Die Behauptung

Ein gefälschtes Video von Uğur Şahin behauptet, er habe sich nie impfen lassen und Biontech habe den Impfstoff nicht entwickelt.

Unser Fazit

Das gefälschte Video tauchte auf, jedoch ist es durch Vergleich mit dem Originalinterview deutlich, dass die Inhalte abweichen. Im Originalinterview betonte Şahin die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs und sprach nicht von fehlender Impfung.

Die Entdeckung eines manipulierten Videos, das den Gründer von Biontech in einem fragwürdigen Licht zeigt, wirft erneut die Frage auf: Wie können wir im Zeitalter der Desinformation der Wahrheit trauen? Wir bedanken uns an dieser Stelle bei unserer Facebook-Community, die uns das Video zur Überprüfung zugesandt hat,

Die Entstehung des Fakes mit dem Chef von Biontech

Es schien wie eine Bombe: Plötzlich tauchte in den sozialen Netzwerken ein Video auf, in dem Uğur Şahin, Chef von Biontech, beiläufig behauptete, er habe sich nie impfen lassen und Biontech habe den Impfstoff gar nicht entwickelt. Das Video verbreitete sich schnell, vor allem über Kanäle, die für ihre nebulösen Inhalte bekannt sind.

MIMIKAMA
Screenshot des angeblichen Videos

Die KI-Magie: Technologie als Waffe

Es ist nicht das erste Mal, dass gefälschte Videos die Runde machen. Mit fortschrittlicher Technologie, die Deep-Learning-Modelle verwendet, können Videoinhalte überzeugend manipuliert werden. Mundbewegungen, Tonspuren und sogar die gesamte Botschaft können umgeschrieben werden. Das macht es zu einem mächtigen, aber oft auch gefährlichen Spielfeld für Desinformation.

Ein Blick hinter die Kulissen

Zum Glück gibt es in der Online-Community scharfsinnige Detektive. Bei näherer Betrachtung des Videos fällt sofort auf, dass die Qualität des Clips nicht dem Originalvideo entspricht. Ein Vergleich mit dem echten Interview in der Welt zeigt, dass die Inhalte deutlich voneinander abweichen.

Was Şahin wirklich sagte

Im Originalinterview konzentrierte sich Şahin auf die Hingabe und Entschlossenheit seines Teams, die enormen Fortschritte in der mRNA-Technologie und die produktive Zusammenarbeit mit Pfizer. Kein Wort von einer vorgefertigten Virusstruktur, kein Hinweis darauf, dass eine Impfung ausgelassen werden könnte. Im Gegenteil, er betonte die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs.

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Der Text, der FAKE, des manipulierten Videos

Şahin: „Es ist ja bekannt, dass zum Beispiel CEOs aus dem Silicon Valley ihren eigenen Kindern den Umgang mit Tablets und so weiter verbieten. Also sozusagen, das Produkt, was sie der Welt anbieten, selbst für gefährlich halten. Ich habe mich nicht impfen lassen, weder mit unserem Impfstoff noch mit irgendeinem anderen. Wir haben auch nicht wirklich etwas entwickelt. Die Virusstruktur wurde uns bereits Ende 2018 ausgehändigt, inklusive eines Impfstoffes. Wir wurden dann in den Medien quasi rumgereicht, also wie Äffchen. Was ich sagen kann ist, dass der Biontech-Impfstoff definitiv nicht das ist, wofür die Leute ihn gehalten haben. Ganz und gar nicht.“

Der ORIGINALTEXT

Moderatorin: Wie haben Sie es denn geschafft, so schnell einen Impfstoff auf den Markt zu bringen?

Şahin: „Ja, das war eine sehr intensive Zeit mit internationaler Kooperation. Wir haben in unserem Unternehmen seit über zehn Jahren an der Impfstoffplattform geforscht, hatten sehr viel Erfahrung mit der mRNA-Technologie und wussten, dass wir mit dieser Technologie sehr zügig einen Impfstoff entwickeln können. Hinzu kam, dass unsere Mitarbeiter exzellente Arbeit geleistet haben. Wir haben ein 24/7-Programm ins Leben gerufen, sodass das ohne Pause auch an den Wochenenden weiterlaufen konnte. Es kam dazu, dass wir die Partnerschaft mit Pfizer gemacht haben…“

Das ursprüngliche Gespräch mit Uğur Şahin fand am 2. Dezember 2020 statt und wurde manipuliert. Nach genauer Betrachtung des Videos konnten wir durch eine umgekehrte Bildsuche feststellen, dass das Interview von der „Welt“ als Basis für die Fälschung diente. Dieses Interview wurde von Şahin drei Wochen vor Beginn der Impfaktion am 2. Dezember 2020 gegeben. Hier das Originalvideo:

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Warum fallen so viele darauf rein?

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen solchen Inhalten glauben, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Das Video passt perfekt in das Narrativ von Verschwörungstheorien und Misstrauen gegenüber Großkonzernen und der Pharmaindustrie. Einmal im Netz, kann sich eine solche Geschichte wie ein Lauffeuer verbreiten, unterstützt von Gruppen und Einzelpersonen, die ihre eigene Agenda verfolgen.

Wie schützen wir uns vor Desinformation?

Skepsis ist immer der erste Schritt. In einer Zeit, in der es aufgrund des technologischen Fortschritts leichter denn je ist, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, muss man immer auf der Hut sein. Quellen überprüfen, Expertenmeinungen einholen und sich immer fragen: Wem nützt diese Information? Die Wahrheit ist manchmal schwer zu finden, aber sie ist da draußen.

Fazit

Die Manipulation von Informationen ist nicht neu, aber mit den jüngsten technologischen Fortschritten wird es immer schwieriger, Wahrheit von Fiktion zu unterscheiden. Das gefälschte Interview mit Uğur Şahin zeigt, wie leicht die öffentliche Meinung beeinflusst werden kann. Aber mit kritischem Denken, einer guten Portion Skepsis und einem Verständnis für Technik können wir uns gegen solche Täuschungsversuche wehren. Es liegt an uns, der Wahrheit treu zu bleiben.

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)