Die Behauptung
Wolodymyr Selenskyj sei kein echter Krisenpräsident, sondern ein korrupter TV-Komiker, der vom Oligarchen Ihor Kolomojskyj aufgebaut und gesteuert werde. Er herrsche repressiv, habe den Donbas-Krieg eskaliert und betreibe autoritäre Politik im Innern.
Aufgestellt von: Unbekannt
Irreführend
Einzelne Punkte sind korrekt, doch das Gesamtbild ist irreführend und folgt typischen Mustern russischer Desinformation. Die Vorwürfe enthalten reale Bezüge, sind jedoch überzogen, verzerrt und teilweise widerlegt. Es gibt keine Beweise, dass Kolomojskyj politischen Einfluss auf Selenskyj ausübt. Vielmehr zeigen Gesetzesinitiativen und Strafverfolgung gegen Kolomojskyj politische Unabhängigkeit. Die Ukraine unter Selenskyj zeigt autoritäre Züge – aber nur unter Kriegsrecht und keineswegs systematisch repressiv.
Kurze Faktenübersicht:
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TV-Karriere und Medienpräsenz: Selenskyj wurde durch seine Comedy-Show „Diener des Volkes“ berühmt – ausgestrahlt auf dem Sender eines umstrittenen Oligarchen.
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Einfluss von Kolomojskyj: Dessen Sender half massiv bei Selenskyjs Bekanntheit. Politische Gefälligkeiten sind jedoch nicht belegt. Im Gegenteil: 2020 trat ein Gesetz gegen Kolomojskyjs Interessen in Kraft, 2023 wurde er sogar verhaftet.
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Offshore-Konten (Pandora Papers): Selenskyj und Vertraute tauchten in den Pandora Papers auf. Die Vorgänge fanden vor seiner Amtszeit statt, juristisch ist nichts bewiesen, politisch ist es ein Imageschaden.
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Freunde in Ämtern: Ja, Selenskyj setzte enge Vertraute aus dem Showbusiness ein – diese wurden jedoch bis 2024 weitgehend ersetzt.
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Opposition und Medien: Pro-russische Parteien und Medien wurden im Zuge des Krieges eingeschränkt. Kritische pro-westliche Kräfte sind weiterhin aktiv.
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Donbas-Krieg: Selenskyj strebte anfangs Deeskalation an. Die großflächige Eskalation ging 2022 von Russland aus.
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Sprach- und Religionspolitik: Ukrainisch wurde forciert, Russisch aber nicht verboten. Die moskautreue Kirche wurde aus Sicherheitsgründen eingeschränkt.
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Staatlicher Zusammenbruch: Die Ukraine leidet unter dem Krieg, funktioniert jedoch weiterhin – mit internationaler Hilfe, Reformfortschritten und Verwaltungsstruktur.
Ja, es gibt Verbindungen, aber nicht die, die dir eingeredet werden sollen.
Selenskyj wurde auf dem TV-Sender eines Oligarchen bekannt, das stimmt. Und es gab persönliche Treffen. Aber: Seit seiner Wahl hat er genau diesen Oligarchen politisch zurückgedrängt, mit Gesetzen, Rauswürfen und am Ende sogar mit dessen Verhaftung. Wer hier von „Marionette“ spricht, hat nicht aufgepasst.
Kritik ist erlaubt, aber bitte mit Kontext.
Ja, es gab Vetternwirtschaft und fragwürdige Offshore-Konten. Aber vieles davon passierte vor seiner Amtszeit oder wurde später korrigiert. Heute zeigt die Ukraine Fortschritte bei Korruption und Reformen, auch laut unabhängigen Institutionen.
📢 Russische Desinformation funktioniert so: Ein bisschen Wahrheit, viel Verdrehung.
Ob es um den Maidan, die Sprache, den Donbas-Krieg oder angebliche CIA-Putsche geht, all diese Geschichten enthalten kleine Körnchen Wahrheit, werden aber gezielt aufgeblasen und verzerrt. Ziel: Misstrauen säen. Funktion: Leider oft erfolgreich.
