Die Behauptung
Ein Video soll beweisen, dass die Ukraine inszenierte Kriegsszenen mit Schauspielern („Crisis Actors“) produziert, um Geld aus den USA zu erhalten. Eine Szene zeigt eine Soldatin, die vor einem Dreh geschminkt wird – als vermeintlicher Beweis für ein gefälschtes Kriegssetting.
Falsch
Die Behauptung ist falsch. Das Video stammt aus den Dreharbeiten zu einem Musikvideo der ukrainischen Künstler Misha Scorpion und Vitsik. Es gibt keine Beweise dafür, dass die Ukraine inszenierte Kriegsaufnahmen nutzt, um Geld von den USA zu erhalten.
Kurze Faktenübersicht:
- Herkunft des Videos: Im Video sieht man Behind-the-Scenes-Material aus einem Musikvideodreh.
- Identifizierte Quelle: Das Musikvideo „Brothers“ von Misha Scorpion & Vitsik wurde am 25. Februar 2024 auf YouTube hochgeladen.
- Falschbehauptung: Das Video beweise angebliche Fake-Kriegsinszenierungen der Ukraine.
- Tatsache: Das Video hat nichts mit militärischen Operationen oder Betrug an den USA zu tun.
Hintergrund: Das Video und die falschen Anschuldigungen
Ein virales Video sorgt derzeit für Aufsehen. Es zeigt eine Soldatin bzw. eine Frau in einer ukrainischen Militäruniform, die geschminkt wird, während im Hintergrund weitere Soldaten und ein Zelt zu sehen sind. In sozialen Netzwerken wird nun behauptet, dass dies ein Beweis dafür sei, dass die Ukraine inszenierte Kriegsaufnahmen produziert, um weitere Finanzhilfen aus den USA zu erhalten.
„Ukrainische Soldaten täuschen Kampfhandlungen vor, um ‚vom Krieg gezeichnet‘ zu erscheinen, damit die US-Kasse weiter Geld in ihre Taschen fließen lässt! Was denkst du darüber?“
Der Nutzer auf X teilte in seinem Thread zu dem Video noch zwei weitere Clips, mit denen er beweisen möchte, dass in der Ukraine Inszenierungen stattfänden.
Die Videos wurden dann mit derselben Behauptung auch auf anderen Plattformen wie Facebook geteilt.
Analyse: Woher stammt das Video wirklich?
Eine genauere Untersuchung zeigt schnell: Das virale Video stammt nicht aus einem echten Kriegsgebiet. Tatsächlich handelt es sich um Behind-the-Scenes-Aufnahmen eines Musikvideodrehs.
Indizien für den Fake-Vorwurf entkräftet:
- Im Video sieht man den Namen des TikTok-Nutzers „viktikkk2“, der bekannt für Musikvideo-Content ist.
- In den Kommentaren findet sich ein Link zum Musikvideo „Brothers“ von Misha Scorpion & Vitsik, veröffentlicht am 25. Februar 2024 auf YouTube.
- In dem offiziellen Musikvideo sind die gleichen Szenen, Orte und Personen zu sehen.
Bei einem Vergleich der Bilder aus den unterschiedlichen Videos kann man schnell erkennen, dass es sich um Aufnahmen zu dem Musikvideo handelt, da die Umgebung und auch die Darstellerin dieselbe ist.
„India Today“ bestätigte zudem, dass der Musiker Vitsik selbst eine Instagram-Story veröffentlicht hatte, in der er darauf hinwies, dass die Behauptungen falsch sind.

Gegenüber „StopFake“ erklärte Vitsik: „Ich bin aktiver Militärsanitäter, und dieser Clip ist unsere kreative Arbeit. Jeder von uns ist in der Gefangenschaft durch die Hölle gegangen. Jemand, wie ich, ist immer noch hier an der Front“, kommentierte er kurz.
In der Beschreibung des Videoclips heißt es, dass ukrainische Militärangehörige, darunter auch Azovstal-Verteidiger, die die Gefangenschaft hinter sich gelassen haben, an den Dreharbeiten beteiligt waren. Das Lied selbst handelt von der Freundschaft, „die im Kampf entsteht“, und von denen, „die im Krieg zu einer Familie wurden, die in den schwierigsten Momenten zueinander stehen“. Und ganz und gar nicht, um „die USA um finanzielle Unterstützung anzubetteln.“
Wer ist die Frau im Video?
Laut der Beschreibung des YouTube-Videos zeigt die Aufnahme Mariana Checheliuk, eine ukrainische Polizistin aus Mariupol. Sie wurde im Mai 2024 nach zwei Jahren in russischer Gefangenschaft im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen.
Hier handelt es sich also um dieselbe Frau, deren Videoaufnahmen nun in sozialen Netzwerken mit falschen Bildunterschriften verbreitet wird. Sie stellte auf ihrem Instagram-Account auch klar, dass Behauptungen, es handle sich um inszenierte Bilder, „eklatante Lügen“ seien.
Was soll ich sagen: 🤦🏼♀️
Mariana Checheliuk auf Instagram
Erst passt das Kostüm nicht, und jetzt inszenieren wir einen Krieg…
Vielleicht kommen Sie uns ja mal besuchen?
„In den Vereinigten Staaten wird eine gut inszenierte Fälschung über ukrainische Soldaten verbreitet.“
„Ukrainische ‚Soldaten‘ filmen gefälschte, inszenierte Kämpfe, um Hilfe aus den Vereinigten Staaten zu bekommen“.
„Unter dieser „Nachricht“ befindet sich ein Video aus unbekannter Quelle, das ein Mädchen in ukrainischer Uniform zeigt, das geschminkt wird.“
Die Urheber der Fälschung hoffen wahrscheinlich, dass eine solch offensichtliche Lüge bei Trumps Wählern funktioniert.
Manipulative Desinformation gegen die Ukraine
Solche Narrative sind nicht neu: Bereits seit Beginn der russischen Invasion 2022 kursieren ähnliche Fake-News, in denen die Ukraine beschuldigt wird, mit angeblichen „Crisis Actors“ gefälschte Kriegsbilder zu produzieren. Ziel solcher Desinformationen ist es, die Glaubwürdigkeit der Ukraine zu untergraben und die Unterstützung westlicher Länder zu schwächen.
❌ Bereits 2022 wurden ähnliche Fake-Videos verbreitet, die angeblich „beweisen“ sollten, dass ukrainische Kampfhandlungen nur inszeniert seien.
❌ Der Begriff „Crisis Actors“ stammt aus Verschwörungstheorien – er wurde bereits während der Corona-Pandemie und auch schon lang davor bei verschiedensten Katastrophen verwendet, um echte Notlagen als inszeniert darzustellen.
Fazit zum Thema „Fake-Kriegsaufnahmen der Ukraine“
Die Behauptung, die Ukraine inszeniere Kriegsszenen mit Schauspielern, ist falsch. Das verbreitete Video stammt nicht aus dem Kriegsgeschehen oder soll dieses „für Spendenaufrufe“ aufbereiten, sondern zeigt Behind-the-Scenes-Aufnahmen von Dreharbeiten zu einem Musikvideo.
Es gibt keinerlei Belege dafür, dass die Ukraine Fake-Kriegsvideos produziert, um Geld von den USA zu erhalten. Solche Falschmeldungen sind Teil gezielter Desinformationskampagnen, die bereits mehrfach widerlegt wurden.
Quellen: FullFact, India Today. AAP, AFP, Newsmobile, StopFake, Logically Facts
Lesen Sie auch: KI im Propaganda-Sturm: Russlands Fake-News überlisten Chatbots
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
