Parfüm-Kriminelle an der Haustür? Warnung ist ein steinalter Internet-Mythos

Seit über 25 Jahren kursiert diese Geschichte mit unterschiedlichen Abwandlungen. Dieser Parfüm-Alarm ist ein globaler Kettenbrief-Klassiker.

Die Behauptung

Zwei Personen würden aktuell von Tür zu Tür gehen, angeblich Parfüm verkaufen und dabei fremde Menschen betäuben, indem sie sie auffordern, daran zu riechen. Anschließend würden sie die bewusstlosen Opfer bestehlen und das Haus durchsuchen. Die Warnung fordert dazu auf, Freunde und Angehörige vor dieser angeblichen „neuen Masche von Dieben“ zu warnen.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Faktencheck: Falsch

Diese Geschichte ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte Urban Legend. Es gibt keine aktuellen Polizeimeldungen, keine glaubwürdigen Quellen und keine konkreten Vorfälle, die die behauptete Methode belegen. Die Geschichte taucht seit über 20 Jahren immer wieder auf, stets leicht verändert, aber immer mit demselben Muster: Angst erzeugen durch angebliche Betäubung mit Parfüm.

Kurze Faktenübersicht:

Diese virale Warnung verunsichert, dabei ist sie alt und unbelegt.

  • Kein einziger bestätigter Fall durch Polizei oder seriöse Quellen
  • Medizinisch fragwürdig: Einfache Riechproben führen nicht zur Ohnmacht

  • Seit 1999 im Umlauf: Die Geschichte ist ein international bekannter Mythos

  • Einzelfälle mit Parfüm existieren, aber kein systematisches Muster oder Beweis für die geschilderte Masche

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Die Geschichte vom betäubenden Parfüm

Aktuell kursiert eine dramatisch klingende Warnung durch soziale Medien und Messenger-Apps: Zwei Personen klingeln an Haustüren, bieten Parfümproben an, und wenn man daran riecht, fällt man in einen tiefen Schlaf, währenddessen wird das Haus durchsucht und ausgeraubt.

Screenshot der Meldung
Screenshot der Meldung

ACHTUNG!
Zwei Personen gehen derzeit von Haus zu Haus und werben für den Verkauf von Parfüms.
„Sie müssen ja nichts kaufen riechen Sie doch einfach mal daran… was schadet es?“ – so lautet ihr Vorgehen.
Doch nachdem man am Duft gerochen hat; fällt man in einen tiefen Schlaf – und währenddessen durchwühlen sie das ganze Haus.
Das ist eine neue Masche von Dieben!
WARNEN SIE IHRE ANGEHÖRIGEN UND FREUNDE!!!

Text der Warnung (sic!)

Diese Erzählung kursiert seit Jahren im Internet, oft leicht abgewandelt. Mal passiert es im Supermarktparkhaus, mal an der Haustür, mal mit Männern, mal mit Frauen. Mal ist es Äther, mal ein mysteriöser „starker Stoff“.

Die Mechanik ist immer gleich: Eine scheinbar harmlose Alltagssituation wird zur akuten Lebensgefahr erklärt. Es geht nicht um Information, sondern um Panik.

Bereits im Jahr 2000 veröffentlichte Snopes einen Faktencheck zu genau dieser Geschichte. Damals war das Szenario: Zwei Männer sprechen eine Frau auf dem Parkplatz eines US-Einkaufszentrums an, bieten ein „günstiges Parfüm“ an. Als sie daran schnuppert, wird sie ohnmächtig und ausgeraubt. Die angebliche Warnung kursierte damals über E-Mails, genau wie heute über Sharepics auf WhatsApp, Facebook oder Telegram.

Ein Beispiel aus einer dieser E-Mails:

„BITTE GEBEN SIE DIES AN IHRE FREUNDINNEN WEITER! Ich hätte wahrscheinlich an dem Parfüm gerochen, wenn ich nicht gewarnt worden wäre. Es war kein Parfüm, es war Äther! Wenn du daran schnupperst, wirst du ohnmächtig.“

Das angebliche Opfer in der Geschichte war eine Frau aus Alabama, USA, die bei der Polizei den Vorfall meldete. Doch toxikologische Untersuchungen ergaben keinerlei Spuren einer bewusstseinsverändernden Substanz in ihrem Blut oder Urin. Experten wie der Forensiker Dr. Matthew Barnhill betonten damals schon: Der beschriebene Effekt ist mit keiner bekannten Substanz realistisch erreichbar. Der Fall war also insgesamt etwas dubios, bei den Schilderungen der Frau gab es einige Ungereimtheiten.

Woher kommt der Mythos? Wiederholung macht ihn nicht wahr

Die Ursprünge dieser Legende reichen laut Snopes bis ins Jahr 1999 zurück. Die erste bekannte Version war eine Kettenmail aus den USA. Seither wurde sie unzählige Male kopiert, übersetzt, angepasst – immer mit demselben Grundmuster. Die Behauptung wird nie konkret: Kein Datum, keine überprüfbaren Namen, manchmal vage Ortsangaben, manchmal gar keine (wie bei der aktuellen Warnung). Dafür viele Ausrufezeichen, dramatische Warnungen und der Aufruf, die Nachricht unbedingt zu teilen.

