Die Behauptung

Angeblich hat sich die Anthropologin Jane Goodall bei einer Podiumsdiskussion des WEF dafür ausgesprochen, die Weltbevölkerung auf 500 Millionen zu reduzieren.

Unser Fazit

Im Kontext ist sehr gut erkennbar, dass Jane Goodall nicht in den letzten Sätzen davon spricht, die Weltbevölkerung zu reduzieren, sondern darauf verweist, dass es die Probleme früher, bei einer geringeren Bevölkerung, nicht gab und es deshalb wichtig sei, den Bevölkerungswachstum abzumildern.

Unter Verschwörungsmythikern ist die Ansicht weit verbreitet, dass die Menschheit auf bis zu 500 Millionen reduziert werden soll. Dummerweise liefen aber alle angeblichen Pläne (Chemtrails, Gift im Wasser, heimliche Bestrahlungen, Impfungen) bisher schief. Nun soll aber Jane Goodall ausgerechnet bei einer Podiumsdiskussion des (bei Verschwörungsmythikern verhassten) WEF sich offen für eine Bevölkerungsreduktion ausgesprochen haben – was fast so klingen könnte, wenn man nur diese 16 Sekunden eines Videos kennt.

Die Behauptung

Das 26 Sekunden lange Video kursiert insbesondere auf Twitter und wurde bekannter, als deren CEO Elon Musk darauf reagierte, indem er antwortete, dass diese Philosophie der Tod der Menschheit sei:

Das Video mit Jane Goodall auf Twitter
Das Video mit Jane Goodall auf Twitter

In dem deutschsprachigen Tweet wird behauptet, Goodall habe gesagt „Alle Probleme würden sich in Luft auflösen, wenn die Bevölkerungszahl auf den Stand von vor 500 Jahren zurückginge“, laut dem Ersteller betrug die Bevölkerung damals 460 Millionen.

Seit Ende Dezember wird das Video auch in englischsprachigen Tweets mit derselben Behauptung vermehrt verbreitet:

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Die Behauptung in dem englischsprachigen Tweet: „Jane Goodall auf dem World Economic Formum… Wir können den Klimawandel lösen, indem wir die Erde um nur 7,5 Milliarden Menschen entvölkern.

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Was Jane Goodall in dem Video sagt

Wortwörtlich sagt sie in dem kurzen Video folgende Sätze:

„We cannot hide away from human population growth. Because it underlies so many other problems. All these things we talk about would not be a problem if there was a size of population that there was 500 hundred years ago.“

Auf Deutsch:

„Wir können uns nicht vor dem menschlichen Bevölkerungswachstum verstecken. Denn es liegt so vielen anderen Problemen zugrunde. All diese Dinge, über die wir sprechen, wären kein Problem, wenn es eine Bevölkerungsgröße wie vor 500 Jahren gäbe.“

Fest steht also schonmal, dass sie keine Bevölkerungsreduktion verlangt oder vorschlägt, aber darauf hinweist, dass es die angesprochenen Probleme nicht bei einer Bevölkerungsgröße wie vor 500 Jahren gäbe. Dies klingt aber für manche immer noch indirekt so, als ob Goodall indirekt eine Bevölkerungsreduktion vorschlage.

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Um dies genauer zu betrachten, schauen wir uns mal an, worum es in der Podiumsdiskussion genau ging!

Das komplette Video

Das komplette Video, aus dem der Ausschnitt stammt, ist auf YouTube zu finden. Es wurde am 22. Januar 2020 bereits hochgeladen; da verwundert es, wenn bestimmte Leute erst jetzt den Ausschnitt und die Behauptung verbreiten.

YouTube

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Ab Position 31:35 beginnen die 16 Sekunden aus Goodalls Monolog. Ihre kompletter Monolog geht von Position 28:05 bis Position 31:53. Der verbreitete Ausschnitt sind die letzten 16 Sekunden ihre Monologs.

Worüber Goodall in ihrem Monolog sprach

Etwa bei Minute 27 fragte der Moderator Mishal Husain, welche Schritte unternommen werden müssten, um sicherzustellen, dass die im Rahmen ihres Projekts „Eine Billion Bäume“ gepflanzten Bäume nicht gefällt werden.

Goodall sagte, dass fünf Faktoren gemildert werden müssten, um dies zu gewährleisten:

  • Bekämpfung der Armut
  • weniger Fleischkonsum
  • Verringerung der für Viehweiden genutzten Waldflächen
  • Beseitigung der politischen Korruption
  • das menschliche Bevölkerungswachstum

Der Kontext

Die Milderung des Bevölkerungswachstums sprach Goodall auch in anderen Videos bereits an, beispielsweise HIER. In dem obigen Video sagt sie zu der Thematik auch:

„Es hat sich überall auf der Welt gezeigt, dass die Familiengröße abnimmt, wenn sich die Bildung der Frauen verbessert, und es war die wachsende menschliche Bevölkerung, die das größte Problem bei der Zerstörung der Wälder in diesem Gebiet darstellte.“

Sie fügte hinzu, dass Programme zur Familienplanung eingeführt wurden, die ihrer Meinung nach gut angenommen wurden, da sich die Gesundheit der Babys verbesserte.

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Im Kontext der vorangegangenen Sätze sagt sie also, dass die Probleme der Regenwälder nicht existieren würden, wenn die Bevölkerung so groß wäre wie vor 500 Jahren – Es geht ihr um die Milderung des Bevölkerungswachstums, damit die Probleme nicht noch größer werden.

Fazit

Mimikama-Bewertung: FEHLENDER-KONTEXT

Da das Video bereits im Januar 2020 auf YouTube hochgeladen wurde, nehmen dies Verschwörungsmythiker gerne als „Beweis“, dass Goodall damit den Plan offenbarte, dass mit COVID-19 die Weltbevölkerung drastisch reduziert werden solle – was ja nun auch nicht wirklich funktioniert hat.

Im Kontext ist aber sehr gut erkennbar, dass Jane Goodall nicht in den letzten Sätzen davon spricht, die Weltbevölkerung zu reduzieren, sondern darauf verweist, dass es die Probleme früher, bei einer geringeren Bevölkerung, nicht gab und es deshalb wichtig sei, den Bevölkerungswachstum abzumildern.

Diese Art der Umdeutung von Aussagen ist bereits bekannt: Auch über Bill Gates behaupteten Verschwörungsmythiker, dass er selbst gesagt habe, er möchte die Bevölkerung mit Impfungen reduzieren. Seine eigentliche Aussage war aber, dass durch Impfungen die Kindersterblichkeit verringert werde und dadurch weniger Kinder in die Welt gesetzt werden – das Bevölkerungswachstum also verringert werde (wir berichteten).

Weitere Quellen:

Logically, the quint, aap, Lead Stories

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.