Die Cybercrime-Ermittler der Polizei Göttingen registrieren aktuell vermehrt Taten im Zusammenhang mit dem sog. Online Trading. Grund genug, die neue Betrugsmasche einmal im Detail zu erklären und davor zu warnen, findet Kriminalhauptkommissar Christian Kalinowski vom Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Göttingen.

Doch was ist „Online-Trading“ überhaupt und wie gehen die Täter vor?

Dazu Ermittler Kalinowski:

„Es sind Straftaten, die bei Privatpersonen derzeit wahrscheinlich den größten finanziellen Schaden anrichten: Betrugstaten im Zusammenhang mit sogenannten Online-Trading-Plattformen. Die Täter stellen eine Plattform ins Netz, über die sich angeblich weit überdurchschnittlich gute Gewinne erzielen lassen. Diese bewerben sie im Internet und berufen sich hierbei unter anderem auf Prominente, die angeblich ebenfalls erfolgreich investiert haben.

Sobald sich die Opfer auf der Plattform registriert haben, werden sie von dem vermeintlichen Anlageberater kontaktiert und ihnen wird der weitere Ablauf erklärt. Das Geschäftsmodell ist für viele undurchsichtig. Aufgrund der versprochenen Gewinne und der geschickten Gesprächsführung lassen sich die Opfer dann leider doch zu oft zu einer Investition von einem zunächst kleinen Betrag überreden. Oft installieren die Opfer zusätzlich Fernwartungssoftware auf ihrem PC, um technische Unterstützung von dem angeblichen Broker zu erhalten.

Die Einzahlung lässt sich auf der von den Tätern programmierten Homepage im Account des Opfers nachvollziehen. Dort sind auch schnell die ersten Gewinne sichtbar. Durch den engen Kontakt mit dem angeblichen Anlageberater und der immer weiter steigenden Gewinne lassen sich die Opfer zu weiteren Einzahlungen überreden“, erklärt der Kriminalhauptkommissar.

Taten in der PI Göttingen

Kalinowski:

„Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen ist aus dem Jahr 2021 ein Fall bekannt, in dem ein Geschädigter einen Schaden in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro erlitten hat. In einem Fall aus dem Jahr 2022 ist es zu einem Schaden in Höhe über 600.000 Euro gekommen. Es sind aber auch Fälle bekannt, in denen die Geschädigten sich zuvor eigentlich schon sicher waren, dass es sich um Betrug handeln dürfte, sie aus Neugier dennoch die Anfangsinvestition in Höhe von etwa 250 Euro getätigt haben.

Für alle Fälle gilt allerdings gleichermaßen: ‚Die vermeintliche Investition ist nur für die Täter ein Gewinn – die Opfer erleiden einen Totalverlust!‘ Wollen sich die Anleger ihre vermeintlichen Gewinne auszahlen lassen, werden angebliche Gebühren fällig, die zunächst zu zahlen seien.

Sollten diese angeblichen Gebühren gezahlt werden, ist auch dieses Geld ist weg. Selbst für den Fall, dass die Opfer eine Strafanzeige erstatten oder den Tätern gegenüber äußern, dass sie den Betrug erkannt haben, sind die Täter vorbereitet. Mit etwas zeitlichem Verzug meldet sich ein angeblicher Anwalt oder eine angebliche ausländische Ermittlungsbehörde und teilt mit, dass man die Betrügerbande gefasst und die Gelder gesichert habe. Aktuell sind auch E-Mails im Umlauf, in denen vorgegeben wird, dass man die Daten des Angeschriebenen auf einer konfiszierten Festplatte gesichert habe.

Zur Unterstützung der Ermittlungen soll man sich in einem Onlineformular registrieren. Egal, welchen Weg die Täter wählen; auch hier fallen wieder Gebühren an, die die Geschädigten zahlen sollen, um ihre Gelder zurückzuerlangen. Die betrügerischen Trading-Plattformen von legalen Anlagegeschäften zu unterscheiden, fällt vielen schwer“.

Wie kann man sich vor derartigen Betrugsfällen schützen?

Kriminalhauptkommissar Christian Kalinowski rät:

  • Seien Sie skeptisch, wenn mit Gewinnen geworben wird, die weit über dem Durchschnitt liegen. – Legen Sie auf, wenn Sie unerwünschte Werbeanrufe bekommen. – Halten Sie gegebenenfalls Rücksprache mit dem Bankberater Ihrer Hausbank, wenn Sie planen, Gelder in ein neues und Ihnen unbekanntes Finanzprodukt zu investieren.
  • Legale Finanzanbieter nutzen keine Fernwartungssoftware, um Ihre Produkte zu vertreiben.
  • Lassen Sie daher keinen Fremdzugriff auf Ihre Geräte zu.
  • Legen Sie auf, wenn Sie unerwünschte Werbeanrufe bekommen.
  • Sollten Sie Opfer geworden sein, erstatten Sie eine Anzeige bei der örtlich zuständigen Polizeidienststelle. Kontaktieren Sie Ihre Hausbank, ob Rückabwicklungen möglich sind. – Lassen Sie sich nicht zum Opfer eines Folgebetrugs machen, indem Sie weitere Zahlungen an Personen senden, die Ihnen versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen.
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Quelle

Polizeiinspektion Göttingen
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