Im Jahr 2017 tauchte das Märchen auch in Großbritannien und Neuseeland auf. Die Version damals: Zwei Männer treiben ihr Unwesen auf Lidl- oder ASDA-Parkplätzen und bieten Parfümproben an, die angeblich mit Äther versetzt sind. Wieder war die Geschichte anonym, wieder fehlten konkrete Beweise.

Ein Zitat aus dieser Version:

„DAS IST KEIN PARFÜM – ES IST ‚ÄTHER‘ (EINE STARKE DROGE!). Wenn du daran schnupperst, wirst du ohnmächtig. Und sie nehmen Ihre Handtasche, Ihre Wertsachen und Autoschlüssel mit.“

Auch in Indien tauchte die Story wieder auf: 2019 in Telangana, 2023 in Hyderabad. Jedes Mal angepasst an den jeweiligen kulturellen Kontext, aber inhaltlich nahezu identisch.

Im Dezember 2024 hieß es plötzlich, dass giftige Parfümproben in Briefkästen verteilt würden. Eine angebliche „Neujahrsaktion“, bei der „tödliche Dämpfe“ an die Empfänger verströmt würden. Auch diese Variante ist seit 2001 bekannt, und ebenso frei erfunden.

Und heuer kursierte bereits eine weitere Variante, in der eine Frau auf der Toilette eines Kinos betäubt wurde, wieder mit Parfüm.

Bis wir schließlich bei der aktuellen Version – ohne Ortsangabe, ohne Zeitraum, ohne Belege, ohne Polizeimeldungen – angelangt sind.

Update 16.07.2025, 14:50 Uhr: Auch in Tirol kursiert der Kettenbrief. Hier wurde er tatsächlich ein wenig angepasst und bezieht sich auf den Raum Mils und Absam:

Screenshot der Warnung
Screenshot der Warnung

Hier erhielten wir eine Information der Landespolizeidirektion für Tirol: „In Tirol wurden keinerlei derartigen Fälle bei der Polizei angezeigt. Es dürfte sich um einen Internethoax handeln. Sollte es wider Erwarten in Zukunft zu ähnlich gelagerten Delikten kommen, werden wir im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit darüber informieren.“

Warum die Geschichte trotzdem gefährlich ist

Solche Falschmeldungen schüren Misstrauen, Angst und Hysterie. Sie führen dazu, dass Menschen verunsichert sind, sich bedroht fühlen und schlimmstenfalls selbst andere in Panik versetzen. Wenn Warnungen wie diese unreflektiert weitergeleitet werden, ohne Belege oder Quellen, dann werden sie zu Desinformation. Und Desinformation hat reale Konsequenzen.

Ein Beispiel: Wenn jemand tatsächlich in Not ist – etwa ein echter Trickbetrug vorliegt – wird die Aufmerksamkeit durch solche Fake-Geschichten zerstreut. Die Polizei spricht in solchen Fällen oft von „Rauschen im System“. Das erschwert echte Ermittlungen.

Zudem fördern diese Mythen eine Kultur des Verdachts: Fremden wird nicht mehr mit gesunder Vorsicht, sondern mit panischer Ablehnung begegnet. Vertrauen in öffentliche Sicherheit und Kommunikation sinkt. Besonders perfide: Der Warnruf wirkt fürsorglich, aber basiert auf keiner überprüfbaren Realität.

Und: Wer solche Geschichten weiterverbreitet, macht sich (wenn auch ungewollt) zum Teil eines Systems gezielter Irreführung.

Gibt es irgendwelche echten Fälle?

Ein einziges Beispiel aus Dortmund im Jahr 2021 könnte in die Nähe der Parfüm-Legende rücken: Eine 31-jährige Frau wurde zu später Nachtstunde (oder sehr früher Morgenstunde) von einem Mann angesprochen, der ihr Parfüm verkaufen wollte. Als sie daran roch, wurde sie ohnmächtig. Später stellte sie fest, dass ihr Bargeld und ein Tablet fehlten. Die Polizei ermittelte, veröffentlichte sogar ein Fahndungsfoto. Ob es sich dabei aber wirklich um eine bewusste Betäubung mit einer Substanz handelte, wurde nicht angegeben.

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Entscheidend: Es war ein isolierter Vorfall. Kein Serienmuster, keine Welle gleichartiger Taten. Auch sonst finden sich keine polizeilichen Berichte über Parfüm-bedingte Ohnmachten oder Einbrüche in Zusammenhang mit Haustürbesuchen. Keine Taten, keine Täter, keine Verfahren.

Wenn man berücksichtigt, wie oft und in welchem Tonfall diese Geschichte geteilt wird, steht die Faktenlage dazu in krassem Missverhältnis.