Kein Heiliger, aber auch keine Marionette.
Selenskyj ist nicht perfekt. Aber das Bild, das manche verbreiten, korrupter Komiker unter Oligarchensteuerung, der autoritär regiert, ist so nicht haltbar. Es ist Teil einer gezielten Kampagne, die die Ukraine schwächen soll.
Held oder Handlanger? Die gezielte Dekonstruktion eines Präsidenten
In sozialen Medien verbreitet sich ein Text, der Präsident Selenskyj als korrumpierten Ex-Komiker unter Oligarchenkontrolle darstellt, der den Donbas-Krieg eskaliert, die Opposition unterdrückt und die Ukraine in ein autoritäres Regime verwandelt haben soll.
Was ist dran an diesen Vorwürfen?
Vom Komiker zum Präsidenten, der mediale Aufstieg
Wolodymyr Selenskyj wurde nicht durch Parteiarbeit oder Politik bekannt, sondern durch das Fernsehen. Seine Serie „Diener des Volkes“ machte ihn zum Star. Sie wurde auf dem Sender „1+1“ ausgestrahlt, Eigentümer: Ihor Kolomojskyj, ein milliardenschwerer Oligarch mit schillernder Vergangenheit.
Diese Verbindung bildet den Kern der Erzählung, Selenskyj sei das Produkt eines Oligarchen. Und ja, Kolomojskyjs Medienplattform spielte eine zentrale Rolle bei Selenskyjs Aufstieg. Kurz vor der Präsidentschaftswahl 2019 lief auf „1+1“ eine Wiederholung seiner Shows, ein massiver Vorteil im Wahlkampf. Doch aus medialer Förderung politische Kontrolle zu konstruieren, ist spekulativ.
Tatsächlich kehrte Kolomojskyj, der zuvor im Ausland im Exil gelebt hatte, kurz nach Selenskyjs Wahlsieg wieder in die Ukraine zurück, was den Eindruck verstärkte, er rechne nun mit politischem Rückenwind.
Auf die Frage, ob Selenskyj von Ihor Valeriyovych Kolomojskyj abhängig sei und dies bedeuten würde, dass die Ukraine von Kolomojskyj regiert würde, wenn Selenskyj die Präsidentschaftswahlen gewinnt, antwortete er in einem Interview mit „Gordon“ im Dezember 2018: „Ich bin ein völlig unabhängiger Mensch. Ich will niemanden beleidigen, aber niemand wurde geboren, um mich zu beherrschen.“
Kolomojskyj, Strippenzieher oder enttäuschter Förderer?
Tatsächlich gab es vor 2019 zahlreiche persönliche Treffen zwischen Selenskyj und Kolomojskyj, u. a. in Genf und Tel Aviv. Und mit Andrij Bohdan ernannte Selenskyj ausgerechnet einen früheren Anwalt Kolomojskyjs zum Leiter seiner Präsidialverwaltung. Kritiker schrien sofort „Einflussnahme!“
Doch schon 2020 entließ Selenskyj Bohdan, ein Bruch mit Symbolcharakter. Zeitgleich verabschiedete das Parlament das sogenannte „Anti-Kolomojskyj-Gesetz“, das Kolomojskyj die Rückgabe seiner verstaatlichten Bank verbietet. Die ukrainischen Behörden führten 2023 eine Razzia in seinem Haus durch, ein halbes Jahr darauf wurde Kolomojskyj sogar verhaftet. Wer hier noch von „Kontrolle“ spricht, ignoriert die Fakten.
Vertraute statt Experten: Vetternwirtschaft oder Vertrauensstrategie?
Nach seinem Wahlsieg 2019 setzte Selenskyj auf bekannte Gesichter: Ivan Bakanov, Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU, war sein Jugendfreund; Serhij Schefir, sein Präsidentenberater, ein ehemaliger TV-Produzent. Diese Personalpolitik wurde scharf kritisiert, und das zu Recht. Die Betreffenden hatten kaum Verwaltungserfahrung.
