Jetzt regt man sich schon über einen Spielplatz auf…

Ein neuer Spielplatz in Neukölln sorgt für Aufregung. Mimikama beleuchtet die Hintergründe und zeigt, wie schnell Vorurteile zu Shitstorms führen können

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In Berlin Neukölln eröffnet ein Märchenspielplatz mit dem Thema „Ali Baba und die 40 Räuber“.

Anstatt zu verstehen, dass es dort auch Spielplätze zu Käpt’n Blaubär, Arche Noah oder Pippi Langstrumpf gibt, entsteht ein Shitstorm, weil ein Halbmond zu sehen ist. Die Leute in unserem Land sind jetzt schon so weit, dass sie Kinderspielplätze anzünden wollen.
In Neukölln sind viele Spielplätze thematisch gestaltet, dort gibt es einen Spielplatz in Käpt’n Blaubär-Optik oder einen mit Piratenschiffen. Jetzt wurde ein neuer Spielplatz gebaut und ebenfalls thematisch gestaltet. Soweit, so harmlos. In seiner Nähe befindet sich die Kindertagesstätte „Ali Baba und seine Räuber“ und auf Wunsch der Kita wurde der neue Spielplatz passend designed, so die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey, wie die Märkische Allgemeine unter anderen berichtet.

Also, worum handelt es sich?

Um einen eigentlich ganz originell gestalteten Kinderspielplatz, der sich an einem osmanischen (Kinder-)Märchen orientiert und zur nächstgelegenden Kita passt. Übrigens existierte die Geschichte von „Ali Baba und die 40 Räuber“ in der arabischen Fassung von Tausendundeine Nacht noch nicht, diese wurde vermutlich von dem französischen Übersetzer Antoine Galland selbst erfunden. Und ist damit eigentlich ein europäisches Kunstmärchen.

Ende der Geschichte. Wären da nicht die Leute, derentwegen wir diesen Artikel überhaupt schreiben müssen.

Gewaltphantasien wegen eines Spielplatzes

Die üblichen Verdächtigen möchten diesen Kinderspielplatz, der noch nicht mal in Betrieb genommen wurde, nun zerstören, niederbrennen und besonders das Haupthassobjekt, den Halbmond auf der Kuppel, zerstören. Das alles nur wegen eines aus dem Kontext gerissenen Fotos eines Kinderspielplatzes.
Wir bei Mimikama analysieren gefühlt alle paar Tage wieder einen vermeintlichen „Beweis“ für die „Islamisierung“, doch dabei handelte es sich stets um aus dem Kontext gerissene Fotos (Hier, hier, hier), oder gänzlich erfundene Geschichten (Hier, ,hier, hier, hier, hier). Das meiste davon hat nicht einmal was mit dem Islam zu tun (Hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, und… naja und so weiter).
Und nichts davon gibt irgendeinen Grund zur Aufregung. Aber Hauptsache, man kann sich irgendwie aufregen und sein Feindbild untermauern. Es ist traurig, dass es soweit gekommen ist, dass jetzt Leute einen Spielplatz beschädigen und zerstören wollen und unseren Kindern keine Freude mehr daran haben lassen wollen.


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