, der angeblich in der Rubrik „Sensation“ veröffentlicht wurde.

Medienmarke, Talkshow, prominente Person, Gegenspieler und Finanzprodukt funktionieren damit wie austauschbare Bauteile. Der Kern bleibt derselbe: Eine angeblich unterdrückte Information soll zu einem Investment führen.

Aus diesen Ähnlichkeiten folgt allerdings nicht, dass alle Varianten von denselben Personen betrieben werden. Eine gemeinsame Urheberschaft ist anhand der vorliegenden Fälle nicht belegt.

Nach dem Artikel folgt das Investment

Irgendwann wechselt die Geschichte vom angeblichen TV-Skandal zum eigentlichen Angebot. Dann geht es um automatisierten Handel, Kryptowährungen, künstliche Intelligenz oder andere vermeintliche Möglichkeiten, Geld anzulegen.

Auch die Namen der Angebote ändern sich. In aktuell gemeldeten Fällen tauchten beispielsweise eine angebliche „eToro KI-Automatik“ und ein Angebot namens „Nivor Rinorela“ auf.

Das Versprechen bleibt ähnlich: Schon mit einer kleinen Einzahlung sollen innerhalb kurzer Zeit hohe Gewinne möglich sein. Besonders häufig wird dabei ein Einstieg mit 250 Euro genannt.

Doch vor einer Zahlung steht häufig noch ein anderer Schritt, und der ist für den weiteren Ablauf entscheidend.

Die Kontaktdaten verändern den Ablauf

Interessierte sollen auf den Seiten Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer angeben. Danach werde sich ein persönlicher „Berater“ melden.

Damit wird aus einem anonymen Seitenbesucher ein direkt erreichbarer Kontakt. Die Anbieter müssen nicht mehr darauf hoffen, dass jemand später freiwillig zurückkehrt. Sie können selbst anrufen und auf eine Einzahlung hinwirken.

Manche Seiten verstärken den Druck zusätzlich mit angeblich knappen Fristen. Eine Registrierung soll nur noch wenige Stunden möglich sein oder ein Platz lediglich für kurze Zeit reserviert bleiben.

Aus der angeblichen Nachricht wird ein Verkaufstrichter: Nutzer sollen persönliche Daten angeben und mit 250 Euro starten. Gleichzeitig wird mit einer vermeintlich begrenzten Verfügbarkeit Zeitdruck aufgebaut.
Aus der angeblichen Nachricht wird ein Verkaufstrichter: Nutzer sollen persönliche Daten angeben und mit 250 Euro starten. Gleichzeitig wird mit einer vermeintlich begrenzten Verfügbarkeit Zeitdruck aufgebaut.

Genau hier liegt eine wichtige Funktion des Fake-Artikels: Er soll nicht nur Interesse an einem Investment wecken. Er soll Menschen dazu bringen, ihre Kontaktdaten selbst einzutragen.

Was danach passieren kann, zeigt eine aktuelle Meldung, die uns zugeschickt wurde.

Nach der Registrierung klingelt das Telefon

Ein Betroffener berichtete uns, auf einen vermeintlichen Tagesschau-Artikel über einen angeblichen Eklat bei „Maybrit Illner“ gestoßen zu sein. Dort seien schnelle Gewinne und ein Einstieg mit mindestens 250 Euro in Aussicht gestellt worden.

Nach seiner Schilderung registrierte er sich und hinterließ seine Kontaktdaten. Kurz darauf folgten Anrufe.

Dabei sei zunächst gefragt worden, mit welchem Betrag ein Konto eröffnet werden solle. Zahlungsinformationen sollten anschließend per E-Mail übermittelt werden. Später habe ein Anrufer nachgefragt, ob die Nachricht angekommen und die Zahlung bereits ausgeführt worden sei. Zusätzlich sei WhatsApp als weiterer Kommunikationsweg angeboten worden. Auch am folgenden Tag habe es weitere Anrufversuche gegeben.

