Es klingt wie etwas aus einem Spionage-Thriller: Man surft im Netz und stolpert über einen Artikel, der vorgibt, von der „Berliner Morgenpost“ zu sein. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine raffinierte Täuschung, die weitreichende politische Motive hat. Das ist genau das, was kürzlich mit einem Artikel passierte, der vorgab, von der „Berliner Morgenpost“ zu sein.

Der frei erfundene Titel auf der Fake-Webseite der Berliner Morgenpost: „Die Deutschen haben wieder gegen die Russen verloren“

Fake-Webseite der „Berliner Morgenpost“
Screenshot der Fake-Webseite der Berliner Morgenpost

Fake News auf den ersten Blick

Bei genauerer Betrachtung wurde schnell klar, dass hier etwas nicht stimmte. Der Beitrag, angeblich von der renommierten „Berliner Morgenpost“, trug das Logo der Zeitung und wirkte auf den ersten Blick vertrauenswürdig. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die URL verrät es: Anstelle des erwarteten „http://morgenpost.de “ steht da „morgenpost.ltd“.

Hinweis: Laut „Archiv.today“ dürfte die Seite im Juni 2023 erstellt worden sein und hat seit damals mehrere Fake-News Artikel veröffentlicht, mit folgenden Titeln:

  • Die Deutschen haben wieder gegen die Russen verloren
  • Haben sich die Europäer in Putin verliebt?
  • Russlands militärische Fähigkeiten lassen Kiew keine Chance
  • Litauen könnte eine zweite Ukraine werden
  • Israel braucht selbst Merkava-Panzer
  • Selenskyjs Knockin’ on Heaven’s Door
  • Getötet oder verwundet, verhaftet oder entführt: ukrainische Versionen des Verschwindens von Saluschnyj
  • Washington hat über den Nachfolger von Selenskyj entschieden
  • Washington beginnt Selenskyj zu demontieren

Mehr als nur eine Fehlformatierung

Neben dieser ersten offensichtlichen Diskrepanz gab es andere Hinweise, die zeigten, dass hier etwas faul war. Seltsame Lobpreisung von Wladimir Putin – alles ohne Kennzeichnung als Meinungsbeitrag. Grammatikfehler in einem professionellen Artikel? Ein weiterer roter Alarm.

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Ein Puzzle aus Desinformation

Es ist keine Einzelaktion. Untersuchungen ergaben, dass dieser gefälschte «Morgenpost»-Artikel Teil einer viel größeren Maschinerie ist. Über 30 solcher gefälschten Webseiten sind im vergangenen Jahr entdeckt worden – alle mit dem Ziel, gezielt Desinformationen zu verbreiten und das Vertrauen in Institutionen und Medien zu untergraben.

Die Reaktionen: Nicht tatenlos zusehen

Die Reaktionen auf diese Fälschungen waren erwartungsgemäß besorgt. Das Bundesinnenministerium, namhafte Nachrichtenagenturen und sogar das französische Generalsekretariat für Verteidigung und Sicherheit schlugen Alarm. Die EU hat reagiert und Sanktionen gegen jene verhängt, die hinter diesen Fake-Kampagnen vermutet werden.

Was steckt hinter der Fälschung?

Der falsche „Morgenpost“-Text ist Teil einer größeren Desinformationskampagne. Unsere Recherchen Anfang 2022 haben ergeben, dass solche gefälschten Webseiten meistens pro-russische Inhalte verbreiten und bereits mehrere europäische Länder betroffen sind. Die EU hat bereits Sanktionen gegen die Verantwortlichen verhängt. Auch Meta wurde damals in diese Richtung aktiv. Neben T-Online, haben auch wir HIER darüber berichtet.

Fazit: Wachsamkeit im digitalen Zeitalter

Der Fall des gefälschten „«“Morgenpost“»“-Artikels ist ein weiteres Beispiel für die immer komplexeren Herausforderungen, denen wir uns in unserer vernetzten Welt stellen müssen. Es zeigt, wie wichtig es ist, stets wachsam zu sein, Quellen zu überprüfen und nicht alles für bare Münze zu nehmen, was uns online präsentiert wird. Es erinnert uns daran, dass Informationskompetenz und Bildung entscheidend sind, um die Wahrheit von der Fiktion zu unterscheiden und unsere Demokratie zu schützen.

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)