Die Behauptung

Die ARD manipuliert die Wetterkarten in den Tagesthemen, indem sie die Temperaturen in roter Farbe darstellt, um eine dramatischere Wahrnehmung des Klimawandels zu erzeugen.

Unser Fazit

Der Faktencheck zeigt, dass diese Behauptung nicht zutrifft. Die Änderung des Designs der Wetterkarten im Jahr 2020 diente der Vereinheitlichung und Anpassung an das Design der Tagesschau. Die rote Einfärbung der Temperaturkarten ist keine neue Praxis und wurde bereits vor 2020 verwendet.

Die Sommerhitze lässt die Gemüter nicht nur in der realen Welt, sondern auch in den sozialen Medien hochkochen. Aktuell steht die ARD im Fokus der Kritik. Worum geht es? Es sind die Wetterkarten der Tagesthemen, die einigen Zuschauern sauer aufstoßen. Sie vergleichen Standbilder aus den Jahren 2016 und 2023 und werfen der ARD vor, mit unterschiedlichen Darstellungen das Publikum zu manipulieren.

Wetterkarten - Transparente Darstellung oder Manipulation?
Screenshot: Facebook

Ein Kommentar sticht dabei besonders heraus: „Wetter-Berichterstattung in den Deutschen Tagesthemen 2016 und 2023… als 25 – 29°C noch normaler Sommer waren und als 22 – 27°C plötzlich zur gefährlichen Hitze eskalierten.“ Ein klarer Vorwurf, der die rote Einfärbung der 2023-Karte ins Rampenlicht rückt. Aber was steckt wirklich dahinter?

Designänderung – Nichts bleibt, wie es ist

Was auf den ersten Blick wie eine manipulative Veränderung aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als reine Kosmetik. Die ARD hat im Jahr 2020 die Wetterkarten der Tagesthemen überarbeitet und dem Design der Tagesschau angepasst. Zuvor waren die Tagesthemenkarten nicht in der Lage, Temperaturunterschiede farblich darzustellen.

Mit der Neuregelung wurden die Karten von einer einheitlichen Quelle geliefert. Daher wechselte das Karten-Design bei den Tagesthemen auf das der Tagesschau, erklärt Silke Hansen, Leiterin der Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks (HR).

Wetterkarten: Vergleichen wir Äpfel mit Birnen?

Die in den sozialen Medien geteilten Standbilder erzählen unterschiedliche Geschichten. Das Bild aus dem Jahr 2023 zeigt eine Temperaturkarte mit Farbverläufen. Das aus dem Jahr 2016 hingegen zeigt eine physische Karte mit Grüntönen und geografischen Merkmalen. Keine Temperaturkarte, sondern eine konstante geografische Darstellung.


In den sozialen Medien werden derzeit zwei Standbilder aus den Tagesthemen verglichen. Das erste Bild stammt aus der Sendung vom 6. Juni 2023 und zeigt eine Temperaturkarte für den kommenden Tag, auf der verschiedene Temperaturzonen mit unterschiedlichen Farben markiert sind.

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Das zweite Bild stammt aus der Sendung vom 6. Juni 2016 (Zum Video. Diesen Ausschnitt sieht man bei Minute 28:35)

MIMIKAMA
Screenshot: tagesthemen 22:15 Uhr / 06.06.2016 23:37 Uhr

Obwohl die Temperaturen damals ähnlich hoch waren wie sieben Jahre später, sieht die Karte ganz anders aus. Statt farbiger Darstellungen zeigt sie Grüntöne und enthält geografische Informationen wie Gebirge, Flüsse und Bundesländergrenzen. Diese Karte ist unabhängig von der Wetterlage immer gleich gestaltet und nur mit unterschiedlichen Beschriftungen versehen. Es handelt sich also nicht um eine spezielle Temperaturkarte wie die 2023-Karte.


Interessanterweise sind farbige Temperaturkarten in der ARD keineswegs neu. Bereits 1999 hat die Tagesschau sie genutzt. Sie wurden einfach 2020 in die Tagesthemen integriert.

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Farbe ist nicht gleich Temperatur

Noch eine spannende Information von Frau Hansen: Wetterkarten ändern regelmäßig ihre Farben, und das schon seit über 20 Jahren! Im Sommer wird eine Temperatur von 15 Grad als kühl empfunden und die Karte zeigt kühle Farben. Im Januar dagegen sind 15 Grad ein echter Temperaturbonus und die Farben leuchten wärmer.

BehauptungenFaktencheck
Die ARD hat im Jahr 2020 das Design der Karten in den Tagesthemen geändert.Richtig. Die ARD hat das Design der Wetterkarten in den Tagesthemen im Jahr 2020 an das Design der Tagesschau angepasst, um eine einheitliche Gestaltung zu erreichen. Vor dieser Änderung wurden in den Tagesthemen keine Karten mit farblicher Darstellung der Temperaturen verwendet.
Die Standbilder aus den Tagesthemen von 2016 und 2023 zeigen unterschiedliche Darstellungen.Richtig. Das Standbild von 2016 zeigt eine Karte in Grüntönen mit geografischen Merkmalen, während das Standbild von 2023 eine Temperaturkarte mit farblichen Darstellungen der verschiedenen Temperaturen ist.
Die Temperaturkarten mit roter Einfärbung sind neu.Falsch. Die ARD verwendete bereits vor 2020 Temperaturkarten mit roter Einfärbung. Diese wurden bei der Designanpassung im Jahr 2020 beibehalten.
Änderungen an Wetterkarten sind regelmäßig und wiederkehrend.Richtig. Die Wetterkarten werden regelmäßig und je nach Jahreszeit angepasst. Zum Beispiel werden Temperaturen im Sommer mit kühleren Farben und im Winter mit wärmeren Farben dargestellt. Dies ist eine Praxis, die seit über 20 Jahren fortgeführt wird.

Fazit: Die Kritik an den Wetterkarten der ARD zeigt, wie wichtig der Kontext ist und wie schnell Missverständnisse entstehen können. Im Zeitalter des Klimawandels müssen wir uns darauf konzentrieren, die Fakten richtig zu verstehen. Und manchmal heißt das eben, tiefer zu graben und hinter die Farben zu schauen.

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)