Karl Lauterbach sagte, dass Bewegungsprotokolle von Handys vorliegen. Das stimmt, war aber auch nie ein Geheimnis und ist nichts Neues.
Mehrere Sharepics kursieren, auf denen Karl Lauterbach und ein Zitat von ihm abgebildet sind, wonach bekannt wäre, dass viele Leute sich entgegen der Pandemie-Maßnahmen abends privat treffen; dies wisse man aus den Bewegungsprotokollen der Handydaten.
Doch weder ist das eine große Neuigkeit, noch hat sich Lauterbach da „verplappert“, wie eine Partei behauptet.
Eine Auswahl der Sharepics:

Jene Partei ergänzt dazu noch, dass sie dachten, es würden keine Bewegungsprofile erstellt werden und bezieht sich damit auf die Corona-App (welche allerdings tatsächlich keine Bewegungsprofile erstellt).
Das Zitat ist echt
Karl Lauterbach sagte Folgendes wortwörtlich in einem Interview mit dem WDR (siehe HIER, ab Minute 3:08):
„Wir wissen, dass abends viele Treffen stattfinden, das wissen wir aus den Bewegungsprotokollen der Fahrzeuge, das wissen wir aus den Bewegungsprotokollen der Handydaten.“
Werden wir also heimlich überwacht? Verrät die Corona-App sogar, wo wir uns befinden und mit wem wir uns treffen? Hat sich da Karl Lauterbach wirklich „verplappert“?
Oder haben anscheinend einfach nur einige nicht mitbekommen, dass die Telekom schon seit über einem Jahr das RKI mit anonymisierten Massendaten unterstützt (siehe HIER)?
Die Bewegungsprotokolle der Handys – kein großes Geheimnis
Bereits im März 2020 berichteten unter anderem das Handelsblatt (siehe HIER), dass die Deutsche Telekom die Handydaten ihrer Nutzer dem Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung stellen wird. Diese Daten sind aggregiert und anonymisiert, so RKI-Präsident Lothar Wieler.
Auch die Telekom selbst berichtete am gleichen Tag darüber (siehe HIER).
Zudem sei es nicht möglich, aufgrund der übermittelten Daten die Bewegungsprofile für einzelne Personen zu erstellen, wie Datenschutz-Notizen (siehe HIER) berichtete, da mindestens 30 Datensätze zusammengefasst werden.
Vodafone erklärte sich zu einer Kooperation mit dem RKI bereit. Kritisiert wird das Vorgehen allerdings auch, so sei zu bedenken, dass durch eine Kombination verschiedener Datensätze die Identifizierung einzelner Personen auch trotz Anonymisierung möglich sein könnte, so Markus Beckedahl, Chefredakteur des Portals netzpolitik.org.
Auf der Seite des COVID-19 Mobility Project (siehe HIER) wird ebenfalls erklärt, wie Bewegungsströme aus Handyprotokollen anlaysiert werden und woher die Daten stammen.
Fazit
Karl Lauterbach plauderte da kein Geheimnis aus: Seit über einem Jahr werden Handyprotokolle an das RKI anonymisiert weitergegeben. Dies trifft allerdings nicht auf die Corona-App zu, wie andere vermuten: Deren Source Code liegt offen, sehr viele Experten schauen genau drauf, welche App die Daten übermittelt (siehe HIER).
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