Und auf einmal meldet sich ein Betrüger direkt bei Mimikama.

Wenn Schwerkranke auf Facebook ihr Geld verschenken wollen, dann kann man sich sicher sein, dass dahinter eine Betrugsmasche steckt!

Immer wieder tauchen sie unverblümt in Facebook-Gruppen auf oder sie schreiben dich, so wie auch gerade uns selbst, über den Facebook-Messenger an: Schwerkranke Menschen, die bald sterben werden und sich nichts Sehnlicher wünschen, als ihr Vermögen an einen zufälligen Facebooknutzer zu verschenken. Sowas kommt ja ständig vor!!111!!

Hier ein aktuelles Beispiel von jemandem, der sich, nennen wir es mal so: verlaufen hat und bei der richtigen Stelle gelandet ist 🙂 Gerne hätten wir die Reaktion gesehen, als diese Person unsere automatische Antwort sofort bekommen hat.

Screenshot: Facebook-Messenger / Seiten
Screenshot: Facebook-Messenger / Seiten

Die Nachricht im Wortlaut:

Hallo
Entschuldigung für die Kontaktaufnahme,
Ich teile diese Informationen auf diese Weise, weil ich mein Eigentum spenden möchte. Anscheinend habe ich Hirntumor im Endstadium, mein Arzt hat mir mitgeteilt, dass meine Tage gezählt sind. Ich habe vor, mein ganzes Vermögen zu spenden, ich habe bereits einen Teil meines Vermögens an ein Waisenhaus und eine Kirche gegeben. Ich möchte einen Teil meines Vermögens spenden, das auf 150.000 £ geschätzt wird. Ich suche jemanden, der mein Eigentum erben kann. Wenn Sie interessiert sind, können Sie mich über diese E-Mail kontaktieren.
Vielen Dank.

Die Profile, die solche Texte in Facebook-Gruppen oder über den Messenger schreiben, sind entweder neu oder wurden „gekapert“. Das geschieht beispielsweise, wenn man auf einer gefälschten Seite seine Facebook-Logindaten eingibt, wodurch Betrüger dann die Login-Daten der Accounts besitzen.

Dieses Profil macht gerade die Runde auf Facebook!

Dieses Profil war aber nicht nur bei uns unterwegs, sondern auch in einer Griechischen Facebook-Gruppe, wo er seinen Beitrag sogar auf Griechisch hinterlassen hatte:

Screenshot: Facebook-Gruppe
Screenshot: Facebook-Gruppe

Oder in dieser Facebook-Gruppe versuchte er es mit einer weiteren Variante, und zwar mit Kreditbetrug. Auch über dieses Thema haben wir schon HIER berichtet

Screenshot: Facebook-Gruppe
Screenshot: Facebook-Gruppe

Was geschieht bei Annahme eines solchen Angebotes?

Nimmt man nun ein solches Angebot an, bekommt man recht schnell ein amtlich wirkendes Dokument zugesandt. Das Aussehen jener Dokumente variiert stark, doch enthalten sie immer einen bestimmten Punkt: Man soll zahlen!

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Um an das Geld zu kommen, muss man einen angeblichen Anwalt kontaktieren, der einem ein Pseudo-Dokument zukommen lässt. In diesem steht dann, dass man eine bestimmte Summe in Höhe von mehreren Hundert Euro auf ein Konto (zumeist im Ausland) als Sicherheits- oder Verwaltungskosten überweisen müsse.

Es handelt sich dabei aber um sogenannten Vorschussbetrug: Nach der Überweisung hört man nie wieder etwas von jenem Anwalt oder der schwer kranken Frau. Die Profile verschwinden wieder von Facebook, die E-Mail-Adresse wird zumeist gelöscht, das Geld ist futsch.

Dahinter steckt Vorschussbetrug!

Wie auch beim Romance Scam, ist die Story der Frau nur ein Vorwand, um Gefühle beim Leser auszulösen und diesen emotional zu verhaften. Es soll der Eindruck erweckt werden, dass die Frau tatsächlich nur mehr wenige Wochen zu leben hat. Geht das Opfer dann auf das Geldangebot ein, entpuppt sich das Angebot als Forderung. Bald schon würden Gebühren fällig werden oder andere Verbindlichkeiten entstehen, die das Opfer vorab berappen soll. Bei solchen Nachrichten, wie oben gezeigt, handelt es sich zu 99,9% um diese Art Vorschussbetrug. Diese Art Betrug gibt es schon sehr lange. Die Angebote werden via E-Mail oder über soziale Netzwerke verschickt.

Das Muster

Diese Nachrichten variieren, sind aber in diversen Punkten immer gleich:

  • Eine zumeist sehr religiöse Person.
  • Unheilbar krank, die Tumore variieren.
  • Nur noch wenige Tage bis Wochen zu leben.
  • Ein hoher Betrag wird verschenkt.
  • Kontakt nur über den „Anwalt“ möglich.

