Faktencheck

Ausgestopftes Rind „Anton“ in Supermarkt: inzwischen entfernt

Ein Rindvieh sorgte für einen Shitstorm. Und die Marketingabteilung sollte auch kritisiert werden.

Walter Feichtinger

Die Behauptung

Ein deutscher Supermarkt macht mit dem ausgestopften Rind „Anton“ Werbung für Leberwurst aus regionaler Produktion

Unser Fazit

Die Bilder sind echt und stammen aus dem brandenburgischen Hennigsdorf. Bullenkalb „Anton“ wurde inzwischen entfernt.

Ein echtes, ausgestopftes Rind in der Lebensmittelabteilung eines Supermarktes? Das kann nur schiefgehen. Eine Kundin fotografierte die Szene und stellte auf sie Instagram (Posting inzwischen gelöscht), ein richtiger Shitstorm entwickelte sich aber erst, als die Bilder auch noch auf Twitter geteilt wurden:

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Ein Rindvieh sorgt für einen Shitstorm

Nicht nur bei vielen Veganern kam die Aktion gar nicht gut an. „Also das hätte ich sogar zu den Zeiten grässlich gefunden, als ich noch selber Fleisch gegessen hab“, lautet einer der Kommentare unter dem Twitterposting. „Also im Naturkundemuseum erwarte ich ja sowas (bzw. rechne ich damit). Aber das ist ja gruselig“, schrieb ein anderer Nutzer. Andere waren weniger beeindruckt: „Tote Tiere sind normal“. Auch die Tierschutzorganisation Peta verfasste eine Pressemeldung:

Es ist absolut zynisch, die Leiche eines fühlenden Lebewesens zu präparieren und sie als vermeintliche Dekoration zwischen tierischen Produkten wie Leberwurst aufzustellen. Für diese Produkte wurden wiederum unzählige Artgenossen von Anton gequält und gnadenlos getötet. Angesichts dieser geschmacklosen Leichenschändung schlagen wir vor, das Dekor des Supermarkts etwas realistischer zu gestalten: Man sollte eine Nachbildung eines Rinds an einem eisernen Haken von der Decke hängen, den Boden mit literweise Kunstblut, Kot sowie Urin fluten und die Wurstwaren mit Gedärmen verzieren.

Bettina Eick, Fachreferentin für Ernährung

Was hat der Supermarkt dazu zu sagen?

Der Supermarkt verteidigte die Werbeaktion gegenüber der dpa: „Bei dem Rindermodell handelt es sich um ein Ausstellungsstück eines regionalen landwirtschaftlichen Betriebs (mit freilaufenden Rindern) aus Brandenburg, mit dem im Rahmen einer Aktion auf die Produkte des Lieferanten hingewiesen werden sollte. […] Bisher wurde das von unseren Kunden durchaus positiv aufgenommen.“ Auch wenn die Aktion von Kunden „durchaus positiv“ aufgenommen worden sein soll, so wurde das ausgestopfte Bullenkalb bereits entfernt: „Der landwirtschaftliche Betrieb hat das Modell bereits abgeholt“, zitiert die FAZ eine Unternehmenssprecherin.

Mehr als zynisch klingt es, wenn dieselbe Supermarktkette im „Veganuary“ mit der Aktion „Veginner“ neue Kunden gewinnen möchte:

Vegane Ernährung ist bunt, vielfältig und lecker: Wie schon im letzten Jahr begleiten wir Sie durch den weltweit bekannten Veganuary mit unserer #VEGINNER Aktion im Januar. Als #VEGINNER oder Vollblut-Veganer:innen erhalten Sie hier Rezepte, wertvolle Tipps und Tricks sowie vegane Wochenpläne.

Werbetext von der Unternehmensseite

Fazit: Echtes Rind. Echte Fotos. Echter Shitstorm.

Mimikama-Bewertung: WAHR

Quellen: FAZ, Peta, Edeka, Twitter

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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