Faktencheck

Festnahme von Greta Thunberg in Lützerath ist nicht gestellt

Polizei Aachen bestreitet die Vorwürfe: keine Inszenierung mit Greta Thunberg

Walter Feichtinger

Die Behauptung

Die Festnahme von Greta Thunberg bei den Protesten gegen Abriss des Dorfes Lützerath sollen von Polizei und Medien gestellt worden sein.

Unser Fazit

Greta Thunberg wurde zwar nicht verhaftet, aber die Polizei bestätigt eine durchgeführte Amtshandlung: Zum Aufnehmen der Personalien wurde die Klimaaktivistin kurzzeitig festgehalten.

Mehrere kurze Videoclips, die gerade massiv geteilt werden, sollen beweisen, dass die Festnahme von Greta Thunberg bei den Protesten gegen den Abriss des Kohlendorfes Lützerath nur gestellt ist. In einem Clip sieht man, wie die Klimaaktivistin es entspannt über sich ergehen lässt, dass zwei Polizisten sie festhalten und später wegbringen. Pressefotografen halten die Szene fest.

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Ein anderer Ausschnitt zeigt, wie drei Uniformierte sie über schlammigen Boden wegtragen. Man hört einen Journalisten (auf Englisch) sagen: „Die Polizei bringt die ersten Personen zur Aufnahme der Personalien.“

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Proteste in Lützerath: Festnahme von Thunberg

Die Aufnahmen entstanden am 17. Januar 2023 am Areal des Tagebaus Garzweiler. Der Energiekonzern RWE baggert dort Braunkohle ab, dafür soll auch das Dorf Lützerath abgerissen werden. Dieses wird seit geraumer Zeit von Klimaaktivisten besetzt, um den Abriss zu verhindern. Am 11. Januar hatte die Polizei mit Großaufgebot begonnen, das Dorf zu räumen. Tausende Menschen protestierten am 14. Januar dagegen und nochmals am 17. des Monats.

Festnahme Thunberg
Greta besuchte auch schon 2021 das besetzte Dorf. Foto: Christoph Schnüll

Im Zuge dieser neuerlichen Proteste habe sich eine Gruppe von etwa 30 bis 50 Personen Tagebau Garzweiler zubewegt, gab eine Sprecherin der Polizei Aachen gegenüber Correctiv an. Dabei sei eine Person in den Tagebau gesprungen und weitere über die Verwallung getreten. Greta Thunberg selbst habe die Verwallung allerdings nicht übertreten. Gegen das Betreten des Geländes könne RWE Anzeige erstatten, deshalb wäre es notwendig gewesen, die Personalien aller aus dieser Gruppe zu erfassen. Die Videoaufnahmen sind im Rahmen dessen während einer Wartezeit entstanden.

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Polizei widerspricht Inszenierungs-Vorwürfen

„Sie ist rausgetragen worden wie jeder andere auch und zwischendurch abgesetzt worden“, erklärte ein Polizeisprecher der NZZ. Sie lehne es nicht ab, wenn Fotografen die Polizei bitten würden, eine solche Szene festzuhalten zu dürfen. „Wenn wir da Nein sagen würden, bekämen wir ganz andere Vorwürfe zu hören.“ Die Wartezeit sei entstanden, zitiert NZZ die Bild, weil die „Polizei-Wagenburg“ bereits mit Personen gefüllt war, von denen man die Personalien aufgenommen hatte.

FAZIT: Greta Thunberg wurde am 17. Januar 2023 am Tagebau-Gelände Garzweiler zur Feststellung der Personalien festgehalten, aber nicht verhaftet. Die Bilder sind nicht gestellt und entstanden während einer kurzen Wartepause.

Bewertung: FALSCH

Quellen: Correctiv, Glomex, NZZ, dpa, Deutsche Welle, Greta Thunberg auf Twitter, Polizei Aachen; Titelbild: Glomex/dpa

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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