Wetterkarten manipuliert? Rotfärbung bei der ARD sorgt wieder einmal für Aufregung

Bildcollage zeigt angebliche Manipulation – doch steckt wirklich Absicht dahinter?

Die Behauptung

In sozialen Medien kursiert eine Bildcollage, die zwei ARD-Wetterkarten aus den Jahren 2017 und 2022 gegenüberstellt. Die frühere zeigt Temperaturen von über 30 Grad in grünen Tönen, die spätere dieselbe Region bei 25 Grad in kräftigem Rot. Der Vorwurf: ARD wolle mit dramatischer Farbwahl Sommerwetter bedrohlich erscheinen lassen und so Angst vor dem Klimawandel schüren.

Aufgestellt von: Social Media

Irreführend

Teilweise wahr. Die geänderte Farbgestaltung beruht nicht auf Manipulation, sondern auf einer gestalterischen und redaktionellen Vereinheitlichung im Jahr 2020. Zudem handelt es sich bei der 2017er-Grafik nicht um eine Temperaturkarte.

Kurze Faktenübersicht:

  • Wetterkarten in ARD-„Tagesthemen“ bekamen 2020  ein neues Design und wurden zentralisiert
  • Unterschiedliche Kartentypen: Wetter- vs. Temperaturkarte
  • Saisonale Farbskalierung: Sommer und Winter werden unterschiedlich interpretiert
  • Keine Belege für gezielte Manipulation der Farbwahl

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Einheitliches Wetterdesign bei ARD seit 2020

Seit 2020 werden die Wetterkarten für die Nachrichtensendungen der ARD nicht mehr von verschiedenen Redaktionen geliefert, sondern vom zentralen ARD-Wetterkompetenzzentrum in Frankfurt. Diese Umstellung hatte zur Folge, dass das Design und die Farbskalen der Karten vereinheitlicht wurden – insbesondere zwischen der „Tagesschau“ und den „Tagesthemen“. Laut Silke Hansen, Leiterin der HR-Wetterredaktion, war diese Angleichung notwendig, um Inkonsistenzen zu vermeiden.

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Screenshot des umlaufenden Pics
Screenshot des umlaufenden Pics

Vor der Umstellung verwendete jede Redaktion unterschiedliche Darstellungsweisen. Die Karte aus dem Jahr 2017, auf die sich die Bildcollage bezieht, zeigt kein Temperaturbild, sondern ein neutral gehaltenes Satellitenbild mit Wettersymbolen. Sie war in Grüntönen gehalten, unabhängig von den gemessenen Temperaturen. Die 2022-Karte hingegen ist eine Temperaturkarte mit Farbverlauf von Blau (kühl) bis Rot (heiß).

Unterschiede zwischen Wetter- und Temperaturkarten

Ein zentrales Missverständnis in der Debatte: Wetterkarten und Temperaturkarten sind nicht identisch.

  • Eine Wetterkarte zeigt meteorologische Phänomene wie Wolken, Wind und Niederschlag,
  • während eine Temperaturkarte ausschließlich Temperaturschwankungen visualisiert – häufig über eine Farbskala.

Die Karte von 2017 in der Collage stammt aus den „Tagesthemen“ und war visuell nicht auf Temperaturunterschiede fokussiert. Sie hatte keine farbliche Differenzierung entsprechend der Temperatur. Die 2022er-Karte ist hingegen eine moderne Temperaturkarte mit deutlich sichtbarem Farbverlauf. Sie basiert auf aktuellen Daten und nutzt ein grafisches System, das die ARD seit mindestens 1999 in der „Tagesschau“ verwendet – auch damals bereits mit Rottönen für hohe Temperaturen.

Farbwahl und Saisoneinfluss: Kein Alarmismus

Die Farbskalen von Temperaturkarten variieren saisonal. Das bedeutet: Eine Temperatur von 15 Grad kann im Sommer kühl wirken (also in Blautönen dargestellt werden), im Winter jedoch mild und in wärmeren Farbtönen erscheinen. Dieser Zusammenhang ist wichtig, um Wetterkarten korrekt zu interpretieren.

Die Farbe Rot wird auch nicht selektiv stärker verwendet. Vielmehr wurde mit der technischen Modernisierung der ARD-Grafiksysteme ab Mitte der 2000er-Jahre die gesamte Farbpalette verstärkt – um Lesbarkeit und Kontrast zu erhöhen. Das betrifft sowohl warme wie kühle Farben gleichermaßen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass ausgerechnet Rottöne hervorgehoben würden, um Alarm zu erzeugen.

Klimawandel sichtbar auch ohne Kartenfarben

Fakt ist: Die steigenden Temperaturen sind unabhängig vom Design der Wetterkarten belegbar. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) war 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturmessungen. Die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Europa ist laut Copernicus-Klimaprogramm der sich am schnellsten erwärmende Kontinent.

Zur Veranschaulichung dieser Entwicklung wären neue Farbskalen auf Wetterkarten nicht nötig. Die Datenlage allein spricht für sich – wissenschaftlich fundiert und klar nachvollziehbar.

Chronologie der Wetter- bzw. Temperaturkartennutzung in der ARD

JahrSenderKartentypFarbgebung
1999TagesschauTemperaturkarteRotstufen ab ca. 25 °C
2017TagesthemenWetterkarte (Satellitenstil)Grün, ohne Temperaturbezug
2020ARD allgemeinUmstellung durch HR-KompetenzzentrumEinheitliches Temperaturdesign
2022TagesthemenTemperaturkarteBlau bis Rot, je nach Gradzahl

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Manipuliert die ARD mit roten Wetterkarten?

Nein. Die Farbwahl basiert auf einer gestalterischen Vereinheitlichung und orientiert sich an meteorologischen Standards. Es gibt keine Belege für gezielte Dramatisierung.

Warum sah die Wetterkarte 2017 ganz anders aus?

Die damalige Karte war keine Temperaturkarte, sondern zeigte lediglich Wettersymbole auf einem grünen Satellitenbild. Sie war gestalterisch neutral gehalten.

Gibt es eine Beeinflussung durch Farbwahl bei Temperaturen?

Nicht gezielt. Farben wurden insgesamt kontrastreicher gestaltet. Dass Rot als heiß wahrgenommen wird, ist eine Konvention, keine Manipulation.

Was ist der Unterschied zwischen Wetter- und Temperaturkarten?

Wetterkarten zeigen meteorologische Phänomene, Temperaturkarten visualisieren Temperaturverläufe. Die Farbgebung ist entsprechend angepasst.

Warum werden 15 Grad im Sommer anders dargestellt als im Winter?

Weil sie saisonal unterschiedlich empfunden werden. Das visuelle System trägt dieser Wahrnehmung Rechnung, um Karten intuitiv verständlich zu machen.

Fazit zum Thema

Es gibt keinen Hinweis auf bewusste Manipulation durch farbliche Gestaltung von Wetterkarten bei der ARD. Die auffällige Rotfärbung in der viralen Bildcollage basiert auf unterschiedlichen Kartentypen und einer Designreform im Jahr 2020.

Hinweis: Bereits seit dem Jahr 2019 berichten wir über Fake News zu diesem Thema

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