Chronologie der Parfüm-Legende im Überblick

Jahr / ZeitraumEreignis / Entwicklung
1999Erste bekannte Falschmeldung aus den USA über Parfüm mit „Äther“ auf Parkplätzen
2000Faktencheck durch Snopes, Fall in Alabama entpuppt sich als wahrscheinlich fingiert
2017Abgeänderte Version in Großbritannien und Neuseeland: Männer auf Lidl-Parkplätzen mit angeblichem „Äther“-Parfüm
2019Verbreitung des Gerüchts in Indien (Telangana)
2021Einzelfall in Dortmund, Frau wird nach Parfüm-Angebot ohnmächtig, genaue Informationen zu Ermittlungen unbekannt
2023Neuauflage des Mythos in Hyderabad, erneut angebliche Täter mit Parfüm auf Parkplätzen
Dezember 2024Neue Variante: Giftige Parfümproben in Briefkästen als „Neujahrsaktion“
Januar 2025Story über Kinobesucherin, die durch Parfüm-Probe im Bad bewusstlos wird
Juli 2025Aktuelle Sharepic-Version im deutschsprachigen Bereich, diesmal angeblich Täter an Haustüren
Juli 2025Abgeänderte Version in Tirol (Mils / Absam) inklusive Bestätigung der Polizei, dass keine solche Fälle vorliegen

FAQ

Ist die Parfüm-Geschichte echt oder nur erfunden?

Die Geschichte ist erfunden. Es gibt keinen glaubwürdigen Beleg, keine Polizei warnt davor, kein konkreter Fall bestätigt das beschriebene Szenario. Es handelt sich um eine klassische Urban Legend, die weltweit in verschiedenen Varianten kursiert.

Kann man durch das Einatmen von Äther oder Parfüm wirklich bewusstlos werden?

Nicht so, wie in der Geschichte behauptet. Eine kurze Riechprobe an einer Parfümflasche reicht nicht aus, um jemanden außer Gefecht zu setzen. Solche Substanzen müssten in hoher Konzentration und über längere Zeiträume inhaliert werden, was kaum unbemerkt und nebenbei möglich ist.

Gab es jemals einen ähnlichen echten Fall in Deutschland?

Ein Fall aus Dortmund im Jahr 2021 könnte oberflächlich passen: Eine Frau wurde nach einem Parfümangebot ohnmächtig und ausgeraubt. Ob sie wirklich betäubt wurde und womit, ist nicht geklärt. Es handelt sich um einen Einzelfall, keine Serie.

Warum verbreiten sich solche Geschichten so schnell?

Weil sie emotional wirken: Sie warnen scheinbar fürsorglich, erzeugen aber Angst und Verunsicherung. In sozialen Netzwerken verbreiten sich solche Inhalte rasant, vor allem durch private Weiterleitungen ohne Quellenprüfung.

Sollte man solche Nachrichten weiterleiten, um andere zu warnen?

Nein. Ohne glaubwürdige Quelle ist das Weiterleiten solcher Warnungen fahrlässig. Es hilft niemandem. Im Gegenteil: Es verbreitet unnötige Angst und Desinformation. Wer wirklich warnen will, sollte auf offizielle Polizei-Quellen verweisen.

Wie erkenne ich Fake-Warnungen dieser Art?

Typische Anzeichen: Keine Orts- oder Zeitangabe, keine Quelle, viele Ausrufezeichen, dramatische Sprache und der Aufruf, die Nachricht „unbedingt weiterzuleiten“. – Trifft dies zu, ist Skepsis angebracht.

Verunsicherung durch Parfüm-Mythos

Die Geschichte von betäubenden Parfümverkäufern gehört zu den langlebigsten Internetmythen überhaupt. Sie lebt von Angst und Empörung, aber nicht von Fakten. Es gibt keine Bestätigung, keine Serie, keinen glaubwürdigen Nachweis. Nur ein einziges Beispiel aus Dortmund 2021 könnte entfernt daran erinnern, aber auch hier fehlt die toxikologische Bestätigung.

Diese Urban Legend reist seit über 25 Jahren als Kettenbrief um die Welt und hat vermutlich mehr Länder gesehen als so mancher Globetrotter.

Wer vor Betrügern warnen will, soll das tun. Aber bitte mit echten Informationen. Solche Parfüm-Geschichten gehören nicht dazu. Sie stiften keine Sicherheit, sondern Verwirrung. Das Teilen solcher Fakes ist keine Hilfe, es ist Teil des Problems.

Unser Appell:
Behalte einen klaren Kopf. Fremden Menschen mit seltsamen Angeboten sollte man durchaus mit Vorsicht begegnen, aber nicht aus Furcht vor einem Internet-Mythos, sondern aus gesundem Menschenverstand.
Also bitte: Nicht weiterleiten. Warnungen ohne Belege sind keine Hilfe, sondern Desinformation.

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