Die Behauptung

Ein Meme soll beweisen, dass das Schmelzen von Eis im Meer keinerlei Auswirkung auf den Meeresspiegel hat. Das Experiment bedient damit das „archimedische Prinzip“, was Verdrängung von Körpern in Wasser angeht.

Unser Fazit

Hier wurde einerseits komplett auf das schmelzende Landeis vergessen, außerdem erhöht sich das Volumen um 2 bis 3 % durch die Verdünnung des salzigen Meerwassers mit der frischen Schmelze des Eisbergs.

Zwei Bilder, die gegenüber gestellt werden, sollen also beweisen, dass es durch das Schmelzen von Eis nicht zu einem Anstieg des Meeresspiegels kommt. Doch der Vergleich wurde etwas naiv angestellt.

Diese Vergleichsbilder kursieren schon seit längerer Zeit in sozialen Medien – beispielsweise in diesem Facebook-Post vom 7. August 2019.

Mit ihnen wird eine simple Milchmädchenrechnung angestellt: Ein Eisberg, der im Ozean schwimmt, schmilzt, was durch die Eiswürfel im Wasserkrug dargestellt wird. Und siehe da – der Inhalt im Wasserkrug verändert seine Menge nicht, nachdem das Eis geschmolzen ist, sondern bleibt gleich.

Damit soll also bewiesen werden, dass wir überhaupt kein Problem damit haben, wenn Eisberge schmelzen und keinen Anstieg des Meeresspiegels fürchten müssen.

Doch das ist nicht ganz so einfach

Was nämlich hier komplett außen vor gelassen wurde, ist das Schmelzen von Landeis. Denn nein, es gibt nicht nur im Wasser schwimmendes Eis bzw. Eisberge. Auch Eis vom Land schmilzt und fließt in die Gewässer.

Dazu müsste in den Bildern noch ein zweites Gefäß inkludiert werden, in dem sich nur Eis befindet. Nach dem Schmelzen dieses „externen“ Eises, also Eis, das nicht bereits im Wasser war, müsste dieses dem Wasserkrug hinzugefügt werden. – Preisfrage: Was wird dann passieren? Na?

Nicht nur Meereis ist relevant

Die sogenannte „Kryosphäre“ umfasst sämtliches Eis auf unserem Planeten: Meereis und auch Gletschereis.
Meereis ist gefrorenes Meerwasser, das an der Oberfläche schwimmt. Das Gefrieren und auch Schmelzen des Meereises hat keine nennenswerten Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Es gibt jedoch einen kleinen zusätzlichen Beitrag durch die Verdünnung des salzigen Meerwassers mit der frischen Schmelze des Eisbergs. Dadurch wird das Volumen des verdrängten Meerwassers um 2 bis 3 % erhöht.

„Nach dem archimedischen Prinzip verdrängt jedes schwimmende Objekt sein eigenes Gewicht an Flüssigkeit. Zum Beispiel führt ein Eiswürfel in einem Glas Wasser nicht dazu, dass das Glas überläuft, wenn es schmilzt. Da Meerwasser jedoch wärmer und salziger ist als schwimmendes Eis, wirken sich Änderungen in der Menge dieses Eises auf den globalen Meeresspiegel aus.“

Quelle: Studie der University of Leeds

Gletscher in den Gebirgen oder Teile der großen Eisschilde in Grönland und der Antarktis haben jedoch einen starken Einfluss auf den Meeresspiegel, wenn sie schmelzen und in den Ozean fließen. Einige Gletscher enden an Land, von ihnen erreicht das Schmelzwasser über Flüsse den Ozean. Andere Gletscher wiederum gleiten direkt in den Ozean und kalben große Blöcke ab – die uns bekannten Eisberge.

Das Vergleichs-Experiment kehrt also einige relevante Parameter einfach unter den Teppich. Ein Versuch mit mehreren unterschiedlichen Wasserständen hätte dies aufzeigen können. So erklärt Ted Scambos, Senior Research Scientist am Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences: „Wenn man das gleiche Experiment mit einer Tasse Wasser macht, die fast voll ist, und dann einen großen Eisberg hinzufügt, wird er oben überlaufen.“

Was man neben der Veränderung des Meeresspiegels auch nicht vergessen darf, sind die Auswirkungen von verschwindendem Meereis auf Ökosysteme und das Klimasystem der Erde.

Fazit

Dieses Vergleichs-Experiment beweist nicht, dass das Schmelzen von Meereis nicht für den Anstieg des Meeresspiegels verantwortlich ist. Hier wurden einfach zu viele Details weg gelassen.

Einerseits erhöht sich das Volumen aufgrund der Verdünnung von Salzwasser mit „frischem Wasser“ durch das Schmelzen von Eisbergen, andererseits wird das Schmelzen von Landeis komplett ignoriert.

Aufgrund fehlender Details und extrem vereinfachter Herangehensweise kann mit diesem Experiment kein ernstzunehmender Beweis für irgendwas erbracht werden.

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Quelle: Climate Feedback, Science Daily, Reuters, AFP


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