Wieder einmal Zitate von Grünen Politikern – Faktencheck

In den sozialen Medien kursiert ein Bild mit angeblichen Zitaten von verschiedenen Grünen-Politikern. Viele dieser Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen oder sogar komplett falsch. Wir schauen uns die bekanntesten Zitate an und bewerten ihren Wahrheitsgehalt.

Die Behauptung

Ein Bild zeigt Zitate von Grünen-Politikern mit Aussagen wie „Deutschland hat eine widerlich weiße Mehrheitsgesellschaft“ oder „Unser Land wird sich verändern, und zwar drastisch“. Die Aussagen sollen äußerst kontroverse Positionen der Politiker widerspiegeln.

Faktencheck: Irreführend

Einige Zitate sind richtig, aber aus dem Zusammenhang gerissen, andere sind frei erfunden. Dieser Faktencheck deckt die Unterschiede auf und zeigt, welche Zitate tatsächlich gefallen sind.

Kurze Faktenübersicht:

  • Katrin Göring-Eckardt: Zitat über drastische Veränderung des Landes ist korrekt.
  • Sarah Lee Heinrich: Aus dem Zusammenhang gerissen, später distanziert.
  • Annalena Baerbock: Aus dem Zusammenhang gerissen.
  • Daniel Cohn-Bendit: Korrekt, jedoch stark umstritten.
  • Joschka Fischer: Falsch.
  • Sebastian Striegel: Aus dem Zusammenhang gerissen.
  • Sibel Schick: Aus dem Kontext gerissen.
  • Ricarda Lang: Falsch.
  • Robert Habeck: Korrekt, aber aus dem Zusammenhang gerissen.
  • Timon Dzienus: Richtig.
📖Woran erkennt man Fake News zuverlässig? Antworten finden Sie im Leitfaden Fake News erkennen.
Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Vorsicht vor falschen Zitaten: Grüne Politiker im Visier

In den sozialen Medien kursieren immer wieder Beiträge mit angeblichen Zitaten von Politikern der Grünen, die besonders kontrovers klingen sollen. Oft sind diese Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen oder sogar frei erfunden, um Desinformation zu verbreiten und politische Stimmung zu machen. In diesem Faktencheck untersuchen wir einige der am häufigsten verbreiteten Zitate und bewerten ihren Wahrheitsgehalt. Es zeigt sich: Viele der Behauptungen sind falsch und dienen nur dazu, Politiker zu diskreditieren.

Wieder einmal Zitate von Grünen Politikern - Faktencheck
Screenshot der Zitate aus den sozialen Medien

„Unser Land wird sich verändern, und zwar drastisch. Und darauf freue ich mich.“ (Katrin Göring-Eckardt)

Das stimmt. Das Zitat stammt von einem Parteitag der Grünen im Jahr 2015 und bezieht sich auf die erwarteten Veränderungen durch die Aufnahme von Flüchtlingen. Der Kontext ist eine positive Einstellung zu gesellschaftlichen Veränderungen, nicht die negative Konnotation, die das Bild suggeriert.

„Deutschland hat eine ekelig weiße Mehrheitsgesellschaft.“ (Sarah Lee Heinrich)

Aus dem Zusammenhang gerissen. Heinrich verwendete den Begriff 2019 in einer Diskussion über die Fridays for Future-Bewegung und stellte die Frage, ob diese Bewegung auch so erfolgreich gewesen wäre, wenn sie von nicht-weißen Menschen angeführt worden wäre. Sie kritisierte dabei gesellschaftliche Strukturen und sprach aus der Perspektive von People of Color, die in Deutschland häufig mit Diskriminierung konfrontiert sind. Heinrich äußerte sich später zu diesem Zitat und sagte, dass sie heute anders über solche Themen spreche und erkannt habe, dass ihre damalige Wortwahl unglücklich und verletzend gewesen sei.

Es handelt sich also um eine reale Aussage, die jedoch inzwischen überdacht und relativiert wurde.

„Egal was meine deutschen Wähler denken“. (Annalena Baerbock)

Aus dem Zusammenhang gerissen. Frau Baerbock hat auf einer Konferenz tatsächlich gesagt, sie werde die Ukraine weiter unterstützen, „egal was meine deutschen Wähler denken“. Diese Aussage wurde jedoch stark verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen. Der vollständige Satz macht deutlich, dass sie meinte, sie wolle ihre Versprechen gegenüber der Ukraine einhalten, auch wenn es in Deutschland schwierige Entscheidungen gebe. Sie stellte auch klar, dass sie die Sorgen der Bürger über steigende Energiepreise nicht ignorieren werde und versprach, entsprechende soziale Maßnahmen zu ergreifen. Ihre Aussage wurde also instrumentalisiert, um ein verzerrtes Bild zu zeichnen.

