Tobias Mathis ist zurück: Warum der Kettenbrief immer noch kompletter Schwachsinn ist

Ein uralter Kettenbrief macht wieder die Runde, und wieder soll es ganz dringend sein. Macht’s halt auch nicht wahrer.

📖Warum sollte man Kettenbriefe nicht ungeprüft weiterleiten? Antworten finden Sie im Leitfaden Kettenbriefe erkennen.

Die alte WhatsApp-Panik lebt: Ein Kettenbrief wird wieder ausgegraben

Er taucht regelmäßig auf, ist frei erfunden und trotzdem wird er jedes Mal tausendfach geteilt: Die Rede ist vom angeblichen Hacker „Tobias Mathis“, der per WhatsApp-Kontaktaufnahme die gesamte Festplatte zerstören und sich durch Kontaktlisten „fressen“ soll. Es wird auch vor einem Anruf von einer bestimmten Nummer gewarnt.

Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Die Nachricht kommt mit dramatischem Tonfall, vielen Ausrufezeichen und dem Hinweis, dass sogar Medien wie „EUROP1“, „SAT1“ und der „ORF“ darüber berichtet hätten:

Screenshot der Warnung
Screenshot der Warnung

„DRINGEND!!!! Sag bitte allen Leuten in deiner WhatsUp-Liste, dass sie den Kontakt „Tobias Mathis“ nicht annehmen sollen! Das ist ein Virus (über WhatsUp) der die ganze Festplatte zerstört und sich die Daten runter zieht. Wenn ihn einer deiner Kontakte erwischt, bist du auch betroffen, weil er sich durch die Liste frisst! Wenn dich die Nummer 01719626509 anruft, nimm ja nicht ab! Ist ein Hacker und es werden auch all deine Kontakte betroffen sein! Es ist heute morgen auch von EUROP1 und SAT1 bestätigt worden! Weiterleiten!!

Bitte teilen so oft ihr könnt.
War soeben auch im ORF“

Text der Warnung (sic!)

Keiner dieser Sender hat jemals vor Tobias Mathis gewarnt. Die Nummer ist ebenso bedeutungslos wie die Behauptungen. Wer das weiterleitet, hilft nicht, sondern wird Teil eines digitalen Schneeballsystems.

Diese Falschmeldung ist alt, abgenutzt und technisch vollkommen absurd. Und dennoch: Weil Menschen sich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig absichern, landet sie wieder und wieder in Gruppen, Chats und Statusmeldungen.

Warum sich dieser Unsinn seit Jahren hält

Der Tobias-Mathis-Kettenbrief kursiert bereits seit über acht Jahren. Zuerst wurde er über Facebook verbreitet, heute lebt er auf WhatsApp weiter. Das Prinzip bleibt immer gleich: Schockieren, Angst erzeugen und dann zur sofortigen Weiterleitung aufrufen. Genau das ist das Erfolgsrezept solcher Fakes. Hinzu kommt ein fataler Reflex vieler Menschen: „Kann ja sein, dass was dran ist.“

Diese gedankenlose Weiterverbreitung lässt die Lüge leben, nicht die technische Raffinesse des angeblichen „Hackers“. Denn realistisch betrachtet ist diese Warnung nichts weiter als digitaler Aberglaube. Einmal gestartet, pflanzt sich der Hoax von Kontakt zu Kontakt fort, fast wie ein Gerücht auf dem Schulhof. Und jedes Mal glaubt wieder jemand, es sei ein echter Notfall. Dabei reichen ein paar Sekunden Recherche, um das Gegenteil zu erkennen. Aber genau diese Sekunden nimmt sich kaum jemand.

Technisch kompletter Unsinn: So funktionieren Smartphones nicht

Was an der Behauptung dran ist? Nichts. Gar nichts. Wer glaubt, ein bloßer WhatsApp-Kontakt könne die Festplatte zerstören, hat entweder keinen technischen Hintergrund oder fällt auf reine Angstmache herein. Smartphones haben keine klassischen Festplatten, und ohne aktive Handlung durch den Nutzer – wie das Öffnen eines Links oder die Installation einer App – kann keine Schadsoftware Schaden anrichten.

Auch das vermeintliche „Durchfressen“ durch Kontaktlisten ist technisch unmöglich. WhatsApp erlaubt keine automatisierte Weiterleitung durch Dritte.

