Die Behauptung
Es wird behauptet, dass die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) bestätigt hat, dass Covid-19-Impfstoffe nicht zur Vorbeugung von Infektionen zugelassen wurden und die Impfkampagnen der Regierungen auf Lügen basierten. Weiterhin sei eine wiederholte Virus-Exposition für Geimpfte gefährlicher, und zahlreiche Impfnebenwirkungen wurden verschwiegen.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Diese Behauptungen sind irreführend und falsch. Die EMA hat keine offizielle Erklärung veröffentlicht, die diese Aussagen stützt. Covid-19-Impfstoffe wurden für den Schutz vor schweren Krankheitsverläufen zugelassen, und der Nutzen für die Infektionsvermeidung wurde nachträglich durch Studien bestätigt. Die Behauptung, die Regierung hätte bewusst Nebenwirkungen vertuscht, ist nicht belegbar.
Kurze Faktenübersicht:
- In sozialen Medien kursiert die Behauptung, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bestätigt hat, dass Covid-19-Impfstoffe nicht zur Vorbeugung von Infektionen zugelassen wurden. DAS IST FALSCH!
- Zudem wird behauptet, dass die Impfkampagnen der Regierungen auf Lügen basierten, eine wiederholte Virus-Exposition für Geimpfte gefährlicher sei und zahlreiche Impfnebenwirkungen bewusst verschwiegen wurden. DAS IST FALSCH!
- Diese Aussagen sollen angeblich auf offiziellen Erklärungen der EMA beruhen. DAS IST FALSCH!
Die Recherche
Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Behauptungen auf einer verzerrten Darstellung von Informationen beruhen. Die EMA hat tatsächlich nie eine offizielle Erklärung veröffentlicht, die diese Aussagen stützt. Vielmehr werden Aussagen aus dem Kontext gerissen, irreführend interpretiert und zur Untermauerung einer gezielten Anti-Impfagenda genutzt.
Was hat die EMA wirklich gesagt?
In einem Video, das in den sozialen Medien die Runde macht, tritt Marcel de Graaff auf, ein niederländischer Politiker des rechtspopulistischen Forum voor Democratie (FvD). Er behauptet der niederländische Politiker Marcel de Graaff, der für die Verbreitung von Verschwörungstheorien und wissenschaftlich ungesicherten Behauptungen bekannt ist, die EMA habe offengelegt, dass Covid-19-Impfstoffe nie zur Vorbeugung von Infektionen zugelassen wurden und die Impfkampagnen der Regierungen somit auf Lügen basierten.
Diese Behauptungen erwecken den Eindruck, als hätte die EMA schwere Fehler zugegeben, die die Impfpolitik untergraben. Doch wie so oft liegt die Wahrheit in den Details. Das Video, das von der EU/FvD-Pressekonferenz am 21. November 2023 stammt, greift eine Antwort der EMA an mehrere EU-Parlamentarier auf. Darin erklärt die EMA, dass die Impfstoffe primär zum Schutz vor schweren Krankheitsverläufen zugelassen wurden – ein Fakt, der von Anfang an bekannt war und transparent kommuniziert wurde.
Die EMA bestätigt, dass die Impfstoffe zunächst nicht primär zur Verhinderung der Virusübertragung entwickelt wurden, da es zu diesem Zeitpunkt keine ausreichenden Daten zur Infektionskontrolle gab. Der Brief, auf den Marcel de Graaff in seiner Rede Bezug nahm, ist öffentlich einsehbar und kann in voller Länge auf der Website der EMA (hier archiviert) betrachtet werden. Doch dies bedeutet keineswegs, dass die Impfstoffe keine Rolle bei der Reduktion der Virusverbreitung spielten. Im Gegenteil: Spätere Studien belegten, dass die Impfstoffe sowohl das Risiko einer Infektion als auch das einer schweren Erkrankung deutlich reduzierten.
Kontext der Zulassung und Entwicklung
Um die Behauptungen richtig einzuordnen, muss man den Kontext der Impfstoffentwicklung verstehen. Als die ersten Covid-19-Impfstoffe entwickelt und zugelassen wurden, stand die Welt vor einer noch nie dagewesenen Pandemie. Die oberste Priorität war es, Menschenleben zu retten und die Gesundheitssysteme zu entlasten. Deswegen lag der Fokus der Zulassung auf der Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle – eine Entscheidung, die sowohl wissenschaftlich als auch ethisch gerechtfertigt war. Die Frage, ob die Impfstoffe auch eine Übertragung verhindern, konnte erst nach der Zulassung durch weitere Studien beantwortet werden.
