Faktencheck

Klaus Schwab kündigt keinen großen Cyberangriff an!

Auf Social Media wird von zahlreichen Nutzern ein kurzes Video mit Klaus Schwab verbreitet, der darin angeblich einen großen Cyberangriff ankündigt, der die Corona-Pandemie wie einen Witz aussehen lassen würde. Wenn man doch nur wüsste, worüber er genau redet… oh Moment, wir wissen es!

Ralf Nowotny

Die Behauptung

Ein kurzes Video mit Klaus Schwab soll zeigen, wie er einen großen Cyberangriff ankündigt.

Unser Fazit

Das Video stammt bereits vom Juli 2020 und zeigt nur 35 Sekunden der über 11 Minuten langen Eröffnungsrede für eine internationale Online-Übung zur Cybersicherheit. Im Kontext wird deutlich, dass Klaus Schwab ein Szenario schildert, welches auftreten könnte, falls ein riesiger Cyberangriff stattfinden würde und keine Regierung darauf vorbereitet wäre. Er kündigt aber keinen Cyberangriff an.

Aktuell findet das Weltwirtschaftsforum 2023 in Davos statt, was erklärt, warum jetzt wieder die Verschwörungsmythen rund um den WEF-Gründer Klaus Schwab sprießen. So soll er in einem 35 Sekunden langen Video, mit dramatischen Bildern unterlegt, einen großen Cyberangriff ankündigen – behaupten zumindest viele Verbreiter des Videos.
Ja klar, die „Bösewichte“ kündigen ihre Pläne schließlich immer in öffentlichen Reden an, oder?

Die Behauptung

In zahlreichen Tweets beispielsweise wird das Video mit der Behauptung verbreitet, dass Klaus Schwab einen großen Cyberangriff ankündigt:

Zahlreiche Tweets mit der Behauptung
Zahlreiche Tweets mit der Behauptung

Die Verschwörungsmythen-Bubble ist sich darüber einig, dass die nächste große Bedrohung ein Cyberangriff sein wird, der nun sogar von Klaus Schwab angekündigt wurde. Mindestens einer behauptet sogar, dass man dann nur noch mit einer biometrischen digitalen ID ins Internet käme.

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Auch auf Instagram kursiert das Video.

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Was Klaus Schwab in dem Videoausschnitt sagt

Wörtlich sagt er in dem Video folgendes:

„Pay insufficient attention to the frightening scenario of a comprehensive cyberattack which would bring to a complete halt to the power supply, transportation, hospital services, our society as a whole. The COVID-19 crisis would be seen in this respect as a small disturbance in comparison to a major cyberattack.“

Die deutsche Übersetzung:

„Dem Schreckensszenario eines umfassenden Cyberangriffs, der die Stromversorgung, das Verkehrswesen, die Krankenhausversorgung und unsere Gesellschaft als Ganzes zum Erliegen bringen würde, wird nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Die COVID-19-Krise würde in dieser Hinsicht als eine kleine Störung im Vergleich zu einem großen Cyberangriff angesehen werden.“

Spätestens in der deutschen Übersetzung sollte erkennbar sein, dass Schwab in der Möglichkeitsform spricht, er also ein mögliches Szenario schildert, und nicht etwa einen Cyberangriff ankündigt.

Das Video ist von 2020 – Der Kontext

Das Video zeigt nur einen kleinen Ausschnitt aus der Eröffnungsrede Schwabs zur Cyber Polygon 2020, einer internationalen Online-Übung zur Cybersicherheit. Die gesamte Anmerkung dauert über 11 Minuten, ab Minute 6:45 ist der geteilte Ausschnitt zu sehen:

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Er räumte in der Eröffnungsrede unter anderem ein, dass nach dem Anstieg der Internetkriminalität, die durch die Pandemie angeheizt wurde, die Regierungen und die Cybersicherheitsgemeinschaft nun vor der Herausforderung stehen, die Sicherheit des Internets zu gewährleisten.

Noch deutlicher werden seine Worte in dem geteilten Video, wenn der Kontext zu hören ist, in dem er das Szenario, welches im Original natürlich nicht mit dramatischen Bildern und Musik unterlegt ist, hört:

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Hier nochmal, was Schwab sagt, allerdings auch mit den Worten davor und danach, um den Kontext besser aufzuzeigen. Fett gedruckt dabei der Ausschnitt, der in dem geteilten Video zu hören ist:

„We all know, but still pay insufficient attention to the frightening scenario of a comprehensive cyberattack which would bring to a complete halt to the power supply, transportation, hospital services, our society as a whole. The COVID-19 crisis would be seen in this respect as a small disturbance in comparison to a major cyberattack. To use the COVID-19 crisis as a timely opportunity to reflect on the lessons the cybersecurity community can draw and improve our unpreparedness for a potential cyber-pandemic.“

Auf Deutsch:

„Wir alle kennen das Schreckensszenario eines umfassenden Cyberangriffs, der die Stromversorgung, das Verkehrswesen, die Krankenhausversorgung und unsere Gesellschaft als Ganzes zum Erliegen bringen würde, aber wir schenken ihm immer noch zu wenig Aufmerksamkeit. Die COVID-19-Krise wäre in dieser Hinsicht als eine kleine Störung im Vergleich zu einem großen Cyberangriff zu sehen. Die COVID-19-Krise sollte als rechtzeitige Gelegenheit genutzt werden, um über die Lehren nachzudenken, die die Cybersicherheitsgemeinschaft ziehen kann, und um unsere Unvorbereitetheit auf eine mögliche Cyber-Pandemie zu verbessern.“

Fazit

Mimikama-Bewertung: FEHLENDER-KONTEXT

Das Video stammt bereits vom Juli 2020 und entstand als Eröffnungsrede einer internationalen Online-Übung zur Cybersicherheit. Im Kontext wird deutlich, dass Klaus Schwab ein Szenario schildert, welches auftreten könnte, falls ein riesiger Cyberangriff stattfinden würde und keine Regierung darauf vorbereitet wäre. Er kündigt aber keinen Cyberangriff an.

Solche Tabetop-Events finden immer wieder mehrmals im Jahr statt, alleine das Weltwirtschaftsforum veranstaltet immer wieder welche. Von Verschwörungsmythikern wird in dem Zusammenhang gerne das Event 201 hervorgehoben, welches laut deren Meinung eine Vorbereitung der Corona-Pandemie war (wir berichteten).

Daran wird aber sehr gut ersichtlich, dass bei Verschwörungsmythikern ein gewisses Rosinen picken stattfindet, denn es gab in der Vergangenheit auch oft Events zum Klimawandel – doch der wird dann von den gleichen Leuten gerne geleugnet, die Veranstaltungen nie als „Ankündigung einer nächsten Katastrophe“ gewertet.

Weitere Quelle:

Lead Stories
Auch interessant: Laut mehreren Sharepics soll Klaus Schwab wahlweise in einer Rede oder in dem Buch „The Great Reset“ gesagt oder geschrieben haben, dass mindestens 4 Milliarden „nutzlose Esser“ bis 2050 eliminiert werden müssen. Doch die wahre Quelle ist jemand ganz anderes.
Nein, Klaus Schwab sprach nie davon, 4 Milliarden „nutzlose Esser“ zu eliminieren!

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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