Die Behauptung
Ein Video zeigt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wie er kurz vor einem Treffen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer vor Downing Street 10 über US-Präsident Donald Trump sagt: „F* ihn“ oder „F* Trump“.
Faktencheck: Falsch
Diese Aussage ist falsch. Selenskyj hat keine derartigen Äußerungen gemacht. Das Video enthält manipulierte Tonspuren und es gibt Hinweise darauf, dass bei seiner Erstellung künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt wurde. Eine ungeschnittene Version des Vorfalls zeigt, dass Selenskyj auf eine Frage lediglich mit „Ok. Vielen Dank“ geantwortet hat.
Kurze Zusammenfassung des Sachverhalts:
- Kein Beweis für die angebliche Beleidigung: Eine ungeschnittene Version zeigt, dass Selenskyj keine abfälligen Bemerkungen über Trump gemacht hat.
- Manipuliertes Video mit KI: Das virale TikTok-Video wurde nachweislich mit künstlicher Intelligenz erstellt und enthält manipulierte Tonspuren.
- Politischer Kontext: Die Fake News wurde nach einem umstrittenen Treffen zwischen Trump und Selenskyj in Washington verbreitet – möglicherweise als Teil einer Desinformationskampagne.
Wie das gefälschte Video entstand
Die Falschmeldung verbreitete sich zuerst über TikTok durch den Nutzer @daily.uk.news4, der das manipulierte Video am 2. März 2025 postete. In dem Clip wird behauptet, Selenskyj habe sich auf dem Weg zu einem Treffen mit Starmer abfällig über Trump geäußert. Die Aufnahme enthält jedoch einen auffälligen Signalton über der angeblichen Tirade – ein klassisches Zeichen für nachträgliche Bearbeitung.
Hier das gefälschte Video:
Eine Überprüfung der Originalaufnahme zeigt: Selenskyj wurde gefragt, wie seine Reise verlaufen sei, und antwortete lediglich mit „Ok. Vielen Dank“. Kein Wort über Trump. Das angebliche Schimpfwort wurde also künstlich eingefügt.
Hier die entsprechende Szene im Original:
Zudem deutet eine Analyse des Videos darauf hin, dass KI-basierte Software zur Erstellung des viralen Clips verwendet wurde. Die gezeigten Szenen und die automatische Sprachausgabe sind typische Indikatoren für eine computergenerierte Fälschung.
Weitere Hintergründe: Russische Propaganda?
Die Falschmeldung erschien nur einen Tag nach einem brisanten Treffen in Washington. Dort hatten Trump und sein Vize J.D. Vance den ukrainischen Präsidenten in einer hitzigen Diskussion im Oval Office kritisiert. Besonders auffällig: Unter den anwesenden Journalisten befand sich auch ein Reporter der russischen Staatsagentur TASS, obwohl dieser nicht zur offiziellen Pressegruppe gehörte.
Ein Sprecher des Weißen Hauses bestätigte später, dass der Reporter unerlaubt anwesend war und entfernt wurde. Wie er überhaupt Zutritt erhalten hatte, blieb jedoch unklar. Weder das Weiße Haus noch der Secret Service gaben dazu eine Erklärung ab.
Die zeitliche Nähe beider Ereignisse – des umstrittenen Treffens in Washington und der gezielten Desinformation über Selenskyj – lässt Raum für Spekulationen über eine mögliche russische Einflussnahme auf die Verbreitung des Fake-Videos.
Ziel: politische Spannungen schüren
Die gefälschten Bilder kursierten nicht nur auf TikTok, sondern wurden auch auf X (ehemals Twitter) von Accounts mit großer Reichweite geteilt. Einzelne Beiträge wurden millionenfach angeklickt. Der gezielte Einsatz von manipulierten Videos dient einem klaren Zweck:
- Die Spaltung zwischen den USA und der Ukraine zu vertiefen: Das Video soll Trump-Anhänger gegen Selenskyj aufbringen und die Unterstützung für die Ukraine in der US-Politik schwächen.
- Europäische Verbündete sollen verunsichert werden: Die gefälschte Nachricht suggeriert eine diplomatische Eskalation zwischen westlichen Staatschefs – ein bewährtes Muster von Desinformationskampagnen.
- Vertrauen in die Medien untergraben: Die Verbreitung falscher, emotional aufgeladener Inhalte soll die Glaubwürdigkeit seriöser Nachrichtenquellen beschädigen und Menschen empfänglicher für Propaganda machen.
Fazit: Vorsicht bei manipulierten Videos!
Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie einfach es ist, mithilfe von KI gefälschte Inhalte zu erstellen und politische Spannungen zu schüren. Nutzerinnen und Nutzer sollten skeptisch bleiben, wenn sie Videos mit vermeintlich skandalösen Aussagen sehen – vor allem, wenn diese nicht von verlässlichen Quellen bestätigt werden.
Quelle: Snopes.com
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