Das Handy vibriert und man erhält eine WhatsApp-Nachricht, ein Jobangebot, von einer britischen Handynummer. Erkennbar an der Vorwahl +44. Der Absender hat einen weiblichen Vornamen, wie Luna. Auf dem Profilbild sieht man eine junge sympathische Frau vermeintlich mit ihrem Hund. Ein Fakeprofil, wie sich herausstellt. Luna gibt sich als Personalvermittlerin aus und behauptet eine Bewerbung erhalten zu haben und fragt nach, ob man auf der Suche nach einem Teilzeitjob ist. So ergangen einem Redakteur von uns. Tückisch, wenn man zu dem Zeitpunkt tatsächlich auf Jobsuche ist.

Unscheinbares Jobangebot führt zu finanziellem Desaster

Das Jobangebot, die Tätigkeit wird als sehr einfach beschrieben

Man benötigt keinerlei Erfahrung. Lediglich ein Handy wird benötigt und schon kann man wenigen flexiblen Arbeitsstunden 500–800 Euro pro Woche verdienen. Man muss sich dafür nur auf eine Plattform namens Accenturen.com einloggen und ein paar Klicks durchführen, um vermeintlich Produktbewertungen auf Onlineshops wie Amazon, Shein, Zalando und AliExpress mit 5 Sternen zu bewerten und lukrative Provisionen zu erhalten. Selbst der Text wird automatisch vorgegeben.

Wenn man Interesse an diesem Jobangebot zeigt, wird man gebeten, mit seinen Kontaktdaten zu antworten. Dazu gehört der Nachname, das Alter, das Geschlecht und derzeitige Beruf. Danach wird man von einem Trainer in WhatsApp angeschrieben, der einem kostenlos per WhatsApp zeigt, wie das Ganze funktioniert.

Der Trainer mit einer deutschen Handynummer hieß bei unseren Recherchen Alina

Selbstverständlich, auch ein Fake-Profil. Laut Profilbild eine sympathische Mutter, die sich mit ihrer kleinen Tochter präsentiert. In einem freundlichen Chat wird der genaue Arbeitsablauf Schritt-für-Schritt erklärt. Erstmals bekommt man den Link der Plattform https://www.accenturen.com mit einem sechsstelligen Einladungscode zugeschickt, damit man sich registriert.

Unscheinbares Jobangebot führt zu finanziellem Desaster

Ist man registriert, soll man auf Freunde einladen, klicken und den Einladungscode zu dem Trainer schicken, damit sich dieser als Untergebener eintragen kann. Dann soll man sich ausloggen, um sich übungshalber mit dem Konto des Trainers einzuloggen. Die Zugangsdaten werden einem mitgeteilt. Nachfolgend muss man mit der Auftragsbearbeitung von 38 täglichen Aufträgen beginnen, die im Grunde nur aus wenigen Klicks besteht.

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Je nach Warenwert der Bestellung wird Guthaben aufgebraucht, wobei man in der Regel 1 % Provision bekommt. Gelegentlich jedoch sind zufällige Paketmissionen dabei, die einem eine 20- bis 50-fache Provisionen bieten. Die Bearbeitung kosten dann zwar mehr Guthaben, aber man bekommt dafür umso mehr Provision. Da man ja noch im Konto des Trainers ist, übernimmt der Trainer auch die Aufladung des Guthabens. Die Aufladung erfolgt dabei über eine Kryptowährung. Um genau zu sein, USTD (Tether). Eine Kryptowährung, die an den US-Dollarkurs gekoppelt ist.

Hat man die 38 Bestellungen auf dem Konto des Trainers abgearbeitet, loggt man sich wieder auf das eigene Konto ein und sieht, dass man bereits Guthaben generiert hat, weil das Konto des Trainers als Untergebener im Sinne eines Pyramidensystems eine Provision abgeworfen hat.

Nun macht man das Gleiche mit seinem Konto. Nach dem ersten Training und dem Abschluss der 38 Bestellungen, was gerade mal 10-15 Minuten dauert, hat man dann etwa 70-80 USTD Guthaben zusammen. Das Guthaben kann man sich allerdings erst ab 100 USTD auszahlen. Außerdem braucht man ja auch Guthaben, um weitere Bestellungen zu bearbeiten. Also war es das für den ersten „Arbeitstag“. Zum Abschluss wird man auch noch eine WhatsGruppe hinzufügt, wo man bei Bedarf weitere Fragen stellen kann. Selbstverständlich sind alle anderen Teilnehmer in der Gruppe auch Fake-Profile.

