Die Behauptung
In sozialen Netzwerken wird behauptet, der Oberste Gerichtshof der USA habe entschieden, dass Covid-19-Impfstoffe „keine Impfstoffe“ seien. Robert F. Kennedy Jr., heutiger US-Gesundheitsminister, habe einen Prozess „gegen alle Pharma-Lobbyisten“ gewonnen. Zudem heißt es, das Gericht habe festgestellt, Schäden durch „mRNA-Gentherapien“ seien „irreparabel“.
Aufgestellt von: Soziale Medien
Falsch
Ein solches Urteil existiert nicht. In der öffentlich zugänglichen Datenbank des Obersten Gerichtshofs der USA findet sich keine Entscheidung zu Covid‑19‑Impfstoffen mit Beteiligung von Robert F. Kennedy Jr. Die Behauptung kursiert seit Jahren und wurde bereits frühzeitig als erfunden zurückgewiesen.
Analyse – Die Fakten dahinter
Die Behauptung über ein angeblich „wegweisendes Urteil“ ist nicht neu, und sie ist falsch.
Kein entsprechendes Urteil auffindbar
Alle Entscheidungen und anhängigen Verfahren des Obersten Gerichtshofs der USA sind öffentlich einsehbar. Eine Suche nach einschlägigen Begriffen wie „Covid“, „vaccine“ oder „Coronavirus“ liefert kein Urteil, in dem Covid‑19‑Impfstoffe als „keine Impfstoffe“ eingestuft würden.
Robert F. Kennedy Jr. war an keinem solchen Verfahren beteiligt
Auch eine gezielte Suche nach dem Namen von Robert F. Kennedy Jr. ergibt kein passendes Verfahren. Sein Name taucht lediglich in zwei Petitionen aus den Jahren 2004 und 2010 auf, lange vor dem Auftreten von Covid‑19. Beide Anträge wurden abgelehnt.
Ende 2024 reichte Kennedy zudem eine Klage ein, nachdem ein Gericht ihn nicht vom Wahlzettel im Bundesstaat Michigan gestrichen hatte, obwohl er seine Präsidentschaftskandidatur zurückgezogen hatte. Auch dieses Verfahren hatte keinen Erfolg und steht in keinem Zusammenhang mit Impfstoffen.
Kennedy selbst bestätigte bereits 2021 gegenüber US‑amerikanischen Faktenprüfern, dass die ihm zugeschriebene Beteiligung an einem solchen Supreme‑Court‑Urteil frei erfunden ist.
Die Falschmeldung ist nicht neu
Die Behauptung kursiert seit mehreren Jahren in wechselnden Formulierungen. Ihr Kern bleibt gleich: ein angebliches Urteil, das es nie gegeben hat. Dass sie immer wieder neu verbreitet wird, ändert nichts an der fehlenden faktischen Grundlage.
Einordnung zu Impfstoffen
Unabhängig vom erfundenen Gerichtsurteil ist auch die inhaltliche Aussage unzutreffend. Covid‑19‑Impfstoffe gelten nach den geltenden medizinischen und rechtlichen Definitionen als Impfstoffe. In Europa wird ihre Sicherheit fortlaufend von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) überwacht. In regelmäßig veröffentlichten Sicherheitsberichten kommt die Behörde zu dem Ergebnis, dass der Nutzen der Impfungen die Risiken möglicher Nebenwirkungen deutlich überwiegt.
Wirkung & Mechanismus
Die Behauptung entfaltet Wirkung, weil sie eine scheinbar höchste juristische Autorität – den Obersten Gerichtshof – mit einem endgültig klingenden Urteil verknüpft. Komplexe medizinische Fragen werden so auf eine einfache, aber falsche Aussage reduziert. Die wiederholte Verknüpfung mit dem Namen Robert F. Kennedy Jr. verstärkt die Verbreitung, da er seit Jahren als prominenter Impfkritiker bekannt ist.
Fazit
Der Oberste Gerichtshof der USA hat nie entschieden, dass Covid‑19‑Impfstoffe keine Impfstoffe seien. Ein entsprechender Prozess unter Beteiligung von Robert F. Kennedy Jr. hat nicht stattgefunden.
Faktenbarometer
❌ Falsch – Das behauptete Supreme‑Court‑Urteil existiert nicht. Die Geschichte ist jahrealte Desinformation ohne belegbare Grundlage.
Quelle:
Angebliches Urteil des Obersten US-Gerichts existiert nicht | dpa factchecking
Covid-Impfstoffe: Gerüchte um das Urteil des Obersten Gerichtshofs | MIMIKAMA
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