Faktencheck

Wegen Toiletten kein Einsatz von trans Personen in der BW?

Verteidigungsministerin Lambrecht habe laut einem TikTok-Video „heute“ bekannt gegeben, dass trans Personen in der Bundeswehr bei einem Krieg nicht an der Front eingesetzt werden könnten, da es dort keine gendergerechten Toiletten gäbe. Die Behauptung ist jedoch frei erfunden.

Ralf Nowotny

Die Behauptung

Verteidigungsministerin Lambrecht habe angeblich bekannt gegeben, dass Transpersonen in der Bundeswehr wegen fehlender gendergerechter Toiletten im Kriegsfall nicht eingesetzt werden.

Unser Fazit

Die Behauptung ist eine reine Erfindung. Es findet sich keine einzige Meldung darüber, auch diverse, öffentliche Stellen widersprechen der Behauptung.

TikTok scheint immer öfter der Umschlagplatz für alte Falschbehauptungen zu werden: Es wird einfach ein älteres Sharepic mit einer Falschbehauptung genommen und zu einem Video umgewandelt – Klicks und Empörung garantiert. In einem aktuellen Fall geht es um eine angebliche Behauptung der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht über Toiletten an der Front und trans Personen bei der Bundeswehr.

Die Behauptung

Dieses Sharepic kursierte bereits im Mai 2022 auf Social Media und wird seit wenigen Tagen mit einer kleinen Animation versehen als Video auf TikTok geteilt (HIER, archiviert HIER):

Die Falschbehauptung auf TikTok
Die Falschbehauptung auf TikTok

Das Video wurde mit Hashtags wie #esreicht und #echtjetzt versehen, die Kommentare wurden deaktiviert. Auf dem Sharepic steht:

„Die Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat heute bekannt gegeben:
Die in der Bundeswehr integrierten Gender-Soldatinnen/Soldaten können im Kriegsfall nicht eingesetzt werden, weil es an der Front keine Gendergerechten Toiletten gibt.“

Zusätzliche Texte auf dem Sharepic sind „Wissen Sie was für ein Amt sie Ausüben sollen?„, „Rücktritt SOFORT! Nichteinmal zum Fegen zu Gebrauchen!“ und „Nein, du hast dich nicht NICHT ‚verlesen‘“. Ja, meine Rechtschreibkorrektur weint auch gerade.

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Die Behauptung ist eine reine Erfindung!

Anhand der Behauptung wird schon deutlich, dass dem Ersteller oder der Erstellerin das Vokabular fehlt, um überhaupt auszudrücken, was denn da erlogen wird, deswegen helfen wir mal nach: Mit „Gender-Soldatinnen und Soldaten“ sind wahrscheinlich trans Personen gemeint, mit „Gendergerechte Toiletten“ wahrscheinlich Unisex-Toiletten (wobei 2019 in Bayern auch schon mal über eine dritte Toiletten-Option nachgedacht wurde).

Nachrichtenmeldung: Fehlanzeige

Wann „heute“ denn sein soll, ist unklar, denn das Sharepic wird seit Mai 2022 geteilt. Doch bis heute lässt sich keine einzige Nachrichtenzeile, kein Artikel, nicht einmal ein Nebensatz finden, in dem davon berichtet wird, dass Christine Lambrecht dies bekannt gegeben haben soll.

Was verschiedene Stellen zu der Behauptung sagen

Die Kollegen von AFP gruben noch ein wenig tiefer und fragten an diversen Stellen nach, ob es nicht vielleicht doch eine solche Regelung innerhalb der Bundeswehr gibt. Hier die Antworten:

  • Der Bundesverband Trans*: Von einer derartigen Regelung, die den Kriegseinsatz von trans- oder intergeschlechtlichen Menschen verbietet, hat der Verband keine Kenntnis
  • Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums: Es handele sich bei der Behauptung selbstverständlich um eine Falschmeldung. „Wir fordern und fördern ein wertschätzendes und offenes Klima innerhalb der Streitkräfte, natürlich auch gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen.“
  • Eine Sprecherin der Wehrbeauftragten des Bundestages: „Zu der von Ihnen angesprochenen Behauptung haben wir keine eigenen Erkenntnisse.“
  • Anastasia Biefang, erste Transgender-Kommandeurin bei der Bundeswehr und stellvertretende Vorsitzende des QueerBW: „Nach unserer Kenntnis handelt es sich bei der Aussage um einen ‚Fake‘. Frau Lambrecht hat diese Aussage nicht getätigt. Transgeschlechtliche Soldaten werden sehr wohl bei Einsätzen eingesetzt. Gendergerechte Toiletten sind keine Voraussetzung für den Einsatz von Soldat:innen an der “Front“.“

Fazit

Es gibt keine einzige Meldung darüber, dass Christine Lambrecht bekannt gegeben hätte, trans Personen könnten im Kriegsfall nicht eingesetzt werden, auch diverse, öffentliche Stellen widersprechen der Behauptung. Sie wurde anscheinend einzig zu dem Zweck erfunden, den Glauben zu füttern, dass trans Personen eine „Sonderbehandlung“ bekommen würden.

Es handelt sich somit um eine reine Falschbehauptung.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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