Cigdem Akkaya – Verkürztes Zitat und falsches Foto: Was hinter der Zitatkachel wirklich steckt

Ein real gefallenes Zitat wird verkürzt verbreitet. Je nach Version zeigt die Grafik entweder die richtige Person – oder eine unbeteiligte Frau.

Die Behauptung

In sozialen Medien wird ein Zitat verbreitet: „Die Leute werden endlich Abschied nehmen von der Illusion, Deutschland gehöre den Deutschen.“ Dazu erscheint ein Bild mit dem Namen „Cigdem Akkaya“, der Parteizugehörigkeit zu den Grünen und der Bezeichnung „Stellvertretende Direktorin des Essener Zentrums für Türkeistudien“.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Faktencheck: Irreführend

Das Zitat stammt tatsächlich aus einem Interview. Es wird jedoch ohne entscheidenden Kontext verbreitet. Zusätzlich existiert eine Version mit einem falsch zugeordneten Bild.

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Kurz erklärt

Cigdem Akkaya sagte den Satz Ende der 1990er-Jahre in einem Interview mit der WAZ.
Sie stellte später klar, dass sie damit meinte, dass Rechtsradikale sich von der Vorstellung verabschieden müssten, Deutschland gehöre nur den Deutschen.

Online wird jedoch meist nur der isolierte Satz verbreitet. Zudem gibt es zwei Bildversionen: Eine zeigt die tatsächliche Interviewpartnerin, eine andere eine unbeteiligte Frau.

Im Umlauf sind unterschiedliche Bildversionen: Links eine falsch zugeordnete Person (verpixelt), rechts Cigdem Akkaya, die das Interview gab.
Im Umlauf sind unterschiedliche Bildversionen: Links eine falsch zugeordnete Person (verpixelt), rechts Cigdem Akkaya, die das Interview gab.

Analyse – Die Fakten dahinter

Das Zitat ist belegt, der Kontext fehlt

Der Satz stammt nach Angaben Akkayas aus einem Interview Ende der 1990er-Jahre.

2019 erklärte sie gegenüber Correctiv, dass sie sich damals nicht gut ausgedrückt habe und das Interview vor Veröffentlichung nicht noch einmal geprüft habe. Gemeint gewesen sei eine Kritik an rechtsextremen Vorstellungen.

Wird dieser Zusammenhang weggelassen, verändert sich der Eindruck der Aussage deutlich. Die verkürzte Verbreitung ist damit irreführend.

Zwei Versionen der Zitatkachel

Im Netz kursieren unterschiedliche Gestaltungen:

  • Eine Version zeigt die tatsächliche Cigdem Akkaya.
  • Eine andere Version verwendet das Foto einer Frau, die mit dem Interview nichts zu tun hat.

In der fehlerhaften Version wurde das Bild offenbar ohne Identitätsprüfung übernommen.
Zudem wird die Funktion als „Stellvertretende Direktorin des Essener Zentrums für Türkeistudien“ genannt – eine Position, die Akkaya nur bis 2004 innehatte.

Quellen und Einordnung

In vielen Beiträgen fehlt der Hinweis auf das ursprüngliche Interview sowie auf die spätere Klarstellung.
Der entscheidende Kontext – die Abgrenzung gegenüber rechtsradikalen Positionen – wird nicht mitgeliefert.

Sprachliche Wirkung

Der isolierte Satz wirkt wie eine allgemeine politische Forderung. Mit dem ursprünglichen Bezug ergibt sich jedoch eine spezifische Kritik an einer bestimmten Ideologie.

Mögliche Absicht

Die Kombination aus prägnantem Einzelzitat, Parteizuschreibung und teilweise falscher Bebilderung erzeugt Empörungspotenzial. – Ob dies aus Absicht geschieht oder aus mangelnder Prüfung, ist nicht belegbar. Die Wirkung ist jedoch eine verzerrte Wahrnehmung.

Wirkung & Mechanismus

Ein einzelner Satz in Anführungszeichen wirkt wie ein eindeutiger Beleg. Ein Bild verstärkt diesen Eindruck – selbst dann, wenn es sich um die falsche Person handelt. Fehlt zusätzlich der Kontext, verändert sich die Bedeutung.

Genau dieser Mechanismus sorgt dafür, dass sich solche Zitatkacheln über Jahre halten.

Fazit

Das Zitat ist real gefallen. Ohne Kontext und in einer Version sogar mit falsch zugeordnetem Bild entsteht jedoch ein irreführender Eindruck.

Faktenbarometer

Vorsicht
Originalzitat belegt, aber aus dem Zusammenhang gelöst; in einer Version mit falscher Bildzuordnung verbreitet.

Quellen

MEDIA
MEDIA
WELT
31. Oktober 2010

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