Teil 1 hat gezeigt, wer eine Facebook-Seite verwaltet. Jetzt geht es um die Anzeigen, die im Feed auftauchen. Für Werbung in der EU müssen große Plattformen öffentlich zeigen, wer sie geschaltet hat, wer dafür bezahlt hat und wen sie erreichen sollte. Bei Meta heißt dieses Archiv Werbebibliothek.
Was steht in der Werbebibliothek?
Laut Meta sind dort alle Anzeigen zu finden, die gerade auf Facebook, Instagram und den anderen Meta-Diensten laufen. Werbung zu Politik, Wahlen und gesellschaftlichen Themen bleibt sieben Jahre gespeichert, samt Ausgaben und Reichweite. Für Anzeigen, die Menschen in der EU gesehen haben, gibt es noch mehr Angaben. Sie bleiben ein Jahr nach der letzten Ausspielung archiviert.
Dahinter steht der Digital Services Act der EU. Sein Artikel 39 verlangt von sehr großen Plattformen ein öffentliches Werbearchiv. Darin müssen unter anderem stehen: in wessen Namen die Anzeige läuft, wer bezahlt hat, wie lange sie lief, an wen sie sich richtete und wie viele Menschen sie erreichte.
Was kann man daraus ablesen?
Mehr, als man denkt. In unserer Recherche zu Werbung für eine Entkleidungs-App zeigte die Werbebibliothek: Die Anzeige richtete sich an Männer von 18 bis über 65 Jahren in 14 EU-Staaten. Sie konnte über fünf Umfelder ausgespielt werden, darunter Facebook, Instagram und Threads. Ein Eintrag war nur zwei Stunden aktiv, und Meta wies mehrere Versionen derselben Anzeige aus.
Beim Feld für Werbetreibenden und Zahlenden stand allerdings nur: „hhh“. Die Werbebibliothek zeigt, was angegeben wurde – nicht, ob es stimmt.
Und wenn dort Unsinn steht?
Das ist kein Einzelfall. Eine 2026 veröffentlichte Studie im Auftrag der österreichischen Medienbehörde KommAustria hat Werbung auf Meta-Plattformen untersucht. Die Forschenden fanden im Feld für den Zahlenden Einträge wie „369“, „1“ oder „wsdggggg“. Ein angeblicher Zahlender namens „1“ stand bei Jobbetrug sogar hinter 11.712 Anzeigen. Das Feld lässt sich also offenbar frei befüllen.
Gibt es das auch bei Google?
Ja. Anzeigen auf der Google-Suche und auf YouTube stehen im Ads Transparency Center unter adstransparency.google.com. Dort lässt sich nach einem Werbetreibenden suchen. Wer bei Google verifiziert ist, erscheint dort mit Angaben zu seiner Organisation.
Das ist wichtiger, als es klingt. Die Watchlist Internet hat beobachtet, dass Kriminelle ihre Seiten als Werbung in Suchmaschinen schalten – etwa angebliche Kanzleien, die Betrugsopfern Hilfe versprechen. Wie diese Masche abläuft, steht in „Recovery Scam: Wenn Betrüger das Geld zurückholen wollen“.
Quellen
- Meta: Meta Ad Library tools, Transparency Center.
- Verordnung (EU) 2022/2065 (Digital Services Act) – Artikel 39.
- KommAustria / RTR: Analyse des Betrugsökosystems auf Meta-Plattformen, 2026.
- Google: Hilfe zur Werbetreibenden-Verifizierung und zum Ads Transparency Center.
- Watchlist Internet: Recovery Scam: Fake-Agenturen schädigen Opfer erneut, Juni 2026.
- Mimikama: KI-Werbung auf Facebook entblößt Frauen trotz Meta-Verbot, 30. August 2026.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)
