Alter Kettenbrief: Die 229 zum Tode verurteilten christlichen Missionare

Autor: Ralf Nowotny


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Alter Kettenbrief: Die 229 zum Tode verurteilten christlichen Missionare
Artikelbild: WhatsApp Screenshot

Angeblich wurden „heute morgen“ 229 christliche Missionare von afghanischen Islamisten zum Tode verurteilt. Doch es handelt sich um einen alten Kettenbrief.

In der auf WhatsApp häufig weitergeleiteten Nachricht (erkennbar an den zwei Pfeilen) wird behauptet, dass „heute morgen“ 229 christliche Missionare von afghanischen Islamisten zum Tode verurteilt wurden. Die Nachricht soll von einer Judith Carmona, Missionarin aus Chihuahua stammen.

Um diesen Kettenbrief handelt es sich:

Der Kettenbrief über die 229 Missionare
Der Kettenbrief über die 229 Missionare

Im obigen Kettenbrief wird behauptet, die Missionare werden „morgen Nachmittag“ zum Tode verurteilt, in anderen Versionen wurde sie „heute morgen“ bereits verurteilt:

Eine andere Version des Kettenbriefs
Eine andere Version des Kettenbriefs

Auszug aus dem Kettenbrief:

„Bitte beten Sie für die 229 christlichen Missionare, die heute morgen/morgen Nachmittag von den afghanischen Islamisten zum Tode verurteilt wurden. Bitte geben Sie diese Nachricht so schnell wie möglich weiter, damit viele Menschen beten können. Diese Nachricht wurde von JUDITH CARMONA gesendet, der Missionarin aus Chihuaha, die in Afrika ist. […] Schließen Sie sich uns bitte im dringenden Gebet an, auch weil die radikalislamische Gruppe gerade Quaragosch, die größte christliche Stadt im Irak, eingenommen hat.“

Wo sind die Nachrichten darüber?

Sämtliche Variationen des Kettenbriefs, auch Versionen auf Englisch und Spanisch, beginnen damit, dass die Behauptung in den Nachrichten bestätigt wurde, jeder könne es in den Nachrichten sehen. Doch nirgends wird über die angebliche Hinrichtung der 229 Missionare berichtet.

Eine andere Behauptung in dem Kettenbrief findet man jedoch (fast) tatsächlich in den Nachrichten – wenn man einige Jahre zurückblickt. Im Jahr 2014 wurde nämlich die Stadt Quaragosh im Irak von ISIS-Soldaten (nicht Taliban) eingenommen (siehe HIER und HIER). 2016 wurde die Stadt zurückerobert, seitdem bauen irakische Christen sie wieder auf (siehe HIER).

Kettenbrief kursiert seit mindestens 2017

Aktuell ist der Inhalt des Kettenbriefs nicht, seit mindestens 2017 kursiert die Behauptung über die 229 Missionare und der Missionarin namens Judith Carmona bereits:

Der Kettenbrief auf Englisch von 2017
Der Kettenbrief auf Englisch von 2017, Quelle: Facebook

Der Ursprung liegt im Jahr 2009

Im Jahr 2009 entstand anscheinend der Ursprung des Kettenbriefs. Damals kursierte dieser Text per E-Mail und SMS:

„Please pray for 22 missionary families that are to be executed by islamists in afganistan. forward this as fast as you can so that many will pray.“

Wohlgemerkt: 22, nicht 229! Doch auch in den Nachrichten aus dem Jahr 2009 lässt sich darüber nichts finden, was jedoch nicht bedeutet, dass es für christliche Missionare nicht gefährlich sein kann.

Im Jahr 2007 beispielsweise (was die Grundlage für den Kettenbrief von 2009 sein könnte) wurden 23 südkoreanische christliche Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Afghanistan von den Taliban als Geiseln gehalten, ihnen drohte die Hinrichtung (siehe HIER).

Fazit

Der Kettenbrief über die 229 christlichen Missionare, denen die Hinrichtung drohe, entspricht nicht der Wahrheit. Die Grundlage zu der Behauptung geht bis ins Jahr 2009 zurück, doch auch damals stimmte die Behauptung nicht.

Artikelbild: WhatsApp Screenshot
Weitere Quellen: Snopes, boomlive, aciprensa, Bufale


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