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Trans Personen in der BW dürfen wegen der Toiletten nicht in den Einsatz? Blödsinn!

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht habe angeblich bekannt gegeben, dass trans Personen in der Bundeswehr wegen fehlender gendergerechter Toiletten im Kriegsfall nicht eingesetzt werden. Doch die Behauptung ist frei erfunden!

Ralf Nowotny, 28. Mai 2022

Die Behauptung

Verteidigungsministerin Lambrecht habe angeblich bekannt gegeben, dass Transpersonen in der Bundeswehr wegen fehlender gendergerechter Toiletten im Kriegsfall nicht eingesetzt werden.

Unser Fazit

Die Behauptung ist eine reine Erfindung. Es findet sich keine einzige Meldung darüber, auch diverse, öffentliche Stellen widersprechen der Behauptung.

Genau genommen schreibt der Ersteller oder die Erstellerin des Sharepics nicht von trans Personen, sondern von „Gender-Soldatinnen und Soldaten“, womit aber wahrscheinlich das Gleiche gemeint ist. Die sollen also zwar in der Bundeswehr sein dürfen, müssten aber im Kriegsfall nicht an die Front, da es dort keine gendergerechten Toiletten gäbe, wobei sich alleine da schon die Frage auftut, was denn gendergerechte Toiletten sein sollen. Extra-Toiletten für Transpersonen? Die gibt es auch so nicht.
Die Behauptung ist jedenfalls frei erfunden.

Das Sharepic über trans Personen bei der Bundeswehr

Dieses Sharepic wird derzeit stark in sozialen Medien verbreitet:

Mimikama
Die Falschbehauptung über Trans-Personen bei der BW

Die Behauptung im Wortlaut:

„Die Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat heute bekannt gegeben:
Die in der Bundeswehr integrierten Gender-Soldatinnen/Soldaten können im Kriegsfall nicht eingesetzt werden, weil es an der Front keine Gendergerechten Toiletten gibt.“

Der Faktencheck

Anhand der Behauptung wird schon deutlich, dass dem Ersteller oder der Erstellerin das Vokabular fehlt, um überhaupt auszudrücken, was denn da erlogen wird, deswegen helfen wir mal nach: Mit „Gender-Soldatinnen und Soldaten“ sind wahrscheinlich trans Personen gemeint, mit „Gendergerechte Toiletten“ wahrscheinlich Unisex-Toiletten (wobei 2019 in Bayern auch schon mal über eine dritte Toiletten-Option nachgedacht wurde).

Nachrichtenmeldung: Fehlanzeige

Wann „heute“ denn sein soll, ist unklar, denn das Sharepic wird seit Mitte Mai geteilt, doch bis heute lässt sich keine einzige Nachrichtenzeile, kein Artikel, nicht einmal ein Nebensatz finden, in dem davon berichtet wird, dass Christine Lambrecht dies bekannt gegeben haben soll.

Was verschiedene Stellen zu der Behauptung sagen

Die Kollegen von AFP gruben noch ein wenig tiefer und fragten an diversen Stellen nach, ob es nicht vielleicht doch eine solche Regelung innerhalb der Bundeswehr gibt. Hier die Antworten:

  • Der Bundesverband Trans*: Von einer derartigen Regelung, die den Kriegseinsatz von trans- oder intergeschlechtlichen Menschen verbietet, hat der Verband keine Kenntnis
  • Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums: Es handele sich bei der Behauptung selbstverständlich um eine Falschmeldung. „Wir fordern und fördern ein wertschätzendes und offenes Klima innerhalb der Streitkräfte, natürlich auch gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen.“
  • Eine Sprecherin der Wehrbeauftragten des Bundestages: „Zu der von Ihnen angesprochenen Behauptung haben wir keine eigenen Erkenntnisse.“
  • Anastasia Biefang, erste Transgender-Kommandeurin bei der Bundeswehr und stellvertretende Vorsitzende des QueerBW: „Nach unserer Kenntnis handelt es sich bei der Aussage um einen ‚Fake‘. Frau Lambrecht hat diese Aussage nicht getätigt. Transgeschlechtliche Soldaten werden sehr wohl bei Einsätzen eingesetzt. Gendergerechte Toiletten sind keine Voraussetzung für den Einsatz von Soldat:innen an der “Front“.“

Fazit

Es gibt keine einzige Meldung darüber, dass Christine Lambrecht bekannt gegeben hätte, trans Personen könnten im Kriegsfall nicht eingesetzt werden, auch diverse, öffentliche Stellen widersprechen der Behauptung.

Es handelt sich somit um eine reine Falschbehauptung.

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