Der Vorwurf des Nepotismus trifft zu, Opposition und Experten sahen darin ebenfalls eine riskante Vetternwirtschaft, die aber im Verlauf der Amtszeit korrigiert wurde und somit zeitlich begrenzt war. Seit 2022/23 wurden die meisten dieser „Showfreunde“ ausgetauscht, durch erfahrene Beamte und Experten.
Offshore-Konten, der Schatten der Pandora Papers
Die Pandora Papers brachten 2021 ans Licht, dass Selenskyj und Vertraute Offshore-Firmen betrieben, u. a. zur Verwaltung von TV-Einnahmen. Kurz vor der Wahl übertrug Selenskyj seine Anteile an eine Firma an einen Vertrauten. Damit verschwand er formal aus der Eigentümerliste. Die Enthüllungen der Pandora Papers wirkten daher heuchlerisch: Während er öffentlich Transparenz predigte, hielt er im Verborgenen komplexe Offshore-Konstrukte aufrecht.
Es muss betont werden, dass Offshore-Konten an sich nicht illegal sind. Nichtsdestotrotz sind diese Vorgänge moralisch fragwürdig. Dass diese Enthüllungen seinem Saubermann-Image schadeten, ist jedoch unstrittig.
Laut Transparency International verbesserte sich der Korruptionswahrnehmungsindex der Ukraine inmitten des Krieges 2023 deutlich (von 33 auf 36 Punkte), einer der besten Fortschritte weltweit. Dies zeigt, dass strukturelle Reformen greifen, auch wenn die Pandora-Enthüllungen einen Schatten warfen.
CIA-Putsch? Ein Klassiker der Desinformation
Die Behauptung, der Maidan 2014 sei ein von der CIA orchestrierter Umsturz gewesen, ist nachweislich falsch. Internationale Recherchen und westliche Medienanalysen zeigen: Der Euromaidan war eine spontane, breite Protestbewegung gegen Korruption und für EU-Nähe.
Zahlreiche Quellen, von Augenzeugenberichten bis hin zu akademischen Analysen, untermauern, dass kein externer Akteur den Maidan „ferngesteuert“ hat. Diese Behauptung ist ein Kernelement russischer Desinformation, das aber durch die historischen Abläufe widerlegt wird. Das russische Narrativ vom „Putsch“ dient seit Jahren dazu, die Legitimität der ukrainischen Demokratie zu untergraben.
Eskalation im Donbas? Nein, es war Russland
Selenskyj wurde 2019 gerade mit dem Versprechen gewählt, den seit 2014 schwelenden Donbas-Konflikt zu entschärfen. Er unternahm zunächst echte Deeskalationsversuche, inklusive Truppenrückzügen und Dialogangeboten. Innenpolitischer Widerstand zwang ihn jedoch zur Aufgabe des Friedensplans.
Bis 2021 blieb die Lage relativ stabil. Erst Russland eskalierte ab Ende 2021 einseitig mit Truppenaufmärschen. Mit der großflächigen russischen Invasion 2022 wurde daraus ein Flächenkrieg.
Der Vorwurf, Selenskyj habe eskaliert, ignoriert die Faktenlage und dient propagandistischen Zwecken.
Repressionen im Innern, berechtigt oder autoritär?
Selenskyjs Gegner werfen ihm vor, Opposition und Medien zu unterdrücken. Tatsächlich ließ er pro-russische Parteien und Medien im Zuge des Kriegsrechts verbieten bzw. abschalten, etwa den prorussischen Sender ZIK oder die Partei OPFL. Die EU zeigte sich damals besorgt über das Verfahren, verstand aber die Motivation, gegen Kreml-Propaganda vorzugehen
Andere Parteien, wie Poroschenkos oder Tymoschenkos, blieben aktiv. Auch die Opposition im Parlament funktionierte, wenn auch unter Kriegsrecht eingeschränkt.
