Die Behauptung
In einem Video wird behauptet, ein „satanischer Kalender“ kündige jedes Jahr feste Zeiten für Entführungen und Opfer an. Als Beleg dienen Tabellenbilder, ein Buchtitel und Aussagen von „Dr. Dorothea Thul“. Dazu wird vor weißen Lieferwagen gewarnt, die Kinder entführen würden.
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Falsch
Die Behauptung ist falsch.
Der gezeigte „Kalender“ ist kein Ermittlungsdokument.
Er stammt aus verschwörungsideologischem Material ohne belastbare Belege.
Wer so ein Video im Feed sieht, soll den Eindruck bekommen, hier werde vor einer akuten Gefahr gewarnt. Die Bilder wirken wie ein Leak, das Buch soll diese Wirkung absichern.
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Nein, es gibt keine Belege für organisierte „Opferwochen“ im April oder zu Halloween. Gezeigt wird kein Behördenpapier, sondern Material aus einem verschwörungsideologischen Umfeld. Die Warnung vor weißen Lieferwagen stützt sich nicht auf überprüfbare Fälle, sondern auf ein bekanntes Angstnarrativ.
Der Kalender stammt aus einem Buch und ist kein Beweis
Die Tabelle wirkt wie ein internes Dokument. Genau das soll sie auch. Tatsächlich wird sie direkt mit dem Buch „Die 13 satanischen Blutlinien“ von Robin de Ruiter verbunden.
Das ist kein Nachweis für reale Taten. Ein Buchcover und ein Amazon-Link belegen nur, dass dieses Buch veröffentlicht wurde. Sie belegen nicht, dass die darin erzählten Behauptungen stimmen.
Fakt ist: Der gezeigte „Ritualkalender“ steht nicht für eine belegte Gefahrenlage, sondern für ein seit Jahrzehnten bekanntes Paniknarrativ ohne belastbare Nachweise.
Der angebliche „satanische Kalender“ ist kein neu entdecktes Dokument. Der Folkloreforscher Bill Ellis beschrieb bereits, dass solche Kalender nie auf die Praxis einer beobachtbaren oder dokumentierten Gruppe zurückgeführt wurden. Nach seiner Darstellung tauchten sie erst ab 1987 auf und übernahmen Daten unkritisch aus sehr unterschiedlichen Quellen.
Ellis weist außerdem darauf hin, dass der Kalender so viele angebliche „Satanic holidays“ enthält, dass sich nahezu jede Tat im Nachhinein mit einem solchen Datum verknüpfen lasse. Gerade das macht ihn als Beleg untauglich.
Was Dorothea Thul im Video behauptet
Im Video behauptet Dorothea Thul, es gebe jedes Jahr zwei feste Zeiträume für rituelle Taten und Opfer: einmal Ende Oktober rund um Halloween und einmal im April.
Als Grundlage nennt sie einen angeblichen Kalender aus dem Buch „Die 13 satanischen Blutlinien“. Daraus leitet sie ab, dass zwischen dem 19. und 24. April Kinder entführt würden. Für die Tage danach behauptet sie weitere Menschenopfer.
Zudem warnt sie Eltern davor, ihre Kinder allein aus den Augen zu lassen. Als angebliche Gefahr nennt sie weiße Lieferwagen oder Transporter ohne Fenster in der Nähe von Schulen und Kindergärten.
Die Erzählung ist seit Jahren bekannt und folgt einem alten Panikmuster
Die Geschichte folgt dem alten Muster der sogenannten „Satanic Panic“. Gemeint ist eine seit den 1980er Jahren bekannte Verschwörungserzählung, in der satanistische Netzwerke für rituellen Kindesmissbrauch, Entführungen und Tötungen verantwortlich gemacht werden. Für ein solches organisiertes System wurden trotz jahrelanger Ermittlungen keine belastbaren Belege gefunden.
Solche Inhalte wirken glaubwürdig, weil sie an reale Ängste anknüpfen. Missbrauch und Entführungen gibt es. Daraus wird dann eine große, geheime Struktur gebaut, für die am Ende die Nachweise fehlen.
Auch der angebliche „satanische Kalender“ ist kein neuer Fund. Bereits 2014 schrieb die BBC über die Behauptung eines „Satanic New Year“ und hielt fest, dass solche Kalender zwar kursieren, ihre Herkunft aber unklar ist. Der dort zitierte Religionswissenschaftler Jesper Aagaard Petersen bezeichnete die Verbindung zwischen Satanisten und dem Datum als „rein eingebildet“, während der Soziologe David Bromley die Vorstellung eines großen satanistischen Untergrundnetzwerks als diskreditiert einordnete.
Die Angst soll den Rest erledigen
Besonders wirksam ist die Warnung vor weißen Lieferwagen. Das Bild ist einfach, eingängig und sofort bedrohlich. Genau deshalb wird es immer wieder geteilt. Das Problem ist nicht der Hinweis, dass Kinder vorsichtig sein sollen. Das Problem ist die unbelegte Behauptung, es gebe feste Entführungs- und Opferzeiten durch satanische Gruppen. Dafür liefert das Material keinen Nachweis.
FAQ zum Thema: Dorothea Thul und satanischer Kalender
Hat Dorothea Thul das wirklich belegt?
Nein. Im gezeigten Material werden Behauptungen wiederholt, aber keine belastbaren Beweise vorgelegt.
Woher stammt die Aussage über die satanischen Opferwochen?
Sie wird mit dem Buch „Die 13 satanischen Blutlinien“ und einem angeblichen Ritual-Kalender verknüpft. Das sind verschwörungsideologische Quellen, keine Ermittlungsakten.
Wie prüft man solche Warnungen im Internet?
Zuerst nach der Originalquelle. Dann prüfen, ob Behörden, Gerichte oder seriöse Medien die Behauptung bestätigen. Fehlt das, bleibt es eine unbelegte Erzählung.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
