Es war das Foto, das in den sozialen Medien für Furore sorgte: Eine prächtige Villa, im Hintergrund die malerischen Alpen, und die Behauptung, dies sei das neue Heim von Annalena Baerbock. Die Meldung lautet „Baerbock hat sich bei Wien eine Villa für sechs Millionen gekauft“. Doch wie so oft liegt zwischen digitaler Hysterie und Realität eine Menge Grauzone.

Ein Haus voller Geschichten
Das Anwesen, das in den sozialen Netzwerken zum Gegenstand hitziger Debatten wurde, liegt nicht, wie oft behauptet, bei Wien, sondern im schicken Wintersportort Kitzbühel. Das Haus, versteckt hinter dichten Hecken und mit einem einladenden Pool, wirkt wie der perfekte Rückzugsort. Doch wer wirklich hinter den Mauern wohnt, ist Gegenstand von Spekulationen und Recherchen.
Russische Verbindungen und ein Oligarch
Das OCCRP-Recherchenetzwerk hat festgestellt, dass das Haus wohl nicht zuletzt von Putins Tochter genutzt wurde und von einem Putin-nahen Oligarchen finanziert sein könnte. Zyprische Briefkastenfirmen, milliardenschwere Darlehen und der Geruch von Geheimhaltung hängen wie ein dichter Nebel über dem Anwesen.
Baerbocks angeblicher Hauskauf: Eine Fata Morgana?
Doch wie kommt Annalena Baerbock ins Spiel? Warum sollte die deutsche Außenministerin plötzlich Interesse an einem Haus in Kitzbühel haben, von dem sie möglicherweise nie gehört hat? Hier wird es interessant. Während die sozialen Netzwerke überquellen vor Empörung und Spekulation, ist die Realität deutlich unspektakulärer.
Verbindungen nach Russland
Das Gebäude in der Oberleitenweg 31b ist kein gewöhnliches. Es gibt wohl kein Haus in Österreich, das so oft in den Schlagzeilen war wie diese Immobilie am Rande von Kitzbühel. Der Hauptgrund für diese Bekanntheit sind Untersuchungen des Investigativteams OCCRP. Zusammenarbeitend haben „Der Spiegel“ / Paper Trail Media aus Deutschland, „Der Standard“ aus Österreich, Tamedia aus der Schweiz und andere europäische Medien über die sogenannten Rotenberg-Akten berichtet. Ihre Untersuchung enthüllt: „Es scheint, dass ein Oligarch mit Milliardenvermögen den Kauf eines Chalets in Österreich finanziert hat, das von Putins Tochter bewohnt wurde.“
Die Berichte zeigen auf, dass der russische Oligarch Arkadi Rotenberg, der bereits 2014 sanktioniert wurde, dieses Haus finanziert haben könnte, in dem angeblich auch Putins Tochter verweilte.
Die zyprische Firma Wayblue Investments Limited erwarb die Immobilie im Jahr 2013 für 10,8 Millionen Euro, inklusive Einrichtung. Wayblue wird von einer anderen zyprischen Firma, Velidom Limited, verwaltet. Wer tatsächlich hinter Wayblue steht, ist ungewiss. Doch Untersuchungen des OCCRP zeigen, dass Wayblue ein Darlehen von Olpon Investments Limited erhielt, das von dem russischen Milliardär Arkadi Rotenberg besessen wird. „Der Standard“ zieht daraus den Schluss, dass Rotenberg möglicherweise das Anwesen im Auftrag von Wladimir Putin finanziert hat.
Hauskauf im Jahr 2013
Nicht nur Journalisten haben sich das Haus genauer angesehen, sondern auch der österreichische Staats- und Nachrichtenschutz (DSN). Der DSN ist der zivile Inlandsgeheimdienst, verantwortlich für den Schutz der Verfassung. Ein offizielles Statement vom 4. August 2023 besagt, dass bereits im April 2022 Untersuchungen bezüglich des Hauses und einer zyprischen Firma durchgeführt wurden. Die DSN bestätigt den Besitz von Wayblue seit 2013. Eine mögliche Verbindung zu Baerbock wurde unter Hinweis auf den Datenschutz nicht weiter kommentiert.
Ein Grundbuchauszug, angefordert von AFP, bestätigt den Kauf durch Wayblue Investments Limited aus Nikosia am 17. Januar 2013. Wäre das Anwesen direkt von Annalena Baerbock erworben worden, würde ihr Name dort stehen.
Außerdem leben sie und ihre Familie laut ihrer Website in Potsdam, weit entfernt von den österreichischen Alpen. Der Vorwurf gegenüber Baerbock erscheint daher, gelinde gesagt, haltlos.
Das wirkliche Drama hinter den Mauern
Während Baerbock nur ein zufälliges Opfer von Fake News zu sein scheint, bleibt das Drama hinter den Mauern der Villa sehr real. Ein russischer Oligarch, möglicherweise mit Verbindungen zum mächtigsten Mann Russlands, ein Luxusanwesen, das von einer undurchsichtigen Firma erworben wurde, und Fragen, die immer noch beantwortet werden müssen.
Fazit: Die Baerbock-Villa-Affäre zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, Fakten zu prüfen und sich nicht von der ersten Welle der Empörung mitreißen zu lassen. Was als einfache Behauptung begann, hat sich als komplexes Netzwerk von Verbindungen und Intrigen herausgestellt, in dem Baerbock nur eine Nebenfigur ist. Die wahre Geschichte ist weitaus faszinierender und beunruhigender.
Quelle: AFP
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