„Gleiche Mädchen“ in Gaza-Videos: Falschbehauptung entlarvt

Ein viraler Videovergleich behauptet, dass dasselbe Mädchen in zwei unterschiedlichen Gaza-Szenen auftaucht. Die Unterstellung: Die Szenen seien inszeniert.

Die Behauptung

Ein virales Posting auf der Plattform X vom 16. Mai 2025 zeigt zwei Videos: In einem sieht man ein Mädchen, das in einer chaotischen Szene an einer Essensausgabe in Gaza nach Essen greift. Im zweiten sitzt ein ähnlich aussehendes Mädchen weinend im Auto eines Reporters nach einem Bombenangriff. Der Account @GAZAWOOD1 behauptet, es sei das gleiche Mädchen und die Szenen seien gestellt.

Aufgestellt von: Social Media

Falsch

Falsch. Eine genaue Bildanalyse zeigt: Die Mädchen in den beiden Videos sind nicht dieselben. Besonders markant ist der Unterschied bei den Zähnen. Die Behauptung basiert auf einer oberflächlichen Ähnlichkeit und entbehrt jeder faktischen Grundlage.

Kurze Faktenübersicht:

  • Zwei unterschiedliche Fotografen: Doaa Albaz und Mahmoud Abu Salama
  • Deutlicher Unterschied im Zahnbild der Mädchen
  • Videoverbreitung durch ein israelisches Anti-Gaza-Profil
  • Keine Beweise für Inszenierung oder Doppelnutzung
→Wie wird Desinformation in Konflikten eingesetzt? Antworten finden Sie im Leitfaden Krieg & Konflikt-Desinformation.

Ursprung der Inszenierungsbehauptung im Gaza-Kontext

Am 16. Mai 2025 veröffentlichte der Account @GAZAWOOD1 auf X einen Split-Screen-Beitrag mit zwei Videos. Der Account, der sich laut Beschreibung mit der „Enthüllung inszenierter Medien in Konflikten“ beschäftigt, hat über 76.000 Follower. In dem Video wird suggeriert, dass in Gaza identische Kinder mehrfach in unterschiedlichen Krisenszenarien auftreten. Diese Narrative bedienen ein seit Jahren verbreitetes Propagandamotiv: die sogenannte „Pallywood„-Theorie, wonach Palästinenser angeblich Szenen für Medien inszenieren. Solche Behauptungen werden jedoch regelmäßig entkräftet.

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Die Videos zeigen zwei unterschiedliche Szenen: Eine an einer Essensausgabe in Khan Younis im Süden Gazas und eine weitere nach einem Luftangriff in Beit Lahia im Norden. Die Behauptung wurde schnell tausendfach geteilt und hat über 640.000 Aufrufe generiert.

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Mehr Informationen

Der Text in Übersetzung:

GAZAWOOD – die PALLYWOOD-Saga
@GAZAWOOD1
🔥Eine neue Szene aus dem Gazastreifen geht gerade viral – und sie sollte aufhorchen lassen.
Warum eigentlich?
☑️ Die Kinder können in anderen dubiosen Clips auftauchen
☑️ Ein Junge macht ein „Souvenir-Foto“ über einer Leiche
☑️ Die ganze Sache macht einfach keinen Sinn.

Übersetzung mit DeepL

      Wer sind die Urheber der Gaza-Videos wirklich?

      Das Video von der Essensausgabe wurde von Doaa Albaz gedreht, einer palästinensischen Fotografin aus dem Nuseirat-Flüchtlingslager, derzeit in Khan Younis. Ihre Arbeit wurde unter anderem von +972 Magazine und der Anadolu Agency veröffentlicht. Die Szenen wurden am 2. Mai 2025 aufgenommen, eine weitere Ergänzung am 9. Mai. Ihre Aufnahmen zeigen eindeutig ein Mädchen mit einem abgebrochenen Schneidezahn.

      Das zweite Video wurde von Mahmoud Abu Salama, Reporter bei Al Ghad TV, aufgenommen. Es zeigt Kinder, die nach einem Luftangriff evakuiert werden. Veröffentlicht wurde das Material am 16. Mai 2025 auf Instagram. Die Szene stammt aus Beit Lahia im Norden.

