Faktencheck

Karussellautos werden nicht in Osnabrück verboten!

Ein Politiker mokiert sich auf Facebook und Telegram darüber, dass in Osnabrück augenscheinlich nun Karussellautos, Matchbox-Autos und Bobbycars verboten werden. Doch tatsächlich verbreitet der selbsternannte Absolvent der „hohen Schule des Lebens“ nur einen alten Satireartikel.

Ralf Nowotny

Die Behauptung

Es wird behauptet, dass in Osnabrück nun Karussellautos, Matchbox-Autos und Bobbycars verboten werden.

Unser Fazit

Der abfotografierte Zeitungsartikel gehört zu einer jährlichen Tradition der Neuen Osnabrücker Zeitung und stammt bereits von Ende 2018. In der Rubrik „Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei“ werden lokale Inhalte aufgegriffen und satirisch weitergesponnen. Es gibt also kein Verbot von Karussellautos!

Es ist eine herrliche Zeit, sich über Autogegner aufzuregen, da diese ja schließlich Glasscheiben vor Gemälden mit Suppe bewarfen und sich aktuell auf Straßen kleben. Da passt einem Politiker eine alte Zeitungsmeldung perfekt, in der steht, dass in Osnabrück Karussellautos, Matchbox-Autos und Bobbycars verboten werden. Wunderbarer Aufreger!
Das Problem nur: Der Satireartikel ist seit Jahren bekannt.

Die Behauptung

In einem abfotografierten Zeitungsartikel ist unter der Überschrift „Karussellautos sind jetzt tabu“ zu lesen, dass in Osnabrück ab dem 1. Januar 2019 nur noch Modelle von Fahrrädern, Nutztieren, Kutschen sowie Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs auf Karussells genehmigungsfähig sind.

Geplant sei auch noch ein generelles Verkaufsverbot für Matchbox-Autos und Bobbycars, aber da dies gegen mehrere Landes- und Bundesgesetze verstoße, könne dies derzeit nicht umgesetzt werden.

Der Zeitungsartikel auf Facebook
Der Zeitungsartikel auf Facebook (Satire-Wasserzeichen von uns)

Weiter wird berichtet, dass der „motorisierte Individualverkehr“ ein Konzept von vorgestern sei. Kinder könnten das Fahren eines klimaschädlichen Rennautos oder die Ausbeutung von Wildtieren als positiv empfinden. Zudem soll die Tierrechtsorganisation Peta fordern, dass auch Pferde, Hunde oder Kamele von Karussells entfernt werden.

Die Behauptung wurde dann natürlich ebenfalls auf Telegram verbreitet.

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Wie so oft: Das komplette Bild ist wichtig!

Und dies ist hier sogar wörtlich gemeint, denn im Januar 2019, als das Foto erstmals verbreitet wurde, gab es auch genug LeserInnen, die nicht nur den einen Artikel, sondern die komplette Zeitungsseite fotografierten – und dort findet sich auch ein Hinweis, in welchem Rahmen der Artikel entstand:

Der Artikel [1] und ein Hinweis [2]
Der Artikel [1] und ein Hinweis [2]

Unter der großen Überschrift „Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei“ finden sich noch andere skurrile Artikel: So soll im Landgericht nun Bandenwerbung erlaubt sein und im Osnabrücker Vorstand soll nun ein Roboter namens Luna Pepper sitzen. Ihr merkt, worauf es hinausläuft?

Eine jährliche Satire der Neuen Osnabrücker Zeitung

Bei „Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei“ handelt es sich um ein Satireformat der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Zeitung erklärt in einem Artikel selbst (siehe HIER), dass sie die „Silvesterpunsch“-Artikel extra nicht online veröffentlichen, damit diese nicht für Falschbehauptungen missbraucht werden – was dann allerdings durch das Foto trotzdem geschah.

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Dabei handelt es sich um ein Satireformat, das – ähnlich dem Portal „Postillon“ – viel diskutierte Nachrichten aufgreift und weiterspinnt – nur mit lokalen Inhalten. „Wir setzen uns zusammen und überlegen, welche Ereignisse sich besonders dafür eignen, sie überspitzt weiterzudrehen“, erklärt Rainer Lahmann-Lammert, Redakteur der Neuen OZ, der die Satireseite seit Jahrzehnten koordiniert. „Die Karussellgeschichte hielt ich für dermaßen dick aufgetragen. Dass gerade die nun so weite Kreise zieht, spricht fast für sich.“

Quelle: NOZ

Fazit

Mimikama-Bewertung: SATIRE

Man sollte also gut aufpassen, was in bestimmten Kreisen verbreitet wird, denn allzu häufig ist eine aufgeplusterte Empörung nichts anderes als mehrere Jahre alte Satire, die nur dazu missbraucht wird, um Stimmung gegen die politischen Gegner zu verbreiten.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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