50 Euro Demogeld am 31. Oktober? Das Bundesamt ist erfunden

Ein vermeintlicher Behördenbrief kündigt 50 Euro für die Teilnahme an Demonstrationen am 31. Oktober 2026 an. Er greift eine alte Demogeld-Erzählung auf.

Die Behauptung

Ein Bundesamt aus Deutschland kündigte für Demonstrationen am 31. Oktober 2026 ein auf 50 Euro pro Person gekürztes Demogeld an.

Falsch

Falsch. Das Schreiben stammt von keiner echten Behörde. Das genannte Bundesamt aus Deutschland ist erfunden; der Brief belegt weder ein staatliches Demogeld noch dessen Kürzung.

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Die im Brief angeführte Adresse und Telefonnummer gehören zum Bundesinnenministerium in Bonn. Als Absender steht darüber jedoch ein erfundenes „Bundesamt für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung“. Die übernommenen Kontaktdaten machen das Schreiben nicht zu einer amtlichen Mitteilung.

Das auf den 22. Oktober 2026 datierte Dokument behauptet, für bundesweite Demonstrationen am 31. Oktober werde ein Teilnahmegeld ausgezahlt. Wegen angeblicher Haushaltseinsparungen sei der sonst übliche Betrag auf 50 Euro pro Person reduziert worden. Ein uns übermittelter Facebook-Screenshot zeigt, dass das Schreiben auch in einer politischen Gruppe geteilt wird.

Gefälschtes Schreiben eines erfundenen Bundesamtes mit der Behauptung, am 31. Oktober 2026 würden 50 Euro Demogeld ausgezahlt.
Dieses Schreiben ist keine amtliche Mitteilung. Es verspricht 50 Euro für die Teilnahme an Demonstrationen und verwendet dafür den Namen einer erfundenen Behörde. Quelle: der Redaktion übermittelte Bilddatei.

Die Kontaktdaten führen zum Innenministerium

Im Briefkopf stehen die Graurheindorfer Straße 198 in Bonn und die Telefonnummer 0228 99 681-0. Beides führt zum Bonner Dienstsitz des Bundesinnenministeriums. Das lässt sich auf der Webseite der Bundesregierung nachprüfen. Dort wird das Ministerium als zuständige Stelle genannt, kein Bundesamt mit dem Namen aus dem Schreiben.

Auch die Übersicht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages über Behörden, Stiftungen und Unternehmen des Bundes enthält dieses angebliche Amt nicht. Die Übersicht stammt vom 13. November 2024 und ist daher ein ergänzender Abgleich, kein aktuelles Behördenverzeichnis. Der Brief selbst liefert keinen überprüfbaren Nachweis für die behauptete Auszahlung: Weitere Informationen sollen erst später auf den vermeintlichen offiziellen Seiten erscheinen.

Erfundene Antifa-Abrechnungen kennen wir seit Jahren

Die Geschichte vom bezahlten Protest taucht bei Mimikama seit Jahren in unterschiedlichen Varianten auf. Bereits 2020 prüften wir einen gefälschten Brief zu angeblichen Reisekosten der „Antifa UG“. Im selben Jahr erklärten wir eine erfundene Monatsabrechnung, die Zahlungen für gegen die AfD gerichtete Twitter-Hashtags vorspiegelte.

Bei einem weiteren Schreiben der angeblichen „Antifa UG“ führten die verwendeten Anschriften zu US-Generalkonsulaten. Das ist eine Parallele zum aktuellen Brief: Eine tatsächlich existierende Adresse wird unter einen erfundenen Absender gesetzt und soll dem Dokument Glaubwürdigkeit verleihen.

Daneben gibt es ausdrücklich satirische Projekte. Die Webseite „berufsdemonstrant.de“ ist ein solches Beispiel. Auch den Facebook-Auftritt „Antifa Germany GmbH“ haben wir als Satire- und Trollprojekt eingeordnet. Diese früheren Fälle erklären das wiederkehrende Muster; sie belegen keine Verbindung ihrer Urheber zum aktuellen Schreiben.

Wer den Brief teilt, sollte deshalb die Fälschung klar benennen. Die Formulierung, das Demogeld werde „gekürzt“, setzt eine bisherige Auszahlung bereits als Tatsache voraus. Einen Beleg dafür liefert das Dokument ebenso wenig wie für die angekündigten 50 Euro.

Quellen

BEHÖRDE
Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste
13. November 2024
FAKTENCHECK
FAKTENCHECK
BEHÖRDE

MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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