Die Reaktion

Glaubt man nun tatsächlich, dass da jemand einfach so hohe Geldsummen zu verschenken hat, wird man um nähere Informationen über die eigene Person gebeten, wie…

1. Your Full Name
2. Address and Direct Telephone #
3. Age, Occupation and Marital Status

a copy of your ID in return to commence the transaction in earnest

Die Betrüger wollen also Name, Adresse, Telefonnummer, Alter, Beschäftigungsverhältnis, Familienstand und sogar die Kopie des Ausweises haben!
Unnötig zu erwähnen, dass man mit diesen Angaben ein vorzügliches Opfer weiterer Betrügereien werden kann (z.B. Ledig = Ziel für Romance Scammer) und man durch die Ausweiskopie schnell Opfer von Identitätsdiebstahl wird.

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Als Nächstes soll man dann eine „Transaktionsgebühr“ oder Ähnliches an eine ausländische Bank zahlen, damit das Geld überwiesen werden kann.
Allerdings bekommt man nie das versprochene Erbe, denn dies ist jetzt der Kernpunkt „Vorschussbetrug“.

Welche Merkmale, zum Thema Vorschussbetrug, haben solche Betrüger?

Eine ganz genaue Beschreibung ist leider nicht möglich, da diese Kriminellen äußerst kreativ vorgehen und sich natürlich auch den Gegebenheiten anpassen. Jedoch gibt es einige Grundkriterien, auf die man achten kann, um sich zu schützen: Die Betrüger sind angeblich:

  • etwa im Alter des Opfers
  • beruflich eher im mittleren Management tätig
  • geschieden, aber wesentlich öfter verwitwet. Ihre Kinder sind entweder ebenfalls verstorben oder müssen von dem Mann vorgeblich alleine versorgt werden.
  • Das Facebook-Profil ist nicht besonders informativ; es gibt keine sichtbaren Postings.
  • Die Betrüger geben sich auffallend empathisch.

So gehen die Kriminellen bei einem Vorschussbetrug vor:

  • Erstkontakt via Nachricht. Die gesamte Kommunikation erfolgt meist auf Englisch.
  • Profilbild: nicht unattraktiv, aber auch kein „Adonis“. Bei angeblichen Erbschaften sehr betagte, liebenswürdige Menschen
  • Berichtartiger Lebenslauf, z. B. „Meine Eltern starben bei einem Unfall, meine Frau bei der Geburt unseres Kindes.“
  • Ausfragen des anvisierten Opfers (= Suche nach Schwächen)
  • Liebesschwüre, die kein realer Mann nüchtern über die Lippen bringen würde.
  • Es tritt ein unvermitteltes Ereignis auf, z. B. „Piraten kommen“ (= skurrilste Version). Oft ist die Geschichte aber in sich schlüssig – als Begründung für eine daraus folgende Notlage.
  • Bitte um finanzielle Leihgabe (Betrag im vierstelligen Eurobereich) unter Einsatz von massivem, emotionalem Druck und unter Vorlage sog. „Beweise“ als Datei.
  • Nach Gelderhalt – Geld weg. Unbekannter Verehrer natürlich auch oder frühzeitig verstorben – und kein Anrecht mehr auf das Erbe.
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Was kann ich tun, wenn mir so jemand schreibt?

Leider handelt es sich bei dieser Form von Betrug rechtlich gesehen um eine Art „Graubereich“.

Der Schaden, den ein solcher Betrüger anrichten kann, ist bedauerlicherweise in der Praxis bis dato kaum behebbar. Darum sollte man seine potentiellen Internet-Bekanntschaften ganz genau unter die Lupe nehmen.

  • Gebt nicht zu viele Informationen von euch preis.
  • Nehmt suspekte Freundschaftsanfragen nicht an.
  • Falls es schon passiert ist: Eigene Kontakte verbergen.
  • Vorsicht mit Informationen über die eigene Person: Seine Ängste, Träume, familiäre Situation und dgl. erzählt man doch auch sonst nicht jedem Wildfremden.
  • Misstrauen bei relativ schneller Anwendung von Kosenamen und dem Begriff „Liebe“ durch das unbekannte Gegenüber ist angebracht.
  • Für Mutige: Das Ganze abkürzen und entweder die eigene Ankunft ankündigen oder gleich fragen, wie viel Geld er denn bräuchte.
  • Für Vernünftige: Blockieren und zum Schutz anderer zukünftiger Opfer bei Facebook melden.

Fazit

Wir haben dem Anfragenden selbstverständlich geantwortet und ihn nun aufgeklärt! Und wieder würden wir gerne seine Reaktion sehen.

Antwort im Facebook-Messenger
Antwort im Facebook-Messenger

Passend zum Thema:

Facebook-Helpcenter: Wie du Betrug auf Facebook vermeidest

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)