Das Tech-Unternehmen steht in der Kritik, da es Moderatoren in Dublin unter Druck gesetzt haben soll nicht über Arbeitsbedingungen mit dem Vizepremier zu sprechen.

Moderator*Innen bei Facebook haben viel zu tun. Schließlich müssen sie dafür sorgen, dass die Plattform möglichst frei von Falschinformationen und verstörenden Inhalten ist. Doch was der Job und Facebook sonst noch alles von ihnen abverlangt, darüber sollten Moderatoren am Standort Dublin wohl nicht sprechen.

Laut eines Guardian-Artikels hat Facebook Moderatoren vorab des Besuchs des irischen Vizepremiers Leo Varadkar unter Androhung der Geheimhaltungsvereinbarung davor gewarnt über die Arbeitsbedingungen zu sprechen.

Den Moderatoren sollen Disziplinarmaßnahmen angedroht worden sein

Dem Guardian zufolge berichteten Moderatoren von der Androhung von Disziplinarmaßnahmen, wenn sie über die Arbeitsbedingungen mit Varadkar sprechen sollten.

Facebook dagegen erklärte, dass es zuvor durchaus eine Teilerlaubnis gegeben hätte, über die Arbeit oder Dinge, die den öffentlichen Bereich betreffen, zu sprechen. Nur sei ein Riegel vor jene Inhalte geschoben worden, die unter die Geheimhaltungsvereinbarung fallen.

Tatsächlich sind die Moderatoren nicht direkt durch Facebook, sondern durch einen Drittanbieter namens Covalen angestellt. Eine Situation, die sich oft bei Facebook findet. Doch weder Covalen noch Facebook stellten laut den Moderator*Innen eine Kopie dieser unterschriebenen Geheimhaltungsvereinbarung aus.

Die Kanzlei Phoenix Law, die die Moderatoren vertritt, erklärte, dass die Moderatoren nachdem sie diese Vereinbarung am ersten Arbeitstag unterschrieben hätten, jene nie wieder gesehen hätten.

Covalen versicherte gegenüber dem Guardian jedoch, dass es zum Standard gehöre, dass jede*r neuer oder neue Angestellte eine Kopie solcher Vereinbarungen per Email erhalte. Falls eine verloren gehen sollte, würden sie diese problemlos erneut schicken.

Gleichzeitig streitet Facebook selbst die Verantwortung für die ausgesprochenen Warnungen ab und betont, die Mitarbeiter*Innen hätten einen Vertrag mit Covalen, somit sei auch Facebook nicht für die Kommunikation verantwortlich.

So oder so: einige Moderatoren hielten sich nicht an die Warnung

Dem Guardian-Artikel zur Folge sprachen sie mit Varadkar darüber, dass sie trotz eines strikten Lockdowns in Irland als „essentiell“ von ihrem Arbeitgeber eingestuft wurden und somit persönlich bei der Arbeit erscheinen mussten.

Auch sprachen sie über ein „Klima der Angst“, dass sich auch auf die aufgezwungene Geheimhaltung bezog: „Durch eine Kultur der übermäßigen Geheimhaltung und zu weit gefasste NDAs hat Facebook das Recht der Moderatoren auf Versammlung und Meinungsäußerung, auf Zugang zu Vertretern und auf das Aussprechen unsicherer Arbeitsbedingungen gemindert.“

Laut dem Standard ging die Kritik noch weiter, indem die Moderatoren über „Beschränkungen des Versammlungsrechts und der Meinungsäußerung, die minutiösen Zeitaufzeichnungen und Arbeitsbewertungssysteme sowie weitere Überwachungsmaßnahmen“ klagten.

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