Nebenwirkungen und Überwachung
Ein zentraler Vorwurf in den kursierenden Behauptungen ist, dass die EMA die Meldung von Impfnebenwirkungen behindert und Regierungen systematisch Nebenwirkungen vertuscht hätten. Dieser Vorwurf entbehrt jedoch jeglicher Grundlage. Die EMA und nationale Gesundheitsbehörden haben von Anfang an ein umfangreiches Überwachungssystem etabliert, um mögliche Nebenwirkungen zu identifizieren und zu bewerten. Diese Sicherheitsüberwachung war und ist von zentraler Bedeutung, um die Impfkampagnen sicher zu gestalten und potenzielle Risiken schnell zu erkennen.
Ein weiterer Punkt der Desinformation betrifft die angebliche Vertuschung von Nebenwirkungen innerhalb der ersten 14 Tage nach der Impfung. Dabei wird bewusst verschwiegen, dass es sich hierbei um die Zeitspanne handelt, in der das Immunsystem erst beginnt, auf die Impfung zu reagieren. Es ist bekannt, dass die Impfstoffe einige Tage benötigen, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten – dies bedeutet jedoch nicht, dass Nebenwirkungen in dieser Zeit nicht erfasst werden.
Übersterblichkeit und Impfungen
Das Video behauptet außerdem, dass die Impfungen für eine sogenannte „unerklärliche Übersterblichkeit“ verantwortlich seien. Diese These wird jedoch von der wissenschaftlichen Gemeinschaft klar abgelehnt. Übersterblichkeit kann viele Ursachen haben – darunter die langfristigen Folgen der Pandemie, Verzögerungen in der medizinischen Versorgung sowie andere gesundheitliche Faktoren. Bislang gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass Covid-19-Impfungen in signifikantem Maße zur Übersterblichkeit beigetragen haben.
Die Methode der Desinformation
Die Methode, die in diesem Fall angewendet wird, folgt einem typischen Muster von Verschwörungstheorien: Offizielle Informationen werden selektiv herausgepickt, aus dem Kontext gerissen und so präsentiert, dass sie den Eindruck erwecken, als hätten staatliche Institutionen oder Gesundheitsbehörden bewusst die Bevölkerung getäuscht. Diese Art der Darstellung zielt darauf ab, Zweifel und Misstrauen zu säen und das Vertrauen in wissenschaftlich fundierte Gesundheitsmaßnahmen zu untergraben.
Fazit
Diese Behauptungen sind irreführend und falsch. Die EMA hat keine offizielle Erklärung veröffentlicht, die diese Aussagen stützt. Covid-19-Impfstoffe wurden für den Schutz vor schweren Krankheitsverläufen zugelassen, und der Nutzen für die Infektionsvermeidung wurde nachträglich durch Studien bestätigt. Die Behauptung, die Regierung hätte bewusst Nebenwirkungen vertuscht, ist nicht belegbar.
Die Behauptung, dass die EMA zugegeben hat, dass die Impfkampagnen auf Lügen basierten, ist falsch. Sie verdreht offizielle Informationen der EMA, um die Impfpolitik zu diskreditieren und Unsicherheit zu schüren. Tatsächlich haben die Impfstoffe Millionen von Menschen vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen bewahrt und bleiben ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Pandemie.
Quellen
AFP Niederlande: Faktencheck
European Medicines Agency: COVID-19 vaccines: key facts
European Medicines Agency: Safety of COVID-19 vaccines
European Centre for Disease Prevention and Control: EMA and ECDC join forces for enhanced post-marketing monitoring of COVID-19 vaccines in Europe
Deutscher Bundestag: Zur Sicherheit und Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe gegenüber
der Delta-Variante von SARS-CoV-2
Robert Koch Institut: COVID-19-Impfempfehlung
Correctiv: Aussagen auf einer Pressekonferenz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) über Booster-Impfungen sorgen teilweise für irreführende Berichte.
Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Angepasster COVID-19-Variantenimpfstoff
APA: Corona-Impfstoffe entsprechen EU-Standards
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen: Impfstoffe
Eigene Recherche: EMA-Datenbank > Beweis der Impfstoff-Gefahr? Nein!
Eigene Recherche: Der offene Brief von „Ärzte stehen auf“ enthält viele Falschinformationen
Eigene Recherche: mRNA-Impfstoffe und „Turbokrebs“: Wie fundiert sind die Behauptungen?
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