      Beide Journalist:innen veröffentlichen regelmäßig authentische Inhalte aus Gaza und gelten als glaubwürdige Quellen.

      Zahnvergleich entlarvt die Falschbehauptung

      Eine genaue Bildanalyse der Videos widerlegt die Behauptung klar: Die ältere der beiden angeblich identischen Mädchen zeigt in der Suppenküche einen deutlich abgebrochenen Schneidezahn. Diese Zahnlücke ist in der Autoszene nicht vorhanden. Zudem zeigt sich ein Unterschied in der Zahnstellung.

      Auch die Nasenform scheint unterschiedlich, obwohl hier wegen der Kamerawinkel keine abschließende Analyse möglich ist. Bei der jüngeren Begleitperson im Auto ist die Analyse schwieriger; allerdings gibt es kein aussagekräftiges Bildmaterial, das eine Identität mit einem anderen Kind aus dem Suppenküchenvideo belegen würde.

      Die Bildvergleiche stammen aus mehreren Instagram-Posts von Doaa Albaz vom 2. und 9. Mai sowie von Mahmoud Abu Salamas Beitrag vom 16. Mai.

      Expertensicht und Medienanalysen bestätigen Echtheit

      Fachleute für visuelle Forensik bestätigen, dass die Videos unterschiedliche Kinder zeigen. Die israelische Plattform +972 und internationale Medien wie Al Jazeera veröffentlichten Materialien der Fotograf:innen mit ähnlicher Bewertung. Es gibt keine Hinweise, dass Albaz oder Abu Salama gefälschte oder inszenierte Inhalte verbreiten.

      Zudem sprechen die zeitlichen Abläufe gegen eine Inszenierung: Die Videos wurden an unterschiedlichen Tagen und in weit voneinander entfernten Gebieten aufgenommen. Eine logistische Inszenierung erscheint unter den gegebenen Bedingungen in Gaza unmöglich.

      Chronologie der Ereignisse

      DatumEreignis
      2. Mai 2025Doaa Albaz veröffentlicht Video von Essensausgabe
      9. Mai 2025Weitere Aufnahme der gleichen Szene durch Albaz
      16. Mai 2025Mahmoud Abu Salama veröffentlicht Auto-Szene
      16. Mai 2025@GAZAWOOD1 postet Behauptung mit Videovergleich

      FAQ zur Behauptung

      War das Mädchen in beiden Videos wirklich dasselbe?

      Nein. Die Unterschiede in Zahnstruktur und anderen Merkmalen belegen, dass es sich um unterschiedliche Kinder handelt.

      Gibt es Hinweise auf Inszenierungen in Gaza-Videos?

      Für diese Videos gibt es keinerlei Hinweise auf Inszenierung. Die Journalist:innen gelten als seriös und dokumentieren reale Zustände.

      Wer verbreitet die „Pallywood“-Theorie?

      Diese Narrative wird häufig von israelnahen Accounts verbreitet, um palästinensische Berichte zu delegitimieren. @GAZAWOOD1 ist einer dieser Accounts.

      Wie kann man solche Fakes erkennen?

      Durch Bildvergleiche, Prüfung der Quelle und Einordnung durch journalistische Standards. Zahndetails und Hintergründe wie Ort und Zeit sind entscheidend.

      Warum ist visuelle Forensik wichtig?

      Sie erlaubt unabhängige Prüfungen von Medieninhalten. Gerade in Krisengebieten ist das essenziell gegen Desinformation.

      Fazit zum Thema

      Die Behauptung, dass dasselbe Mädchen in zwei unterschiedlichen Gaza-Videos zu sehen sei, ist widerlegt. Die Unterschiede im Zahnbild und die Analyse der Quellen sprechen klar gegen eine Inszenierung. Solche Fake-Narrative dienen der Delegitimierung authentischer Kriegsberichterstattung.

      Quelle: spotlight.ebu.ch

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