Am nächsten Tag meldet sich der Trainer erneut bei einem und möchte die Schulung mit einem fortsetzen. Wieder macht man die Aufgaben erst auf dem Konto des Trainers. Danach mit dem eigenen Konto. Mit etwas „Glück“ gibt es eine zufällige Paketmission und das Guthaben wird negativ, weil man den Warenwert nicht mit den bisherigen Provisionen allein abdecken kann. Man muss also etwas Kryptowährung mit echtem Geld kaufen, um sein Konto aufzuladen. Der Trainer zeigt einem Schritt für Schritt, wie das funktioniert und leitet einen an, sich bei einer Krypto-Börse anzumelden, falls man noch keine Wallet hat. Der Trainer empfiehlt dafür OKX und rät einen USTD per Echtzeit-Überweisung zu erwerben. So weit ist man auch noch kein wirkliches Risiko eingegangen, da man die Kryptowährung im eigenen Wallet hat.

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Die Schlinge zieht sich zu

Jetzt wird es jedoch kritisch. Der Trainer zeigt einem, wie man seine USTDs auf sein Konto in der Plattform überträgt. Dafür muss man vermeintlich den Kundendienst der Plattform kontaktieren, der einem die täglich wechselnde Händler-ID verrät, auf die man die Kryptowährung schickt. Danach schickt man noch einen Screenshot von der Transaktion an das System und die angebliche Finanzabteilung bestätigt den Eingang der USTD und lädt dafür das Konto auf der Plattform auf.

Absolviert man nun die 38 täglichen Missionen, sollte man über 100 USTD haben, die man sich nun auf seine Wallet übertragen kann, um sie danach in der Krypto-App wieder gegen reales Geld zu verkaufen und schon hat man innerhalb von 2 Tagen mit nur jeweils 10-15 Minuten mühelos über 100 Euro „erarbeitet“ und man denkt sich, dass man so jeden Tag locker über 100 Euro dazu verdienen kann, denn schließlich hat es ja funktioniert und man hat das eingesetzte Geld in kurzer Zeit mehr als verdoppelt.

MIMIKAMA

Das Problem ist jedoch, dass der Einsatz von Tag zu Tag durch die unvorhersehbaren Paketbestellungen exponentiell größer wird. Plötzlich braucht man nicht nur 60-70 Euro, sondern gleich 300 oder auch 600 Euro, um seine Aufträge abzuschließen und bevor alle 38 täglichen Aufgaben abgeschlossen sind, bekommt man rein gar nichts. Das investierte Guthaben sitzt somit fest, außer man setzt den Geldfluss fort.

So schützen Sie sich:

Nicht auf dubiose Recruiter reagieren, die einem das schnelle Geld für minimalen Arbeitsaufwand versprechen. Bei Fakeprofilen wachsam sein. Auch wenn man anfangs tatsächlich etwas Geld bekommen mag, soll dies einen nur in Sicherheit wiegen und dazu verleiten gierig zu werden und noch mehr Geld zu investieren. Darum niemals mit echtem Geld Kryptowährungen kaufen, um damit Guthaben auf unseriösen Plattformen aufzuladen. Dies ist eine raffinierte Betrugsmasche. Wir warnen daher eindringlich vor Plattformen wie Accenturen und rufen wie gewohnt auf, zuerst zu denken und dann zu klicken. Ob tatsächlich Fake-Bewertungen durch die Plattform auf irgendwelchen Online-Shops entstehen, bleibt unklar. Der wirtschaftliche Schaden jedoch ist gewiss. Den Betreiber geht es nämlich nicht um die Bewertungen, sondern das Geld der arglosen Nutzer. Sollte man bereits darauf reingefallen sein, bloß keine weiteren Aufladungen durchführen.

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Bewertungen und Informationen über das erwähnte Unternehmen:

Just answer / Strafrecht: „Alleine wenn man sich die Internetseite angeschaut, kommen einem durchaus Bedenken, dass es sich hier um eine seriöse Plattform handelt. Auch wird man überhaupt nicht darauf hingewiesen, jedenfalls nicht in verständlichem Deutsch, um was es sich hier überhaupt handelt. Ein Impressum ist ebenfalls nicht vorhanden. Ich rate Ihnen hier keine weiteren Einzahlung vorzunehmen, sondern zu versuchen das eingezahlte Geld zurück zu verlangen. Ansonsten sollten Sie natürlich auch die Verträge schauen, die sie geschlossen haben und was hierin beinhaltet ist. Sofern Sie ihre Aufgaben erfüllt haben und von ihnen wird weiter die Einzahlung von Geld verlangt, spricht dies ebenfalls für eine unseriöse Verhaltensweise. Sie sollten gegebenenfalls Strafanzeige erstatten, wenn Sie meinen, dass hier ein Betrug vorliegt.“ Quelle

Trustpilot: „One of those fake industries where they promise you loads of money for simple tasks – but only if you upload USDT first so you can get tasks.“ Quelle

Anwalt.de: „Ich erhalte den Hinweis auf einen anscheinend betrügerischen Anbieter namens Accenturen (accenturen.com). Ob und inwieweit diese mit der hier diskutierten Handelsplattform in Zusammenhang steht, kann ich noch nicht final beurteilen. Die Erfahrungen zu Accenturen (accenturen.com) sind eine Katastrophe und könnten denen zu Nuobi Liquid mehr als ähneln.Quelle


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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)