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Cyberwar in der Ukraine verändert die Bedrohungslandschaft

Spionageangriffe zielen auf Regierungen und Militärs in Südasien ab. Der Bericht zeigt, wie der Krieg die Bedrohungslandschaft verändert

Tom Wannenmacher,

Cyberwar in der Ukraine verändert die Bedrohungslandschaft
Cyberwar in der Ukraine verändert die Bedrohungslandschaft

Der europäische Sicherheitshersteller ESET hat seinen aktuellen „T1 2022 Threat Report“ veröffentlicht. Darin fassen die Spezialisten die wichtigsten Statistiken der ESET-Erkennungssysteme zusammen und zeigen bemerkenswerte Beispiele aus der Cybersecurity-Forschung. Die neueste Ausgabe des ESET Threat Reports berichtet über verschiedene Cyberangriffe im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine, die von ESET-Forschern entdeckt wurden oder abgewehrt werden konnten. Dazu zählt auch das Comeback der berüchtigten Malware Industroyer. Mit diesem Schadprogramm sollten Umspannwerke in der Ukraine lahmgelegt werden.

Cyberwar in der Ukraine verändert die Bedrohungslandschaft

Die ESET-Telemetrie verzeichnete auch weitere Veränderungen bei Cyberbedrohungen, die mit der Situation in der Ukraine zusammenhängen könnten. Roman Kováč, Chief Research Officer bei ESET erklärt, warum dieser Bericht vor allem die mit dem Krieg in Verbindung stehenden Cyberbedrohungen  ins Auge fasst: „In verschiedenen Teilen der Welt toben mehrere Konflikte, aber für uns ist dieser anders. Direkt an der Ostgrenze der Slowakei, wo ESET seinen Hauptsitz und mehrere Büros hat, kämpfen die Ukrainer um ihr Leben und ihre Souveränität.“

Kriminelle passen sich an

Erstmals nach mehr als zwei Jahren gingen die Angriffsversuche auf RDP-Verbindungen um fast die Hälfte stark zurück. Aber selbst bei dieser Rückentwicklung stammen fast 60 Prozent der im ersten Quartal 2022 verzeichneten RDP-Attacken aus Russland. Auch Angriffe auf Datenbanken (SQL-Injektionen) sanken um 64 Prozent und auf SMB-Protokolle um mehr als ein Viertel. Mögliche Gründe für den Rückgang sehen die ESET Forscher in der Aufhebung von Remote Work bei Unternehmen nach dem Ende vieler Corona-Einschränkungen und in verbesserten IT Sicherheitsmaßnahmen. 

Ransomware- und Betrugskampagnen nehmen Fahrt auf

Vor der Invasion stand Russland nicht auf der Zielliste von Ransomware-Angriffen. Seit dem Einmarsch in die Ukraine ist es das am meisten attackierte Land. Im ersten Quartal entdeckten die ESET Forscher in Russland mit 12 Prozent die meisten Ransomware-Angriffe, darunter auch Lockscreen Varianten mit ukrainischem Nationalgruß.

In diesem Zeitraum hat auch die Zahl der amateurhaften Ransomware- und Wipersoftware zugenommen. Deren Urheber zeigen so häufig ihre politische Sicht und machen die Angriffe zu einem persönlichen Rachefeldzug. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen oder sogar noch verstärken wird.

Auch Betrüger nutzen den Krieg in der Ukraine aus, die Phishing- und Betrugskampagnen nehmen zu. Unmittelbar nach dem 24. Februar tauchten Aufrufe angeblicher Wohltätigkeitsorganisationen und fiktive Spendenaktionen auf, um die Ukrainer und Ukrainerinnen zu unterstützen. Darüber haben wir HIER berichtet.

Emotet kehrt zurück

Die ESET-Telemetrie hat auch viele andere Bedrohungen erkannt, die nicht in Verbindung mit dem Ukraine-Krieg stehen. „Emotet, die berüchtigte und bereits totgeglaubte Malware, die hauptsächlich über Spam-E-Mails verbreitet wurde, ist wieder aufgetaucht und in unseren Erkennungssystemen durch die Decke geschossen“, erklärt Kováč. Im März und April 2022 starteten die Emotet-Betreiber massive Spam-Kampagnen mit Microsoft Word-Dokumenten, und die Zahl der Malware-Erkennungen stieg um mehr als das Hundertfache. Damit könnte allerdings laut Microsoft bald Schluss sein, da der Tech-Riese die von den Hackern attackierten Makros in Office-Programmen standardmäßig deaktiviert hat. Wir haben HIER darüber berichtet.

ESET Threat Report zeigt weitere Schwachstellen und Malware-Trends

Der neue Threat Report gibt einen Überblick über die wichtigsten Forschungsergebnisse rund um weitere Sicherheitslücken und Malware-Entwicklungen. Dazu zählen beispielsweise der Missbrauch von Kernel-Treiber-Schwachstellen, brandgefährliche UEFI-Schwachstellen, Kryptowährungs-Malware, die auf Android- und iOS-Geräte abzielt, eine noch nicht zugeordnete Kampagne, die die DazzleSpy macOS-Malware einsetzt, sowie die Kampagnen von Mustang Panda, Donot Team, Winnti Group und der TA410 APT-Gruppe.

Der Bericht enthält auch eine Übersicht über verschiedene Vorträge von ESET-Forschern aus dem ersten Quartal des Jahres. Darüber hinaus gibt er einen Ausblick auf die Beiträge für die RSA- und REcon-Konferenzen im Juni 2022, auf der die Forscher Erkenntnisse zu den Entdeckungen von Wslink und ESPecter präsentieren. Auch bei der Virus Bulletin Conference im September 2022 wird das Forschungsteam von ESET weitere Ergebnisse veröffentlichen.

Mehr Informationen zum ESET T1 2022 Threat Report gibt es auf WeLiveSecurity: https://www.welivesecurity.com/2022/06/02/eset-threat-report-t12022/


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