Habeck: „Warum ich solche dusseligen Fehler mache“

Ein Videoschnippsel, das Wirtschaftsminister Robert Habeck bei einem Interview zeigt, macht nun wieder die Runde. Doch dieses Video ist nicht aktuell.

Autor: Claudia Spiess

Die Behauptung

Angeblich wusste Robert Habeck hier nicht, dass bereits aufgezeichnet wurde und hätte hier ungewollt aus dem Nähkästchen geplaudert, warum er „solche dusseligen Fehler mache“.

Unser Fazit

Das Video stammt aus 2019, der damalige Parteivorsitzende der Grünen spricht hier über seinen Rückzug von Twitter. Dieser Kontext wird im geteilten Videoausschnitt nicht erwähnt. Dass er nicht wüsste, dass die Aufzeichnung bereits lief, ist falsch.

„Ja, anders kann ich’s mir auch nicht erklären. Also, da ich jetzt ja überlegen muss, was die Konsequenz ist oder wo’s herkommt, ist das das Beste, was mir einfällt, zur Begründung, warum ich solche dusseligen Fehler mache. Und die Konsequenz muss dann eben auch gezogen werden.“ – So die Worte Robert Habecks in dem 15 Sekunden kurzen Videoausschnitt.

Nutzer nehmen diesen Ausschnitt her und teilen ihn immer wieder, um damit zu suggerieren, dass Habeck ständig „dusselige Fehler“ machen würde und sich dessen auch bewusst wäre. Denn was hier fehlt, ist der Kontext bzw. wann und warum er dies gesagt hat. Erklärt wird sein „Geständnis“ damit, dass er sich nicht bewusst war, dass hier bereits aufgezeichnet wurde.

Der Ursprung des Videos

Das Video stammt aus einem Interview mit der „Welt“ von 2019. Hier wird Habeck auch noch als Vorsitzender der Grünen begrüßt. Zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz und Vizekanzler.

Das Video ist betitelt mit „Social Media-Blues“, da hier sein Ausstieg von Twitter thematisiert wurde. Dazu führte eine Aussage von Habeck während des Landtagswahlkampfs in Thüringen. Damals sagte er: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“ Da die Grünen zu diesem Zeitpunkt in Thüringen mitregierten, reagierten die Nutzer höchst irritiert.

Er selbst erklärt, er hätte in einer schlaflosen Nacht seine Äußerung überdacht und überlegt, wie es dazu gekommen war, dass er derartigen „Stuss labere“. Er hätte sich wohl vom „rauen Ton von Twitter“, wie er ihn bezeichnet, hinreißen lassen, eben jene Aggressivität auch in seinen Worten zu übernehmen.

Quelle: YouTube / Welt Nachrichtensender

Abschied von Social Media

Da es nicht seine Art ist, derart von oben herab zu reden, hat er damals beschlossen, sich von Twitter zu verabschieden. Der Moderator fragte nach: „Sie sind Schriftsteller, Sie sind ein Mann des Wortes. Wenn man mit Ihnen diskutiert, Sie achten immer aufs Wort. Und jetzt wollen Sie uns tatsächlich erzählen, dass Twitter so aggressiv ist und sie da in eine bestimmte Schublade reingesteckt hat? Sie sind doch ein Profi.“

Und hierauf antwortet Habeck mit eben jenen Worten, die nun zusammenhangslos als kurzer Ausschnitt eines Videos immer wieder geteilt werden.

Seine Entscheidung, sich von Twitter zu verabschieden und hier seinen Account zu löschen, veröffentlichte er damals auch noch in seinem Blog.

Fazit

Das Video ist nicht aktuell, sondern stammt aus dem Jahr 2019. Hier erklärt Habeck, warum er sich dazu entschieden hat, Social Media den Rücken zu kehren. Dem vorangegangen war eine Aussage, zu der er sich aufgrund des harschen Umgangstons auf Twitter hinreißen habe lassen.

Der Ausschnitt aus dem Video wird nun ohne jeglichen Zusammenhang, warum der Wirtschaftsminister diese Aussage tätigte, geteilt. Es wird angegeben, dass ihm nicht bewusst war, dass die Aufzeichnung bereits läuft. Doch dies ist falsch.

Quelle:

DPA, Robert Habecks Blog
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