Wer seinen eigenen Twitterausstieg langsam und strukturiert vorbereiten und seine Follower dazu auf seine Profile auf anderen Social-Media-Plattformen aufmerksam machen wollte, sah sich nun einem Link-Verbot dieser speziellen Art von Tweets gegenüber. Crosspostings, also die Verlinkung von echtem Content wie Artikeln oder Videos, sollte weiter erlaubt bleiben, aber eben nicht die Bewerbung von Profilen auf Facebook, Instagram oder der im deutschsprachigen Raum stark wachsenden Twitter-Alternative Mastodon. Zumindest nicht unbezahlt. Nun die überraschende Wende. Obwohl, überraschend ist bei Twitter derzeit wohl kaum etwas?!

Link-Verbot: Twitter will keine unbezahlte Werbung für Accounts auf anderen Plattformen

Dabei bezeichnete die neue Regel im Twitter Support-Bereich die nun verbotenen Links als unerwünschte kostenlose Werbung für andere Social Media-Plattformen. Ausdrücklich nannte Twitter die Plattformen Facebook, Instagram, Mastodon, Truth Social, Tribel, Post and Nostr sowie 3rd-party Social-Media-Link-Aggregatoren wie linktr.ee oder lnk.bio. (HIER)

Interessant war hierbei die Auswahl der Plattformen. Während es mit Truth Social auch den neuen Spielplatz von Donald Trump traf, waren die chinesischen Plattformen WeChat und TikTok weiter zulässig, ebenso der sehr rechtslastige Dienst Parler. Auch die neue Plattform von Twitter-Gründer Jack Dorsey, Nostr, war betroffen.

Es wurden explizit verbotene Formulierungen genannt wie

  • “follow me @username on Instagram”
  • „username@mastodon.social”
  • “check out my profile on Facebook – facebook.com/username”

Ebenso verboten sollte die Umschreibung der Links mit „dot“ statt „.“ sein, damit die Adresse nicht als Link erkennbar ist. Auch verboten: Accounts, die lediglich der Bewerbung der Profile außerhalb Twitter dienen. Verstöße gegen die neue Policy sollten mit zunächst mit der Beobachtung des Accounts geahndet werden, ob es bei einem Einzelfall bleibe. Bei mehreren Verstößen stand die Sperrung der Accounts im Raum.

Ankündigung der umstrittenen Link-Verbote, Bild: web.archive.org
Ankündigung der umstrittenen Link-Verbote, Bild: web.archive.org

Weiterhin erlaubt waren inhaltliche Verlinkungen sowie bezahlte Werbung für die anderen Plattformen.

Eine der betroffenen Plattformen, Facebook, nahm die Ankündigung mit Humor…

Abwanderung gefällt Twitter wohl nicht

Zusammenfassend entstand der Eindruck, dass Twitter aka Chef Elon Musk sehr empfindlich reagiert hat und genervt ist von den Abwanderungstendenzen einer großen Zahl von Nutzern zu anderen Plattformen. Das ganze Thema des Verlassens von Twitter sollte wohl in der Sichtbarkeit massiv reduzieren werden. Auch die Tatsache, dass solcherlei Werbung nicht bezahlt werden sollte, schien den neuen Eigentümer des blauen Vogels geärgert zu haben.

Das alles hat die diskussionsfreudige Community auf Twitter nicht auf sich sitzen lassen und ordentlich dagegen angeschrieben. Es gab sehr viel Kritik sowohl auf der Plattform selbst als auch außerhalb.

Nun die Kehrtwende

Keine vierundzwanzig Stunden später hat nun Twitter diese umstrittenen Regelungen wieder zurückgenommen. Die nun veralteten Tweets zur neuen Regelung sowie die entsprechenden Support-Seiten sind nun nicht mehr auf den Twitterservern auffindbar, lediglich via web.archive.org.

Stattdessen wies Musk plötzlich darauf hin, dass über zukünftig über große Regeländerungen abgestimmt werden soll. Es folgte eine Entschuldigung. Für was genau, blieb unklar. Auf jeden Fall waren irgendwann die Tweets und Supportseiten zu den neuen Regelungen verschwunden. Dafür aber startete Elon Musk eine neue, aufsehenerregende Umfrage.

Neue Abstimmung über Elon Musk selbst

Der Twitterchef hatte gleich Taten folgen lassen und sich selbst zur Abstimmung gestellt. Solle er Chef von Twitter bleiben? Ja oder Nein. Er werde sich an das Ergebnis halten. So spektakulär das klingt, diese Wendung war früher oder später absehbar, da Musk bereits bei der Übernahme von Twitter angekündigt hatte, sich nur als Interim zu sehen für die Neuausrichtung der Plattform, um sich dann aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen.

Die Abstimmung ist mittlerweile abgeschlossen und die Community lehnt den Verbleib von Musk als CEO mehrheitlich ab. Die große Frage ist nun, wann wird sich Musk zurückziehen und fast noch wichtiger, wer wird übernehmen? Die ersten Gerüchte sind schon unterwegs.


Kurz gesagt, es bleibt spannend bei Twitter. Kommt der blaue Vogel nochmal ans Fliegen oder legt er gerade eine sensationelle Bruchlandung hin?

Quellen:

Web.Archive.Org
Heise
Twitter
Mehr zum Thema: Musk lässt auf Twitter abstimmen: Soll er als Chef zurücktreten?
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