Die Behauptung
Ein Screenshot eines „Gründungsvertrages“ der AfD aus dem Jahr 2013 soll beweisen, dass Angela Merkel an der Gründung der Partei beteiligt war.
Falsch
Das Dokument ist eine Fälschung und stammt ursprünglich aus einem Satireartikel des „Postillon“ aus dem Jahr 2016. Merkel hatte nachweislich nichts mit der Gründung der AfD zu tun.
Kurzer Überblick über die Fakten:
- Merkel und die AfD: Angela Merkel war nie an der Gründung der AfD beteiligt.
- Satire als Quelle: Der angebliche Vertrag stammt aus einem satirischen Artikel des „Postillon“.
- Kein Beweis: Der angebliche Text taucht in keiner offiziellen Satzung der AfD auf.
- CDU gegen AfD: Die CDU hat sich mehrfach deutlich von der AfD abgegrenzt.
Wie eine alte Satire als „Beweis“ für eine absurde Behauptung herhalten muss
Seit Jahren kursieren immer wieder irreführende Behauptungen über die AfD und ihre Ursprünge. Eine besonders skurrile Version geistert nun wieder durch die sozialen Medien: Angela Merkel selbst soll an der Gründung der Partei beteiligt gewesen sein. (Wir haben HIER und HIER darüber berichtet.) Als Beweis dient ein angeblicher Auszug aus dem „Gründungsvertrag“ der AfD – mit Merkels Unterschrift. Doch die Wahrheit ist weit weniger spektakulär.
Ein Blick auf die Fakten: Merkel war nie AfD-Gründerin
Angela Merkel, langjährige CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin von 2005 bis 2021, hatte mit der Gründung der AfD nichts zu tun. Tatsächlich wurde die Partei im Februar 2013 in Oberursel von einer Gruppe um Bernd Lucke, Alexander Gauland und anderen – vor allem unzufriedenen CDU- und FDP-Mitgliedern – gegründet.
Die Vermutung, Merkel sei daran beteiligt gewesen, beruht auf einem ganz anderen Umstand: Die AfD entstand als Reaktion auf ihre Politik, insbesondere auf ihre Euro-Rettungspolitik. Das heißt aber nicht, dass sie die Partei gegründet hat.
Satire-Artikel als Ursprung der Falschmeldung
Der Screenshot, der in den sozialen Netzwerken kursiert, stammt aus einem älteren Satire-Artikel des „Postillon“ aus dem Jahr 2016. Die Seite ist bekannt für humorvolle und satirische Beiträge, die häufig Politiker und politische Debatten aufs Korn nehmen.
Im FAQ-Bereich des „Postillon“ heißt es ausdrücklich
„Alles, was im Postillon steht, ist Satire und damit dreist gelogen.“
Damit ist eindeutig bewiesen: Der „Gründungsvertrag“ ist frei erfunden und entbehrt jeder realen Grundlage.
Woher kommt die Verwirrung?
Bereits 2016 nahmen einige Nutzer den Satire-Artikel für bare Münze. Auf der Facebook-Seite der damaligen AfD-Politikerin Frauke Petry wurde sogar gefragt, ob die Behauptung stimme. Das Social-Media-Team der Partei stellte jedoch klar, dass es sich um Satire handele.
Auch ein Blick in die offizielle Satzung der AfD aus dem Gründungsjahr 2013 widerlegt die Behauptung: Weder Merkels Name noch die angeblichen Formulierungen finden sich dort.
CDU und AfD: Klare Abgrenzung
Seit der Gründung der AfD hat sich die CDU immer wieder deutlich von der Partei abgegrenzt.
- Im Dezember 2018 beschloss der CDU-Parteitag offiziell, eine Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen.
- Im Februar 2020 hat das Parteipräsidium diese Position noch einmal bestätigt.
- Auch Friedrich Merz, Kanzlerkandidat der CDU für die Bundestagswahl 2025, erklärte noch im November 2024 im Bundestag:
„Weder bei der Festlegung der Tagesordnung noch bei Abstimmungen in der Sache wird es auch nur ein einziges Mal eine zufällige oder tatsächlich herbeigeführte Mehrheit mit der AfD geben.“
Dies zeigt deutlich: Ein Zusammenhang zwischen Merkel und der Gründung der AfD ist nicht nur falsch, sondern widerspricht auch den politischen Realitäten der letzten Jahre.
Fazit zur gefälschten Merkel-Unterschrift
Die Behauptung, Angela Merkel habe die AfD mitgegründet, basiert auf einem alten Satire-Artikel und entbehrt jeder Grundlage. Der kursierende Screenshot ist keine offizielle Quelle, sondern ein Scherz aus dem Jahr 2016. Dies zeigt einmal mehr, wie leicht Satire von manchen als „Wahrheit“ verbreitet wird – sei es aus Unwissenheit oder gezielter Desinformation.
Fakt bleibt: Angela Merkel war nie an der Gründung der AfD beteiligt.
Quelle: DPA
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