Die Behauptung

Für das Fundament einer Windkraftanlage werden rund 1000 Kubikmeter Erde, 3500 Tonnen Stahl und 1300 Kubikmeter Beton benötigt.

Unser Fazit

Diese Angaben sind stark übertrieben. Je nach Anlage und Standort werden etwa 100 bis 200 Tonnen Stahl für das Fundament einer Windkraftanlage benötigt.

Die Windenergie ist ein zentraler Baustein der deutschen Energiewende. Trotz ihrer Bedeutung gibt es Widerstände und Kritik, die oft auf übertriebenen oder falschen Behauptungen beruhen. Ein häufig genannter Kritikpunkt ist der vermeintlich enorme Materialbedarf für die Fundamente der Windenergieanlagen. Diese Zahlen sind jedoch meist stark übertrieben.

Die übertriebene Behauptung

In sozialen Netzwerken wird behauptet, dass für das Fundament einer Windenergieanlage rund 1000 Kubikmeter Erde, 3500 Tonnen Stahl und 1300 Kubikmeter Beton benötigt werden. Diese Zahlen implizieren, dass für eine einzige Windkraftanlage mehr als 100 LKW-Ladungen Stahl in den Boden eingebracht werden. Solche Darstellungen werden verwendet, um die Umweltfreundlichkeit von Windkraftanlagen infrage zu stellen.

Falsche Zahlen: Für das Fundament einer Windenergieanlage werden 100 bis 200 Tonnen Stahl benötigt - Screenshot der Behauptung aus den sozialen Medien
Screenshot der Behauptung auf TikTok (hier archiviert)

Bewertung

Die genannten Zahlen sind stark übertrieben. Je nach Anlagentyp und Standort liegt der tatsächliche Stahlbedarf für das Fundament einer Windkraftanlage zwischen 100 und 200 Tonnen. Diese Mengen sind deutlich geringer als behauptet und widerlegen die verbreiteten Gerüchte.

Die Fakten

Jede Windenergieanlage benötigt ein stabiles Fundament, um sicher im Boden verankert zu sein. Diese Fundamente bestehen hauptsächlich aus Stahl und Beton, wobei der Materialbedarf je nach Anlagengröße und Bodenbeschaffenheit variiert. Ein konkretes Beispiel ist der Windpark Greiner Eck, wo eine 135 Meter hohe Anlage vom Typ Enercon E-115 auf einem Fundament aus rund 100 Tonnen Stahl steht.

Die Behauptung, dass pro Fundament 1300 Kubikmeter Beton und 3500 Tonnen Stahl benötigt werden, ist stark übertrieben. Bei einem Gewicht von 2,5 Tonnen pro Kubikmeter Stahlbeton ergeben die behaupteten 1300 Kubikmeter Beton ein Gesamtgewicht von 3250 Tonnen – deutlich weniger als die behaupteten 3500 Tonnen Stahl.

Zum Vergleich: Für die Fahrbahndecke einer sechsspurigen Autobahn werden pro Kilometer rund 9000 Kubikmeter Beton benötigt – genug, um mehr als zehn Windräder zu verankern.

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Selbst Windkraftkritiker wie die Initiative Pro Schurwald gehen von niedrigeren Werten aus. Sie nennen 180 Tonnen Stahl für die Fundamente.

Weiterführende Informationen

Die Industrie arbeitet kontinuierlich daran, den Materialbedarf für Fundamente zu reduzieren. So berichtete die Internetseite erneuerbareenergien.de bereits 2021 über einen Windpark in Thailand, bei dem 18 % weniger Beton und 9 % weniger Stahl verbaut wurden. Für die Fundamente der Anlagen vom Typ Vestas 136 mit einer Nabenhöhe von 157 Metern wurde ein Bedarf von 1166 Kubikmetern Beton und 122 Tonnen Stahl errechnet.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) gibt an, dass in einer durchschnittlichen Windenergieanlage mit einer Leistung von fünf Megawatt insgesamt zwischen 500 und 600 Tonnen Stahl verbaut werden. Für die Fundamente gängiger Anlagentypen nennt der BWE folgende Werte: Enercon E138 ca. 80 Tonnen Stahl, Nordex N149 ca. 150 Tonnen Stahl und Vestas V162 ca. 100 Tonnen Stahl.

Fazit zu den Fundamenten der Windanlagen

Die Aussage, dass für das Fundament einer Windenergieanlage 3500 Tonnen Stahl benötigt werden, ist stark übertrieben. Tatsächlich liegt der Bedarf je nach Anlagentyp und Standort zwischen 100 und 200 Tonnen. Fehlinformationen über den Materialbedarf von Windenergieanlagen sind weit verbreitet, können aber durch einen genauen Faktencheck widerlegt werden.

Quelle: dpa

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
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