Ein in sozialen Medien verbreitetes Video wird aktuell als Beleg für eine Massenflucht aus Irans Hauptstadt Teheran dargestellt. Die Aufnahmen stammen jedoch aus Nepal und zeigen saisonale Sammler eines seltenen Heilpilzes.
In sozialen Netzwerken wird ein Video geteilt, das angeblich Tausende Einwohner aus Teheran zeigt, die über Bergregionen und abseits der Hauptverkehrswege fliehen. Ein eingeblendeter arabischer Text stellt einen Zusammenhang mit israelischen Luftangriffen und einer angeblichen Aufforderung zur Evakuierung Teherans her.
Aufgestellt von: Soziale Medien
Falsch
Das Video zeigt keine Fluchtbewegung aus dem Iran. Die Aufnahmen entstanden Ende Mai 2025 im Dolpa-Distrikt in Nepal und dokumentieren Menschen bei der saisonalen Suche nach dem Heilpilz Yarsagumba. Ein Bezug zu Teheran, aktuellen Protesten oder militärischen Ereignissen im Iran besteht nicht.
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„ISRAEL HEUTE: Aus iranischen Netzwerken stammen neue Aufnahmen, die zeigen, wie Tausende Einwohner aus der Hauptstadt Teheran fliehen, über die umliegenden Bergregionen und abseits der Hauptverkehrswege.“ | Screenshot Facebook
„Nach Trumps Rede, in der er alle dazu aufrief, Teheran sofort zu verlassen… Werden Zivilisten weiterhin aus der iranischen Hauptstadt fliehen, während die israelischen Luftangriffe zunehmen?“
Eingeblendeter Text im Video (übersetzt mit DeepL)
Analyse – Die Fakten dahinter
Die kursierenden Aufnahmen lassen zahlreiche Menschen in steilem, bergigem Gelände erkennen. Diese Bilder werden aktuell mit der Behauptung verknüpft, sie zeigten flüchtende Einwohner Teherans. Eine Überprüfung der Herkunft des Videos ergibt jedoch ein anderes Bild:
Das Video wurde erstmals am 29. Mai 2025 auf TikTok veröffentlicht. Der veröffentlichende Account gab als Ort Rup Partan im nepalesischen Dolpa-Distrikt an.
In den Tagen danach tauchte das identische Material auf mehreren lokalen Instagram-Konten aus Nepal auf, ebenfalls mit Verweisen auf den Dolpa-Distrikt.
Die Region ist bekannt für die jährliche Sammelsaison des Heilpilzes Yarsagumba. Während dieser Zeit begeben sich Tausende Menschen in hochgelegene, schwer zugängliche Gebiete.
Der im Video eingeblendete arabische Text stellt einen Bezug zu israelischen Luftangriffen und zu einer angeblichen Aufforderung, Teheran zu verlassen, her. Diese Texteinblendung ist nachträglich hinzugefügt und steht in keinem belegbaren Zusammenhang mit dem tatsächlichen Aufnahmeort oder -anlass.
Bereits im Juni 2025 wurde dasselbe Video in sozialen Medien fälschlich im Kontext des damaligen israelisch-iranischen Konflikts verbreitet. Wir berichteten HIER. Auch damals bestätigten Recherchen, dass es sich nicht um Aufnahmen aus dem Iran handelt. Die im Text erwähnten israelischen Luftangriffe beziehen sich zeitlich auf Juni 2025; aktuell gibt es keine entsprechenden Ereignisse, die die dargestellte Situation erklären würden.
Weder aus Iran noch aus internationalen Medien liegen belastbare Berichte vor, die eine im Video gezeigte Massenflucht aus Teheran bestätigen. Das gezeigte Material passt stattdessen eindeutig zu bekannten Bildern der Yarsagumba-Saison in Nepal.
Wirkung & Mechanismus
Das Video wirkt auf den ersten Blick plausibel, weil große Menschenmengen in unwegsamem Gelände häufig mit Flucht oder Evakuierung assoziiert werden. Die Kombination aus eindrucksvollen Bildern, einem politischen Begleittext und aktuellen Spannungen im Nahen Osten erleichtert eine falsche Einordnung.
Hinzu kommt, dass wiederverwendetes Bildmaterial aus früheren Krisen oft erneut verbreitet wird, sobald ein ähnlicher Konflikt Aufmerksamkeit erhält. Die sprachliche Überlagerung durch eine fremdsprachige Texteinblendung erschwert zudem vielen Nutzenden eine eigenständige Einordnung.
Fazit
Das verbreitete Video zeigt keine flüchtenden Menschen aus Teheran, sondern Nepalesen bei der jährlichen Suche nach dem Heilpilz Yarsagumba im Dolpa-Distrikt. Der behauptete Zusammenhang mit dem Iran ist unbelegt und falsch.
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Claudia Spiess ist Redakteurin und Designerin bei Mimikama,
Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Sie verbindet
journalistische Sorgfalt mit visueller Kommunikation und trägt
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Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum. Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG). Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein. (Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
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