Und selbst die Nummer 01719626509 ist harmlos – vermutlich frei erfunden oder längst nicht mehr vergeben. Die Vorstellung, dass ein Telefonanruf all deine Kontakte infizieren könnte, ist bestenfalls Stoff für Science-Fiction. Es ist nicht nur falsch, sondern beinahe schon lächerlich. Wer solche Geschichten glaubt oder verbreitet, zeigt nicht Vorsicht, sondern Leichtgläubigkeit – mit realen Folgen.

Was wirklich gefährlich ist: Die Dynamik solcher Kettenbriefe

Falschmeldungen wie dieser Kettenbrief über „Tobias Mathis“ sind kein Spaß. Sie schüren Misstrauen, verbreiten Angst und sorgen für ein Klima ständiger Unsicherheit. Besonders dreist ist dabei die Behauptung, dass „Medien bestätigt“ hätten, was in Wahrheit nie berichtet wurde. Das untergräbt das Vertrauen in seriöse Quellen.

Wenn Menschen regelmäßig mit erfundenen Katastrophen konfrontiert werden, stumpfen sie ab oder nehmen echte Warnungen nicht mehr ernst. Der Effekt: Irgendwann hört keiner mehr hin, wenn es wirklich wichtig wäre. Das ist der eigentliche Schaden.

Wer solche Kettenbriefe weiterleitet, wird zum Brandbeschleuniger für Desinformation.
Dabei lassen sich Fakes einfach erkennen:

  • Fragwürdige Quellen,
  • seltsame Schreibweise („WhatsUp“ statt WhatsApp),
  • dramatische Formulierungen und
  • die immergleiche Aufforderung, „so viele wie möglich“ zu warnen.

Das sind sichere Hinweise auf einen Hoax. Ignorieren ist gut, aber Aufklären ist besser.

Immer neue Namen, gleiche Lüge

Ob Tobias Mathis, Ute Lehr, Anouk Theiler, Marcel Hohmann, Ute Christoff, Domenik Beuting oder Christian Wick – all diese Namen sind Teil dieser Masche. Seit über einem Jahrzehnt kursieren identische Kettenbriefe, in denen lediglich der Name und manchmal die Telefonnummer ausgetauscht werden. Die Behauptung bleibt dabei immer gleich: Angeblicher Virus, der über WhatsApp oder Facebook kommt, die Festplatte zerstört und sich durch Kontaktlisten „frisst“, alles bestätigt durch EUROP1, SAT1 oder den ORF.

Egal, welcher Name: Es ist immer alles frei erfunden und geistert bereits seit 2011 durchs Netz. Und in Wahrheit ist es immer nur die Wiederverwertung desselben Unsinns. Wer die alten Nachrichten kennt, erkennt das sofort. Wer sie nicht kennt, fällt wieder und wieder darauf rein.

Fazit: Der wahre Virus ist die Leichtgläubigkeit

Der angebliche Hacker „Tobias Mathis“ ist nicht real. Die Nummer ist irrelevant. Und die Warnung ist nichts weiter als digitaler Müll.

Was wirklich gefährlich ist: die automatische Weiterleitung solcher Falschmeldungen. Wer sich nicht informiert, macht sich zum Teil des Problems. Kettenbriefe wie dieser sind nicht harmlos – sie beschädigen Vertrauen, schüren Panik und halten sich nur durch unsere eigene Gutgläubigkeit.

Deshalb gilt: Nicht teilen. Nicht glauben. Aufklären statt weiterleiten. Und beim nächsten Mal einfach kurz googeln. Denn wer warnt, ohne zu prüfen, verbreitet keine Sicherheit, sondern Unsinn.

Passend dazu: Bullshit: Die Freundschaftsanfrage von Tobias Mathis (unser Artikel von 2017)

Kostenlos · der tägliche Mimikama-Newsletter

Fakten statt Aufregung. Direkt in dein Postfach.

Die wichtigsten Faktenchecks und Meldungen des Vortags – jeden Morgen kostenlos und unabhängig vom Social-Media-Algorithmus.

Ich möchte den oben angeführten Newsletter erhalten und stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse zu diesem Zweck verarbeitet wird. Ich kann den Newsletter jederzeit abbestellen. Details in der Datenschutzbestimmung.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)