Update: 21.04.2022: FUNKE trennt sich mit sofortiger Wirkung von „die aktuelle“-Chefredakteurin Anne Hoffmann
FUNKE bittet um Entschuldigung bei der Familie Schumacher für die Berichterstattung in der jüngsten Ausgabe von „die aktuelle“ über Michael Schumacher: „Dieser geschmacklose und irreführende Artikel hätte nie erscheinen dürfen. Er entspricht in keiner Weise den Standards von Journalismus, wie wir – und unsere Leserinnen und Leser – ihn bei einem Verlag wie FUNKE erwarten”, sagt FUNKE-Zeitschriften-Geschäftsführerin Bianca Pohlmann.  In Folge der Veröffentlichung dieses Artikels werden unmittelbar personelle Konsequenzen gezogen. „die aktuelle“-Chefredakteurin Anne Hoffmann, seit 2009 für das Blatt in journalistischer Verantwortung, wird mit dem heutigen Tage von ihren Aufgaben entbunden. (Quelle)

Im Dezember 2013 ereignete sich ein schwerer Unfall beim Skifahren, bei dem der ehemalige Formel-1-Fahrer Michael Schumacher schwer verletzt wurde. Seitdem lebt er zurückgezogen. Über seinen Gesundheitszustand wird häufig spekuliert. Die Angehörigen haben immer wieder darum gebeten, seine Privatsphäre zu respektieren. Trotzdem titelt das deutsche Boulevardblatt „Die Aktuelle“ aus der Funke-Mediengruppe nun mit „Weltsensation“ und „Das erste Interview!“ auf dem Cover, wobei Michael Schumacher auf dem Titelbild zu sehen ist. Darunter steht in kleinerer Schrift: „Es klingt täuschend echt“.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Mit KI erstellt: „Die Aktuelle“ gibt Michael Schumacher ein fiktives Interview

Im Innenteil der Ausgabe trägt das „Interview“ den Titel „Mein Leben hat sich total verändert“. „Hier ist es – das unglaubliche Interview!“ preist das Magazin und verspricht „erlösende Antworten auf die brennendsten Fragen, die sich die ganze Welt schon so lange stellt“. In dem Artikel werden Aussagen des angeblichen Michael Schumacher zitiert, wie zum Beispiel „Meine Frau und meine Kinder waren ein Segen für mich. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft“. Die Authentizität des Interviews wird jedoch infrage gestellt und bleibt unbestätigt. Schumachers Familie hat sich bisher nicht zu dem Artikel geäußert. Ein Sprecher der Familie Schumacher bestätigte allerdings gegenüber ESPN, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden, wie auch Übermedien auf tweetet:

Lesen Sie auch >   Roboter sang nicht bei einem Konzert
Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Doch wie konnte die „Die Aktuelle“ ein angebliches Interview mit Michael Schumacher veröffentlichen? Die Zeitschrift gibt an, dass es von einer Website stammt, die künstliche Intelligenz (KI) nutzt.

„Es gibt tatsächlich Internetseiten, auf denen man Gespräche mit Prominenten führen kann. Die Antworten gibt aber die künstliche Intelligenz“, erklärt das Magazin.

Doch woher weiß diese KI die persönlichen Hintergründe? Über Ehe, Kinder und Krankheiten? Jemand muss die Informationen – wie in Wikipedia – im Internet eingegeben haben. War es wirklich Schumi selbst, der aus dem Krankenbett heraus die Informationen eintippte? Oder etwa jemand aus der Familie, Pfleger oder Angestellte?

Schumacher-Interview: Eine kritische Betrachtung von Rosenkranz

Der deutsche Medienbeobachter Boris Rosenkranz kommentierte in seinem Medienblog „Übermedien„: „Die Antworten klingen jedenfalls täuschend echt! Zu schön, um wahr zu sein?“

Der Blog diskutiert die Möglichkeit, dass Schumacher tatsächlich die Informationen eingegeben hat, die von der KI genutzt wurden, um die Antworten zu generieren. Der Autor des Artikels kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Antworten im Interview zu einfach und vorhersehbar sind, um glaubwürdig zu sein. Auch kritisiert Rosenkranz die Boulevardpresse im Allgemeinen und weist darauf hin, dass sie oft bereit sind, auf Sensationsjournalismus und Clickbait zu setzen, anstatt seriöse journalistische Standards einzuhalten.

Deshalb lautet sein Fazit: „Nein. Zu dumm, um wahr zu sein.“

Quellen:

Der Standard, Übermedien

Schon gelesen? Attila Hildmann: Türkei verweigert Auslieferung von Verschwörungsprediger

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)