Der Betroffene überwies kein Geld.

Uns liegt außerdem eine E-Mail vor, die er im Zusammenhang mit diesem Kontakt erhalten hat. Darin ist von einer „Anmeldung“ und einem eingerichteten „Handelskonto“ die Rede. Genannt werden konkrete Zahlungsdaten sowie ein Betrag von 1.000 Euro. Die Überweisung soll per Sofortüberweisung erfolgen.

Damit lässt sich zumindest nachvollziehen, dass aus dem geschilderten Investmentkontakt eine konkrete Zahlungsaufforderung wurde. Ob die E-Mail technisch unmittelbar von derselben Fake-Seite beziehungsweise denselben Verantwortlichen stammt, ließ sich nicht belegen.

Die Fake-Artikel sollen Vertrauen vorproduzieren

Der Fall macht sichtbar, warum für diese Masche überhaupt aufwendig Nachrichtenseiten nachgebaut und immer neue Geschichten erfunden werden.

Diese Fake-Artikel sind nicht nur eine Werbeanzeige oder eine Sensationsmeldung mit Umweg. Sie bereiten das spätere Gespräch vor.

Wer die Geschichte glaubt, hat möglicherweise bereits mehrere vermeintliche Informationen akzeptiert: Ein bekanntes Medium berichtet darüber. Eine prominente Person empfiehlt oder verteidigt die Methode. Andere Menschen sollen damit bereits Geld verdient haben. Banken oder andere mächtige Akteure hätten ein Interesse daran, die Methode geheim zu halten.

Wenn anschließend ein freundlicher „Investmentberater“ anruft, beginnt das Gespräch deshalb möglicherweise nicht mehr bei null. Das Vertrauen sollte bereits vorher aufgebaut werden.

250 Euro können nur der Einstieg sein

Eine erste Einzahlung von 250 Euro muss nicht das Ende des Vorgangs sein. Bei betrügerischen Investmentangeboten kann nach einer ersten Zahlung versucht werden, weitere Überweisungen zu erreichen.

Auch angezeigte Gewinne auf einer Plattform belegen für sich genommen nicht, dass Geld tatsächlich entsprechend investiert wurde oder später ausgezahlt werden kann. Eine Darstellung auf dem Bildschirm ist noch kein Nachweis über reale Handelsgeschäfte.

Der aktuelle Fall zeigt zudem, warum man sich nicht auf die häufig beworbenen 250 Euro fixieren sollte: Die konkrete Zahlungsaufforderung, die der Betroffene nach seiner Registrierung erhielt, lag bereits darüber.

Warnsignale beginnen deshalb deutlich vor hohen Forderungen. Vorsicht ist angebracht, wenn ein angeblicher Nachrichtenartikel zu einer Geldanlage führt, ungewöhnlich hohe Gewinne verspricht und persönliche Kontaktdaten verlangt.

Auch Werbung in vertrautem Umfeld kann in die Falle führen

Solche Anzeigen können Nutzern auch auf bekannten Webseiten oder in Empfehlungsflächen begegnen. Nutzer berichteten uns beispielsweise von einer entsprechenden Werbung auf WetterOnline, andere von einer Nachrichten- beziehungsweise Empfehlungsfläche auf seinem Smartphone.

Das bedeutet nicht, dass die jeweiligen Anbieter hinter den beworbenen Inhalten stehen. Onlinewerbung kann über externe Werbesysteme und Vermittler ausgespielt werden.

Ein vertrautes Umfeld macht die beworbene Seite deshalb nicht automatisch seriös, wirkt aber auch nicht automatisch als Fake.

Die Adresse hilft bei der Prüfung

Ein einfacher Kontrollschritt ist der Blick auf die Internetadresse.

Eine Seite kann Logo, Farben und Aufbau der Tagesschau nahezu vollständig nachahmen. Liegt der angebliche Artikel jedoch auf einer fremden Domain, ist er kein Beitrag auf tagesschau.de.

