Die Behauptung

In den sozialen Medien kursieren Fotos aus Rio de Janeiro, die fälschlicherweise behaupten, der Meeresspiegel habe sich seit 1880 nicht verändert.

Unser Fazit

Der Meeresspiegel ist sowohl global als auch in Rio de Janeiro gestiegen. Fotos sind keine exakten Beweise für Veränderungen des Meeresspiegels und können wissenschaftliche Messungen nicht ersetzen.

Die Vorstellung, dass Fotos den wissenschaftlich belegten Anstieg des Meeresspiegels widerlegen könnten, erscheint absurd. Dennoch kursieren derzeit in sozialen Netzwerken Bilder aus Rio de Janeiro, die genau das behaupten. Sie sollen zeigen, dass der Meeresspiegel seit 1880 unverändert geblieben ist. Solche Behauptungen sind jedoch irreführend und entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Die Behauptung zum Rio de Janeiro Foto

Auf verschiedenen sozialen Plattformen wie Facebook, Instagram und X werden Bilder geteilt, die den Anstieg des Meeresspiegels infrage stellen. Ein besonders beliebter Beitrag zeigt drei Fotos des Zuckerhutes in Rio de Janeiro, die auf „ca. 1880„, „ca. 1910“ und „2020“ datiert sind. Diese Bilder sollen beweisen, dass sich der Meeresspiegel in diesem Zeitraum nicht verändert hat. Ähnliche Behauptungen tauchen auch in anderen Sprachen und Ländern auf und werden weltweit verbreitet.

Fotos aus Rio de Janeiro widerlegen Meeresspiegelanstieg nicht
Screenshot der Behauptung aus den sozialen Medien

Erste Einschätzung

Diese Aussagen sind irreführend. Drei Fotos aus verschiedenen Epochen können keine genaue Aussage über den Anstieg des Meeresspiegels machen. Wetterbedingungen, Ebbe und Flut sowie lokale Bauprojekte können das Aussehen der Küstenlinie stark beeinflussen. Wissenschaftler sind sich einig, dass genaue Messungen notwendig sind, um den Anstieg des Meeresspiegels abschätzen zu können.

Fakten und Beweise

Unabhängige Messdaten belegen eindeutig, dass der Meeresspiegel weltweit und auch in Rio de Janeiro gestiegen ist. Die Gezeitenmessstation Ilha Fiscal, die seit 1963 in Rio de Janeiro betrieben wird, hat einen durchschnittlichen Anstieg des Meeresspiegels von 2,35 Millimetern pro Jahr gemessen. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 14 Zentimetern seit Beginn der Messungen.

Experten wie Torsten Albrecht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Ingo Sasgen vom Alfred-Wegener-Institut betonen, dass Fotos aus der Ferne nicht geeignet sind, um Veränderungen des Meeresspiegels zu dokumentieren. Der Meeresspiegelanstieg vollzieht sich in kleinen Schritten über lange Zeiträume und kann durch lokale Effekte wie Küstenerosion und Bauprojekte beeinflusst werden.

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Weiterführende Informationen

Der Klimawandel führt zum Abschmelzen des Eises in Grönland, der Antarktis und der Gletscher weltweit, was wesentlich zum Anstieg des Meeresspiegels beiträgt. Außerdem dehnt sich Wasser bei höheren Temperaturen aus, was ebenfalls zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt. Regionale Unterschiede wie Veränderungen im Wasserkreislauf, Winde und Meeresströmungen sowie tektonische Bewegungen der Landmassen beeinflussen den Meeresspiegel lokal.

Nach Daten der NASA ist der globale Meeresspiegel seit 1880 um etwa 22 Zentimeter angestiegen. Diese Daten basieren auf umfangreichen Messungen von weltweit verteilten Pegelstationen und modernen Methoden wie Satellitenmessungen und autonomen Treibbojen.

Der IPCC-Bericht der Vereinten Nationen bestätigt, dass der menschliche Einfluss seit mindestens 1971 die Hauptursache für den globalen Meeresspiegelanstieg ist. Extremwetterereignisse und Erosionsprozesse, wie sie auch in Brasilien beobachtet werden, sind deutliche Anzeichen für die Auswirkungen des Klimawandels.

Fazit

Der Anstieg des Meeresspiegels ist ein wissenschaftlich belegtes Phänomen, das durch zahlreiche Messdaten und Studien bestätigt wird. Einzelne Fotos von Küstenabschnitten sind keine verlässlichen Beweise, um diesen Anstieg zu widerlegen. Genaue Messungen zeigen, dass der Meeresspiegel sowohl in Rio de Janeiro als auch weltweit angestiegen ist. Die langfristigen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs erfordern weiterhin umfassende Forschung und Maßnahmen zum Klimaschutz.

Quelle: AFP

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)