Der Streamingdienst Netflix plant, das momentan kostenlose Account Sharing einzuschränken. Damit soll die Nutzung des eigenen Kontos außerhalb des Haushaltes in Zukunft nur noch gegen einen Aufpreis gestattet sein. In Lateinamerika ist diese Regel bereits seit Monaten gang und gäbe. Nun soll die Taktik „breiter“ umgesetzt werden, so das Unternehmen in seinem aktuellen Quartalsbericht.

Deadline Ende 2022 bereits verpasst

Zunächst wurde angekündigt, dass das Feature, Accounts über verschiedene Haushalte hinweg zu teilen, bis Ende 2022 ich verhindert werden soll. Allerdings konnte der Streaminganbieter diese selbst gesetzte Deadline nicht einhalten.

Die neue Deadline er erstreckt sich zum Ende des ersten Quartals 2023 also Ende März.

Momentan rund 100 Millionen blinde Netflix-Passagiere

Netflix hatte zum Jahresende 2022 231 Millionen zahlende User. Laut der Marktforschungsfirma Magid teilen aber ein Drittel aller Abonnent:innen den Account auch außerhalb der eigenen vier Wände. Ein Haushalt ist für Netflix ein gemeinsamer Wohnort – wer nicht zusammenlebt, darf seinen Account offiziell nicht teilen.

Aufgrund des hohen Anteils an Menschen, die den Streamingdienst zwar benutzen, aber nie dafür bezahlen, schätzt das Unternehmen auf ca. 100 Millionen blinde User. Diese verhindern, dass das Unternehmen in den Streamingservice investieren und ihn verbessern könne.

„Dass das Account-Sharing so weit verbreitet ist, untergräbt auf lange Sicht unsere Fähigkeit, zu investieren und Netflix zu verbessern“, schreibt der Streamingdienst in seiner Mitteilung. Man wisse, dass das Ende des Abo-Teilens für viele User eine große Umstellung sei, weshalb man mehrere Komfort-Funktionen entwickelt habe. Damit meint Netflix etwa die Möglichkeit, Kontendaten zu extrahieren und eingeloggte Geräte besser zu verwalten.

Netflix erwartet „Cancel Reaction“

Nichtsdestotrotz erwähnt Netflix in der Mitteilung auch mögliche Bedenken, dass das Vorgehen gegen geteilte Accounts zu einer Kündigungswelle von Kunden führen könnte. Denn eine „Cancel Reaction“ zeigte sich auch bei der Umstellung der Konten in Lateinamerika.

Auf der anderen Seite hat man in Lateinamerika schon beobachtet, dass ehemalige Mitnutzer auch eigene Abonnements abschließen. Dadurch hofft man sich auf lange Sicht trotzdem auf einen Umsatzzuwachs, weshalb Anleger von Netflix sich nicht durch anfängliche negative Nachrichten beunruhigen lassen sollen, argumentiert das Unternehmen.

Teilen bleibt möglich, aber aufpreispflichtig

Zwangsweise ein eigenes Abonnement abschließen, ist aber nicht unbedingt nötig. Netflix plant hierzulande ein „Paid Sharing“ einzuführen. Damit zahlen Accountinhaber:innen einen zusätzlichen Betrag im Monat, können damit aber ihren Account mit Menschen teilen, die nicht im selben Haushalt leben.

Auch dieses „Paid Sharing“ hat der Streaminganbieter bereits in Lateinamerika eingeführt. Umgerechnet betragen die Kosten für das Teilen des Accounts wenige Euro monatlich pro Person – es bleibt also im Vergleich zu 2 separaten Abos die günstigere Variante.

Des Weiteren betont Netflix, dass man beim Reisen sowohl am Handy als auch am TV problemlos streamen kann.

Geräte orten

Um die neue Regelung überhaupt durchsetzen zu können, muss Netflix ermitteln, wo und auf welchen Geräten gestreamt wird. Damit das möglich ist, wird sich Netflix künftig wohl nur noch auf TV-Geräten nutzen lassen, die im eigenen Zuhause stehen. Wie das genau auf Reisen aussieht, ist noch nicht bekannt, aber es soll einen gewissen Spielraum geben.

Getestet wurde diesbezüglich, dass man den Streamingdienst einmal pro Jahr und Ort auch außerhalb des eigenen Zuhauses für zwei Wochen auf einem TV-Gerät schauen kann.

Während der Umstellung der Accounts wird es eine Art Kontoumzugsservice geben, um den Übergang einfacher zu gestalten. Ein Netflix-Profil kann dann auf einen neuen Account übertragen werden.

Hastings tritt als CEO zurück

Neben der Ankündigung der neuen Regelung informierte Netflix zudem darüber, dass Reed Hastings seinen Posten als Co-CEO abgeben wird. Der mittlerweile 62-Jährige trug 25 Jahre lang die Verantwortung für die Führung des Unternehmens. Er wird aber weiter im Vorstand aktiv bleiben.

Als Nachfolger plant das Unternehmen erneut eine Doppelspitze mit Ted Sarandos, der 2020 zum Co-CEO erhoben wurden und der bisherige COO Greg Peters, nun ebenfalls als CEO.

Quellen:

Heise, T3N

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