Sprache, Kirche, Kultur: Ein Kulturkampf gegen Russland?
Der Vorwurf, dass Russisch in der Ukraine verboten würde, entspricht einem klassischen russischen Narrativ, wonach die ukrainische Regierung Russischsprachige „unterdrückt“. Russisch wird in der Ukraine nicht verboten, es wird lediglich aus offiziellen Bereichen zurückgedrängt.
Die Stärkung des Ukrainischen ist eine bewusste Identitätspolitik nach Jahren russischer Dominanz. Diese Politik der „Ukrainisierung“ begann zudem vor Selenskyjs Amtszeit (unter Vorgänger Poroschenko) und folgt der historischen Erfahrung, dass die ukrainische Sprache lange unterdrückt war und nun gefördert werden soll.
Tatsächlich hat sich im Zuge des Krieges ein kirchlicher Konflikt zugespitzt. Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats (UOK-MP) ist formal dem russischen Patriarchat unterstellt. Sie distanzierte sich zwar 2022 offiziell von Moskau, steht aber im Verdacht, weiterhin eine fünfte Kolonne Russlands in der Ukraine zu sein.
Nach dem Fund von Propagandamaterial und Kollaborationshinweisen wurde die UOK-MP 2023/24 verboten. Das ist ein harter, aber nicht unbegründeter Eingriff.
Staat am Abgrund? Von wegen!
Der Krieg hat die Ukraine erschüttert, doch sie steht noch. Die Verwaltung funktioniert, Renten werden ausgezahlt, Schulen unterrichten, internationale Hilfe kommt an. Der Zusammenbruch, den manche herbeireden, ist ausgeblieben. Der Staat kämpft, und funktioniert.
Von einem „kollabierenden“ Land würde man Chaos, Anarchie und unkontrollierte Gebiete erwarten, stattdessen ist die Ukraine politisch und gesellschaftlich vergleichsweise vereint und handlungsfähig, wenn auch in einer schweren Krise.
Wer ist Brian Berletic, und warum ist das wichtig?
Brian Berletic ist ein ehemaliger US-Marine, der heute als geopolitischer Blogger und Kommentator auftritt. Früher schrieb er unter dem Pseudonym „Tony Cartalucci“. Er lebt in Thailand und äußert sich regelmäßig kritisch zur Außenpolitik der USA.
In seinen Texten behauptet er häufig, die Vereinigten Staaten würden weltweit sogenannte „Farbrevolutionen“ unterstützen. Dabei geht es aus seiner Sicht um den Machterhalt der USA, also deren politische und wirtschaftliche Vormachtstellung auf globaler Ebene. Diese Sichtweise entspricht bekannten antiwestlichen Narrativen, wie sie oft auch von russischen oder chinesischen Staatsmedien verbreitet werden.
Seine Positionen haben ihm sowohl Anerkennung als auch Kritik eingebracht, denn während einige seine Analysen als aufschlussreich betrachten, werfen ihm andere vor, Verschwörungstheorien zu verbreiten und pro-russische Narrative zu unterstützen, insbesondere in Bezug auf die Ukraine, die NATO und westliche Demokratien.
Fazit zum Thema „Selenskyj unter Oligarcheneinfluss“
Die Darstellung eines korrumpierten Ex-Komikers, der vom Oligarchen Kolomojskyj gesteuert wird, hält einer faktenbasierten Analyse nicht stand.
Ja, es gibt mediale Verflechtungen, ja, es gab problematische Personalentscheidungen, aber keine Beweise für systematische Einflussnahme oder Kontrolle. Vielmehr zeigt die politische Entwicklung, dass Selenskyj unabhängig handelt, Gesetze gegen Kolomojskyj durchsetzt und diesen sogar der Justiz überstellt.
Einzelne Kritikpunkte sind berechtigt, das Gesamtbild jedoch entlarvt sich als Teil eines strategisch aufgebauten Desinformationsnarrativs.
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