Dasselbe gilt für andere Medienmarken.

Auch die behauptete Sensation selbst sollte misstrauisch machen. Wenn ein prominenter Gast tatsächlich vor laufenden Kameras ein spektakuläres Finanzgeheimnis enthüllt hätte, wäre eine unbekannte Webseite kaum die einzige Quelle dafür.

Was tun, wenn die eigenen Daten bereits angegeben wurden?

Wer lediglich einen solchen Artikel geöffnet hat, hat damit noch kein Investment abgeschlossen. Wurden jedoch Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer angegeben, sollte mit weiteren Kontaktversuchen gerechnet werden.

Dann gilt:

  • keine Einzahlung leisten und keine Zahlungsaufforderungen erfüllen,
  • keine zusätzlichen persönlichen oder finanziellen Daten weitergeben,
  • verdächtige Telefonnummern und Messenger-Kontakte blockieren,
  • auch bei späteren Anrufen unter anderen Namen vorsichtig bleiben,
  • keine Fernzugriffssoftware auf Computer oder Smartphone installieren und niemandem Zugriff auf das Gerät ermöglichen.

Wurde bereits Geld überwiesen, sollte möglichst schnell die eigene Bank oder der verwendete Zahlungsdienst kontaktiert werden. Auch eine Anzeige bei der Polizei kommt in Betracht.

Der Köder wechselt, der Ablauf bleibt

Beim nächsten Mal wird möglicherweise eine andere Talkshow genannt, ein anderer prominenter Name verwendet oder ein neues Finanzprodukt beworben.

Wer nur einzelne Namen prüft, begegnet deshalb immer wieder scheinbar neuen Fällen. Hilfreicher ist es, den Ablauf dahinter zu erkennen:

Anzeige → gefälschter Nachrichtenartikel → erfundener Skandal → außergewöhnliches Gewinnversprechen → Registrierung → persönlicher Kontakt → Zahlungsaufforderung

Die erfundene Nachricht verkauft also nicht nur eine Geschichte. Sie soll Aufmerksamkeit erzeugen und Vertrauen schaffen, bevor der eigentliche Verkauf beginnt.

Die spektakuläre Nachricht ist der Köder. Der entscheidende Teil der Masche kann erst danach beginnen.

FAQ

Ist bereits der Klick auf einen Fake-Artikel gefährlich?

Ein bloßer Seitenaufruf bedeutet noch nicht, dass ein Investment abgeschlossen wurde. Kritischer wird es, wenn persönliche Daten eingegeben, Zahlungen geleistet oder auf Aufforderung Software installiert wird.

Warum verlangen solche Seiten eine Telefonnummer?

Eine Telefonnummer ermöglicht den direkten Kontakt. Anrufer können nachfassen und versuchen, Interessierte zu einer Einzahlung oder weiteren Schritten zu bewegen.

Ist ein Angebot seriös, wenn die Anzeige auf einer bekannten Webseite erscheint?

Nicht automatisch. Anzeigen können über externe Werbesysteme ausgeliefert werden. Entscheidend ist, wohin die Werbung tatsächlich führt und wer hinter dem dort beworbenen Angebot steht.

Wie prüfe ich, ob die angebliche Sendung echt ist?

Suchen Sie nach der Sendung und den beteiligten Personen. Ein spektakulärer Eklat bei „Maybrit Illner“, „Maischberger“ oder „Markus Lanz“ würde normalerweise auch auf offiziellen Seiten, in Mediatheken oder bei anderen Medien auftauchen.

Wie erkenne ich eine gefälschte Nachrichtenseite?

Prüfen Sie die Internetadresse. Ein echter Tagesschau-Artikel liegt auf tagesschau.de. Führt die Seite auf eine fremde Domain, ist das ein klares Warnsignal, auch wenn Logo und Gestaltung täuschend echt aussehen.


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