Die Behauptung
Elon Musk schreibt auf X, der Stimmzettel zur Bürgermeisterwahl in New York City sei ein „Scam“. Er behauptet:
- Es sei kein Ausweis nötig, um zu wählen.
- Manche Kandidaten, darunter Zohran Mamdani, stünden doppelt auf dem Wahlzettel.
- Andrew Cuomo erscheine benachteiligt als letzter unten rechts.
Aufgestellt von: Elon Musk auf X
Falsch
Die Behauptung von Elon Musk ist falsch. Der gezeigte Stimmzettel ist echt, und rechtmäßig gestaltet. Mehrfachnennungen von Kandidaten sind in New York durch das sogenannte „Fusion Voting“ erlaubt, und die Platzierung der Parteien folgt festen gesetzlichen Regeln. Es gibt keinerlei Hinweise auf Manipulation.
Analyse – Die Fakten dahinter
Das von Musk geteilte Foto zeigt einen authentischen Stimmzettel der Bürgermeisterwahl vom 4. November 2025. Dennoch sind die genannten „Auffälligkeiten“ völlig unverdächtig – sie ergeben sich direkt aus dem Wahlrecht des Bundesstaates New York.
„Fusion Voting“ – ein legales Prinzip
In New York dürfen mehrere Parteien denselben Kandidaten nominieren. Dieses Prinzip heißt Fusion Voting und führt dazu, dass Kandidaten mehrfach auf dem Wahlzettel stehen können – jeweils unter den Parteien, die sie unterstützen.
Die Stimmen aller Parteilinien werden anschließend zusammengerechnet.
Beispiel:
Zohran Mamdani trat für die Democratic Party und die Working Families Party an, Curtis Sliwa für die Republican Party und die Protect Animals Party. Beide erscheinen daher doppelt auf dem Wahlzettel – völlig legal.
Das System existiert seit dem 19. Jahrhundert und soll kleinen Parteien politische Sichtbarkeit ermöglichen, ohne eigene Kandidaten aufstellen zu müssen. Heute wird Fusion Voting nur noch in New York, Connecticut, Oregon und Vermont praktiziert.
Cuomos Platzierung auf dem Wahlzettel
Die Reihenfolge der Parteien auf dem Stimmzettel ist gesetzlich festgelegt (§7-116 New York Election Law).
Die entscheidende Passage ist Absatz 1:
„In printing the names of candidates on the ballot, the candidate or candidates of the party which polled for its candidate for the office of governor at the last preceding election for such office the highest number of votes, shall be row or column A or one and the candidates of the other parties shall be placed on such ballot in descending order of such votes.“
Übersetzt:
Beim Druck der Kandidatennamen auf dem Stimmzettel steht die Partei, deren Kandidat bei der letzten Gouverneurswahl die meisten Stimmen erhalten hat, in der ersten Reihe oder Spalte (A). Die übrigen Parteien folgen in absteigender Reihenfolge nach Stimmenzahl.
Das erklärt die Anordnung der großen Parteien (Demokraten, Republikaner, Konservative, Working Families).
Und im Absatz 2 steht dann die Regelung für unabhängige Gruppierungen („Independent Bodies“):
„The officer or board who or which prepares the ballot shall determine the order in which shall appear, below the names of party candidates, the nominations made only by independent bodies.“
Heißt: Die Wahlbehörde bestimmt die Reihenfolge der unabhängigen Kandidaturen unterhalb der Parteikandidaten – in der Praxis geschieht das nach dem Zeitpunkt der Einreichung ihrer Unterlagen.
Offizielle Parteien erscheinen zuerst – in der Reihenfolge ihrer Stimmen bei der letzten Gouverneurswahl. Danach folgen unabhängige Gruppierungen („Independent Bodies“) in der Reihenfolge der Einreichung ihrer Unterlagen.
Andrew Cuomos „Fight and Deliver Party“ reichte ihre Petition als vierte von fünf Gruppierungen ein. Darum steht Cuomos Name unten rechts – eine administrative Folge, kein Beweis für Betrug.
Identitätsprüfung beim Wählen
Auch die Aussage, man könne „ohne Ausweis“ wählen, stimmt nicht.
Wähler:innen müssen sich bei der Registrierung ausweisen. Wer das versäumt hat, darf zwar wählen, gibt aber einen Affidavit Ballot (provisorischen Stimmzettel) ab, der erst nach Identitätsprüfung gezählt wird.
Damit ist gewährleistet, dass nur gültige Stimmen in die Auswertung eingehen.
Wirkung & Mechanismus
Elon Musks Post nutzt ein bekanntes Muster: Ein echtes Dokument wird aus dem Kontext gerissen und als Beleg für Betrug dargestellt.
Solche Behauptungen wirken, weil sie optisch plausibel und emotional aufgeladen sind – und weil viele Menschen das komplexe US-Wahlrecht nicht kennen.
Das Ergebnis ist ein Misstrauensimpuls, kein Erkenntnisgewinn.
Aus einem normalen Verwaltungsdetail wird ein vermeintlicher Skandal – und der Algorithmus belohnt genau das.
Fazit
Die Behauptung ist falsch.
Der Stimmzettel zur Bürgermeisterwahl in New York entspricht dem Wahlrecht.
„Fusion Voting“ erklärt die Mehrfachnennungen, Cuomos Platz ergibt sich gesetzlich, und Stimmen werden nur nach Identitätsprüfung gezählt.
Die Aufregung beruht auf Unkenntnis – nicht auf einem echten Skandal.
Faktenbarometer
🟥 Falsch:
Die Behauptung von Elon Musk über angeblichen Wahlbetrug entbehrt jeder Grundlage.
Quelle: dpa
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