Bitcoin-Betrug: Vermeintliche Frau knöpft Salzburger sechsstelligen Betrag ab

Autor: Kathrin Helmreich

Artikelbild: Wit Olszewski / Shutterstock
Artikelbild: Wit Olszewski / Shutterstock

Nigeria-Connection: 34-Jähriger gibt sich als Frau aus und erleichtere sein 57-jähriges Opfer um sechsstelligen Betrag.

Nach umfangreichen Ermittlungen gelang es Salzburger Kriminalisten einen schweren Internetbetrug zu klären.

Demnach gab sich ein 34-jähriger Nigerianer auf einer Kommunikationsplattform im Internet als junge Frau aus. Es kam zu einem Kontakt mit einem 57-jähriger Österreicher. Diesem spielte der Betrüger von Mai bis November 2020 eine ernstgemeinte Liebesbeziehung vor. Kommuniziert wurde dabei lediglich via Email. Über Monate ließ der Betrüger seinem Opfer glauben, dass „die junge Frau“ beruflich in Amerika tätig sei und Waren nach Österreich exportierte.

Nach einiger Zeit gab die erfundene Frau an, dass sie Geldprobleme habe und bat das Opfer nach und nach um immer mehr Geld. Als Sicherheit wurden dem Opfer Bankdaten einer Fake-Online-Bank mit gefälschtem Kontostand bekannt gegeben, von welchem die Frau zurzeit nicht zugreifen könne. In dem Glauben, er werde das Geld wieder zurückbekommen, führte das Opfer insgesamt 18 Überweisungen in Form von Bitcoins in niedriger sechsstelliger Höhe durch.

Der Täter konnte nachverfolgt und bei der Staatsanwaltschaft Salzburg angezeigt werden.

Die Nigeria-Connection und der Vorschussbetrug

Solche Angebote wurden in der Vergangenheit zuhauf verschickt. Sei es per Email oder auf dem Weg über Soziale Netzwerke… am Ende wollen diese Betrüger an euer Geld.

Neu ist diese Betrugsmasche daher nicht, jedoch nach wie vor sehr aktuell.

Verschickt werden solche Betrugsversuche unter anderem von der so genannten Nigeria Connection, die ihre Opfer um den Finger zu wickeln versucht, um dann durch die entstandene emotionale Nähe um einen finanziellen Vorschuss bitten zu können.

Meldet man sich also auf das oben genannte Angebot, kann man sich zu fast 100% sicher sein, dass man erst mal Transaktionsgebühren von mehreren Tausend Euro zu berappen hat, ehe man in den Genuss eines Millionen-Erbes kommt – oder auch nicht, denn es wird höchstwahrscheinlich kein Erbe geben.

Die Nigeria Connection ist aber keine strukturierte Organisation, sondern es handelt sich hierbei um verschiedene Gruppen von afrikanischen Betrügern. Diese Betrüger leben zum Teil in Europa und zum anderen Teil in Nigeria.

Diese Internetbetrüger haben sich auf Kreditkartenbetrug, Dokumentenfälschung, Vorschussbetrug uvm. spezialisiert und sind seit geraumer Zeit auch mit vielen Fake-Profilen auf Facebook unterwegs.

Sie kontaktieren ahnungslose Facebook-Nutzerinnen, gewinnen ihr Vertrauen und geben nach einiger Zeit vor, sich in einer finanziellen Notlage zu befinden.

Die Hauptzielgruppe solcher Betrüger unterliegt dabei einem recht festgelegten Beuteschema:

  • Weiblich
  • Halbwegs intelligent (muss zumindest über gute Englischkenntnisse verfügen)
  • Alleinstehend
  • Mittleren Alters (sehr junge Frauen verfügen noch über keine finanziellen Ressourcen)

Auf dem Profilfoto des ausgesuchten Opfers muss ein klar erkennbares, lächelndes Gesicht zu sehen sein, denn die Betrüger beziehen sich in den ersten Kontaktversuchen darauf.

Welche Merkmale haben solche Betrüger?

Eine ganz genaue Beschreibung ist leider nicht möglich, da diese Kriminellen äußerst kreativ vorgehen und sich natürlich auch den Gegebenheiten anpassen.

Jedoch gibt es einige Grundkriterien, auf die man achten kann, um sich selbst zu schützen:

  • Altersmäßig dem Opfer angepasst
  • Vorgebliche berufliche Tätigkeit eher im mittleren Management
  • Angeblich geschieden, aber wesentlich öfter verwitwet, Kinder im Schulalter alleine zu versorgen oder ebenfalls verstorben
  • Im Facebook-Profil nicht besonders informativ und keine sichtbaren Postings
  • Vorgespielt empathisch

Und so gehen sie vor:

  • Erstkontakt via Nachricht. Die gesamte Kommunikation erfolgt in Englisch.
  • Profilbild: nicht unattraktive Erscheinung, aber auch kein „Adonis“, im Falle von Erbschaften, sehr betagte liebenswürdige Menschen
  • Berichtartiger Lebenslauf, z. B. „Meine Eltern starben bei einem Unfall, meine Frau bei der Geburt unseres Kindes.“
  • Ausfragen des anvisierten Opfers (= Suche nach Schwächen)
  • Liebesschwüre, die kein realer Mann nüchtern von den Lippen bringen würde.
  • Es tritt ein unvermitteltes Ereignis auf, z. B. „Piraten kommen“ (= skurilste Version). Oft ist die Geschichte aber dennoch in sich schlüssig als Begründung für eine daraus folgende Notlage..
  • Bitte um finanzielle Leihgabe (Betrag im vierstelligen Eurobereich) unter Einsatz von massivem, emotionalen Druck und unter Vorlage sog. „Beweise“ als Datei
  • Nach Gelderhalt – Geld weg und unbekannter Verehrer natürlich auch oder frühzeitig verstorben und kein Anrecht mehr auf das Erbe

Was kann ich tun, wenn mir so jemand schreibt?

Leider handelt es sich bei dieser Form von Betrug rechtlich gesehen um eine Art “Graubereich”.

Der Schaden, den ein solcher Betrüger anrichten kann, ist leider in der Praxis bis dato kaum behebbar, deshalb sollte man seine potentiellen Internet-Bekanntschaften ganz genau unter die Lupe nehmen.

  • Gebt nicht zu viele Informationen von euch Preis
  • Nehmt suspekte Freundschaftsanfragen nicht an
  • Falls es schon passiert ist: Eigene Kontakte verstecken
  • Vorsicht mit Informationen über die eigene Person: Seine Ängste, Träume, familiäre Situation und dgl. erzählt man auch nicht der Kundschaft vor der Kasse im Geschäft, wenn diese fragen würde.
  • Misstrauen bei relativ schneller Anwendung von Kosenamen und dem Begriff „Liebe“ durch das unbekannte Gegenüber ist angebracht
  • Für Mutige: Das Ganze abkürzen und entweder die eigene Ankunft ankündigen oder gleich fragen, wie viel Geld er denn bräuchte!
  • Für Vernünftige: Blockieren und zur Hilfe anderer zukünftiger Opfer eine Meldung bei der fb-Seite „… „ machen.

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Quellen: Landespolizeidirektion Salzburg, futurezone
Artikelbild: Wit Olszewski / Shutterstock
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