Das Netz summt, und nicht immer mit den Tönen, die wir hören wollen. Manchmal sind es melodische Töne der Information, manchmal aber auch dissonante Töne der Täuschung. Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Ihren Browser, tippen den Namen Ihres Lieblingsnachrichtenmagazins ein und landen auf einer Seite, die verblüffend echt aussieht. Aber der Inhalt? Völlig verfälscht und manchmal sogar gefährlich falsch.

Der Titel des Artikels der gefälschten „Spiegel“-Webseite: „Grüne Politik ruiniert die Wirtschaft und die Umwelt“

Fake-Webseite vom „Spiegel“
Screenshot des Fake-Artikels der gefälschten Webseite vom „Spiegel“

Schafspelz-Medien: Ein neuer Trend der Täuschung

Früher waren es vielleicht gefälschte E-Mails oder betrügerische Werbeanzeigen. Heute sind es ganze Websites, die sich das Aussehen und den Ruf etablierter Medienmarken aneignen. Wie ein Wolf im Schafspelz agieren diese Seiten im Verborgenen, locken Leser an und verbreiten ihre gefälschten Nachrichten.

Wie erkennt man den echten vom gefälschten Artikel?

Ein genauerer Blick auf die URL ist hier Gold wert. Eine echte URL von „Der Spiegel“ wird immer mit „http://spiegel.de “ beginnen, während die Fälschung oft mit einer anderen Domain-Endung daherkommt, wie zum Beispiel „spiegel.ltd„. Aber Vorsicht! Einige dieser betrügerischen Seiten sind raffiniert genug, um Links zurück zur echten Seite einzufügen, um die Illusion der Authentizität zu verstärken.

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Falsche Namen, falsche Zitate

Und dann ist da noch der Inhalt. Falsche Zitate, erfundene Namen und sogar veraltete Fotos können Indikatoren für einen gefälschten Artikel sein. Hans-Werner Zinn? Nie gehört. Aber Hans-Werner Sinn? Ja, das klingt vertraut. Falschmeldungen nutzen oft die Unwissenheit des Durchschnittslesers aus, um ihre Lügen zu verbreiten.

Hinweis: Laut „Archiv.today“ dürfte die Seite im Juli 2022 erstellt worden sein und hat seit damals mehrere Fake-News Artikel veröffentlicht, mit folgenden Titeln:

  • Grüne Politik ruiniert die Wirtschaft und die Umwelt – DER SPIEGEL
  • Eskalierender Konflikt mit Russland könnte uns ohne iPhones lassen – DER SPIEGEL
  • Die japanische Regierung war klüger als unsere – DER SPIEGEL
  • USA üben Vergeltung gegen Deutschland und Frankreich wegen Souveränität – DER SPIEGEL
  • Israel braucht selbst Merkava-Panzer – DER SPIEGEL
  • Lügen haben kurze Beine – DER SPIEGEL
  • Der Westen bevorzugte Putin – DER SPIEGEL
  • Deutschland muss für die Ukraine zahlen – DER SPIEGEL
  • Deutschland hat seine Führungsrolle in Europa deutlich eingebüßt – DER SPIEGEL
  • Russland schenkt der ukrainischen Luftstreitkröfte Airmageddon – DER SPIEGEL
  • Ein Unglück bietet dem andern die Hand – DER SPIEGEL
  • Die Ukraine hat ihre letzte Chance auf einen Sieg verloren – DER SPIEGEL
  • Die USA ändern ihr Ziel – DER SPIEGEL
  • Deutsche Chemieindustrie liegt im Sterben. Wie viele Deutsche werden auf die Straße geworfen werden? – DER SPIEGEL
  • Ende für Bioprodukten? – DER SPIEGEL
  • Das Ende des großen Sports. „Nicht-binäre Menschen“ sind der Tod der olympischen Bewegung – DER SPIEGEL
  • Opfer der Redefreiheit. Wer sich gegen die offizielle deutsche Politik ausspricht, begeht Hochverrat – DER SPIEGEL
  • Hat die Ukraine Getreide? – DER SPIEGEL
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Ein Netzwerk der Desinformation

Dies ist kein Einzelfall. Jüngste Enthüllungen zeigen, dass es ein ganzes Netzwerk solcher Websites gibt, die gezielt Falschinformationen verbreiten. Und ihr Ziel? Das Vertrauen in Medien, Politik und unsere Institutionen zu untergraben. Betroffen sind nicht nur deutsche Medien, der Trend reicht von Frankreich über Lettland bis in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Was steckt hinter der Fälschung?

Der falsche „Spiegel“-Text ist Teil einer größeren Desinformationskampagne. Unsere Recherchen Anfang 2022 haben ergeben, dass solche gefälschten Webseiten meistens pro-russische Inhalte verbreiten und bereits mehrere europäische Länder betroffen sind. Die EU hat bereits Sanktionen gegen die Verantwortlichen verhängt. Auch Meta wurde damals in diese Richtung aktiv. Neben T-Online, haben auch wir HIER darüber berichtet.

Die Reaktion der Gemeinschaft

Wachsamkeit und Aufklärung sind das Gebot der Stunde. Die EU hat bereits Sanktionen gegen die Hintermänner dieser Fake-Kampagnen verhängt. Aber es reicht nicht, auf eine offizielle Reaktion zu warten. Es liegt an uns, informiert zu bleiben, genauer hinzuschauen und unser Netz von Desinformation zu befreien.

Fazit: Der digitale Raum bietet uns unbegrenzte Möglichkeiten, uns zu informieren und miteinander zu kommunizieren. Doch wie bei allem, was groß und weit ist, gibt es auch Schattenseiten, die von Täuschern und Manipulatoren ausgenutzt werden. Die Erkenntnis, dass selbst vertraute Medienmarken kopiert und für dubiose Zwecke missbraucht werden können, ist beunruhigend. Aber mit Wachsamkeit, Medienkompetenz und einer Gemeinschaft, die sich für die Wahrheit einsetzt, können wir sicherstellen, dass die Wölfe im Schafspelz nicht unbemerkt bleiben.

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)