„Wenn ein kleines Mädchen von 5 Jahren anfängt sich auszuziehen, ist das fantastisch, weil es ein wahnsinnig erotisches Spiel ist.“ (Daniel Cohn-Bendit)

Richtig, aber umstritten. Cohn-Bendit schrieb diese Worte 1975 in seinem Buch über seine Zeit als Kindergärtner. Diese Aussage wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert und verurteilt.

„Wir müssen so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleiten. Hauptsache die Deutschen haben es nicht.“ (Joschka Fischer)

Falsch. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Fischer jemals eine solche Aussage gemacht hat. Das angebliche Zitat kursiert seit Jahren im Internet, wurde aber nie von einer verlässlichen Quelle bestätigt. Vermutlich stammt es aus Nutzerkommentaren und Foren, die keine glaubwürdige Quelle nennen können. Recherchen von Correctiv, Mimikama und anderen Faktencheckern haben ergeben, dass das Zitat nicht belegt ist und der Verbreitung von Desinformation dient.

„Zuwanderung bis zum Volkstod.“ (Sebastian Striegel)

Aus dem Zusammenhang gerissen. Das Zitat stammt aus einem sarkastischen Tweet, den er im März 2015 auf Twitter veröffentlichte. Striegel reagierte damit auf rechte Hetze und die Verwendung des Begriffs „Volkstod“ durch Neonazis, die ein angebliches Aussterben des deutschen Volkes durch Zuwanderung befürchten. Er selbst räumte später ein, dass Ironie und Sarkasmus im Netz oft missverstanden würden und der Tweet ein Fehler gewesen sei. Striegel löschte den Tweet und erklärte, er habe die Formulierung nicht ernst gemeint.

Dennoch wurde dieser Satz von politischen Gegnern, insbesondere der AfD, häufig zitiert und instrumentalisiert, um ihn und seine Positionen anzugreifen.

„Rassismus gegen Deutsche ist richtig und wichtig.“ (Sibel Schick)

Aus dem Zusammenhang gerissen. Das Sibel Schick zugeschriebene Zitat „Rassismus gegen Deutsche ist richtig und wichtig“ wurde aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert. Tatsächlich wurde das Zitat über einen Twitter-Account veröffentlicht, den Schick damals mit einer Bekannten teilte. Diese Bekannte hatte den Tweet verfasst, aber vergessen, ihre Beiträge mit einem Kürzel zu kennzeichnen. Schick erklärte, der Tweet sei nur kurz online gewesen und dann sofort gelöscht worden. Sie distanzierte sich von der Äußerung und erklärte, dass sie nicht von ihr stamme.

„Ja zur Migration, auch wenn wir pleite gehen“. (Ricarda Lang)

Falsch. Es gibt keine Belege dafür, dass Lang eine solche Aussage gemacht hat. Vielmehr stammt das Zitat aus gefälschten Beiträgen, die in sozialen Netzwerken kursieren und ihr untergeschoben wurden. Mehrere Faktenchecks, unter anderem von dpa und Correctiv, haben bestätigt, dass diese Aussage frei erfunden ist. Weder in offiziellen Interviews noch in ihren Reden finden sich Hinweise auf eine solche Äußerung.

„Es gibt kein Volk, somit auch kein Volksverrat.“ (Robert Habeck)

Richtig, aber aus dem Zusammenhang gerissen. Das Zitat stammt aus Habecks Buch „Patriotismus – Ein linkes Plädoyer“, in dem er über den Begriff „Volk“ und seine Relevanz in der modernen Politik schreibt. Der Satz wurde oft verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen.

„Natürlich kennen die Grünen Vaterlandsliebe, wir kennen und verachten sie“. (Timon Dzienus)

Richtig. Es stammt aus einem Tweet von Dzienus, dem damaligen Sprecher der Grünen Jugend Niedersachsen, der am 12. Oktober 2019 veröffentlicht wurde. Der Kommentar war eine Reaktion auf eine Aussage von Paul Ziemiak (CDU), der meinte, dass jemand wie Robert Habeck, der angeblich keine Heimatliebe kenne, keine Verantwortung für Deutschland übernehmen sollte.

Dzienus nahm dieses Zitat zum Anlass, sich kritisch mit dem traditionellen Begriff der „Vaterlandsliebe“ auseinanderzusetzen, den er ablehnt.

Bewertung

Einige Zitate sind richtig, aber aus dem Zusammenhang gerissen, andere sind frei erfunden. Es ist wichtig, solche Aussagen immer kritisch zu hinterfragen und sich auf vertrauenswürdige Quellen zu stützen.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.